Nils Wülker: „Up“ – es kann nur aufwärts gehn

VERÖFFENTLICHUNG» 27.02.2015
BEWERTUNG» 8 / 9
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Soso, Jazz-Trompeter, na ich weiß nicht. Der Name Nils Wülker war mir dann auch gar kein Begriff. Aber man hört halt mal rein. „Up“ heißt das neue Album und es ist schon das achte. Wülker ist in Bonn geboren, begann mit zehn Jahren, Trompete zu spielen, war Mitglied im JugendJazzOrchester NRW und studierte an der Hochschule für Musik in Berlin. Kompositionen für die „Space Night“ des Bayerischen Fernsehens. Damit erreicht man zumindest ein Nischenpublikum. Zusammenarbeit mit Stars wie Silje Nergaard, Gregory Porter und Samy Deluxe. Dann der Durchbruch 2013, als er mit dem ECHO ausgezeichnet wurde und den German Jazz Award erhielt.

Auf dem aktuellen Werk erntet er die Lorbeeren, denn da tummeln sich illustre Stars wie Max Mutzke, Xavier Naidoo und Sasha. Also ab in den Player – und verdammt ist das eine entspannte Musik. Vielleicht hat er mich gerade im richtigen Moment erwischt. Die ruhigen, melancholischen Stücke sind wunderschön. Egal, ob eine Gesangslinie dabei ist oder Wülker einfach nur sein Instrument nutzt. „Dawn“, „A Fine Line“ und „Confluence“ zeigen, wie sanft man die Trompete spielen kann. Das hat nichts gemein mit lauter Blasmusik, ist aber auch nicht jazzig verkopft. Er produziert einfach schöne Melodien, die von der Trompete über eine reduzierte, atmosphärische Begleitung getragen werden.

Wenn dann Mutzke, Naidoo oder Lauren Flynn als musikalische Partner an den Vocals einsetzen, bieten sie einen Mehrwert, der gar nicht nötig gewesen wäre. Vor allem die erste Hälfte des Albums funktioniert wunderbar zu einer Flasche Wein am Kamin, aber auch auf einer Autofahrt nach gestressten Arbeitstagen. Wülker nimmt uns mit in seine eigene Welt und kreiert hörenswerte Musiklandschaften für Genießer.

Zum Ende hin wird der Fluss etwas unruhiger. „Three Grains Of Saffron“ bekommt einen deutlichen Funk-Einschlag, Pianist Craig Armstrong bereichert „Kelvingrove“ im Duett mit der Trompete, auch für „Worth The Wait“ wird ein Zahn zugelegt und Strahlemann Sasha versieht „Keeps On Walking“ mit fetziger Gesangsstimme, bevor „Reading Kafka On The Shore“ uns wieder in ganz friedliche Sphären und eine heimelige Urlaubsstimmung zurück führt.

Nils Wülker ist hier ein einzigartiges Album gelungen, das die Trompete zwar als Instrument in den Mittelpunkt stellt, deren Einsatz aber niemals übertreibt. Als Laie kann ich nur staunen, wie dezent und einfühlsam man dieses Instrument spielen kann. Und melodischer Jazz ist doch so viel angenehmer als das angeberische Gefrickel, dass man sich sonst so oft anhören muss.