Nino de Angelo: „Meisterwerke“ – der ehemalige Schlagersänger gibt zwölf bekannten Liedern eine neue Stimme

VERÖFFENTLICHUNG» 05.12.2014
BEWERTUNG» 7 / 9
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Die Geschichte des Künstlers Nino de Angelo ist in vielen Aspekten eine tragische Geschichte. Jahrelang hat der Mann aus Karlsruhe versucht, seinem Image als Schlagersänger zu entfliehen – doch so recht gelungen ist das nie. Wie soll man auch, wenn jeder den Namen mit dem Hit „Jenseits von Eden“ verbindet? Er ließ sich von Dieter Bohlen produzieren und startete erfolglos beim Eurovision Song Contest. Dann versuchte er sich in Rockmusik und strich das Nino aus dem Künstlernamen. Es folgten Projekte mit der Dancefloor-Band Mr. President und eine Rolle bei Maffays Tabaluga-Musical. Nach einer Krebserkrankung brachte das neue Jahrtausend die Privatinsolvenz, aber auch Erfolge als Schauspieler.

Was kann man als vorläufiges Fazit der Karriere sagen? Nino de Angelo hat nie aufgegeben. Mit 50 Jahren veröffentlicht er wieder ein Album, das den Titel „Meisterwerke – Lieder meines Lebens“ trägt und dabei nicht etwa eigene Titel enthält, sondern Coverversionen von Liedern, die sein Leben geprägt haben. In meinen Augen macht es für einen Sänger immer Sinn, seine musikalische Biographie in Songs zu fassen. Ob man dies nun (wie Adel Tawil) in einen eigenen Titel packt oder eben eine Compilation zusammen stellt. Nino de Angelo hat immer noch eine starke Stimme. Und die Auswahl der Tracks ist – sagen wir mal – überraschend.

Ich fange mit den potentiellen Stolpersteinen an: Wenn sich jemand an zwei meiner Lieblingslieder wagt, kann dies zu harscher Kritik führen. Doch ich muss sagen, dass gerade die Interpretationen von „Wie soll ein Mensch das ertragen“ (Poisel) und „Du trägst keine Liebe in dir“ (Echt) hervorragend funktionieren. De Angelo versucht sich nicht in einer Kopie, sondern gibt den Titeln eine eigene Note mit. Seine charismatische Stimme trägt die Texte sehr gelungen und – was ganz wichtig ist – macht keine Schlager draus.

Auf dem Album befindet sich eine recht bemerkenswerte Sammlung von Songs aus fünf Dekaden, von dem Udo Jürgens Klassiker „Merci Cherie“ (1966) über den NDW-Hit „Der goldene Reiter“ von Joachim Witt (1981) bis hin zu modernen Popklassikern wie „Symphonie“ von Silbermond (2004). Letzterer klingt mit männlichen Vocals schwächer als das Original, ist aber dennoch sehr intensiv. Ganz stark sind die Titel, die ein Stück von Ninos Karriere in sich tragen. Achim Reichels „Der Spieler“ beispielsweise und „Wir sind am Leben“ von Rosenstolz. Hier schöpft De Angelo seine Emotionen voll aus. Die charismatische Stimme passt hervorragend zu Karats „Schwanenkönig“ und die Intensität des Tracks „Meine Soldaten“ aus der Feder von Maxim ist enorm, wenn die Elektro-Elemente des Originals ausbleiben.

Ein Kompliment also an Nino de Angelo für die Auswahl und Interpretation von elf Songs mit absolut stimmigen Arrangements. Allein auf den zwölften Titel „Tränen lügen nicht“ hätte ich verzichten wollen.