Opernwelt trifft Pop: The Dark Tenor und seine „Symphony Of Light“

VERÖFFENTLICHUNG» 10.10.2014
BEWERTUNG» 6 / 9
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Die Inflation an Tenören schreitet weiter voran. The Ten Tenors, die drei Tenöre, die jungen Tenöre, Il Divo, Adoro und viele mehr. Selten, dass einer es mal alleine probiert. Doch endlich kann der geneigte Fan koloraturenlastiger klassischer Musik fündig werden. Um die Person des Dark Tenor wird allerdings ein großes Geheimnis gemacht. Bisher tritt er nur in mystischer dunkler Verhüllung auf. Das Debütalbum trägt den passenden Titel „Symphony Of Light“ und kann zumindest musikalisch Licht ins Dunkel bringen.

Die 14 Titel des Crossover-Albums verbinden Klassik und Pop, Tradition und Moderne. Da verwundert es nicht, wenn ein Synthesizer das Piano ersetzt und wilde Gitarren erklingen. Die Kompositionen tragen moderne Titel, sind aber oft mit altbekannten Klassikern verknüpft. So hört man in „River Of Life“ die altbekannte „Moldau“ (Smetana) und sonnt sich in den Klängen von Beethovens „Ode an die Freude“. „Haunted Hearts“ beinhaltet die Suite „Karneval der Tiere“ und auch darüber hinaus sind unzählige Anleihen an Mozart, Tschaikowski und Co. hörbar.

Das Besondere ist der Grenzen sprengende Ansatz, der moderne, computergenerierte Musik neben dem Orchester stehen lässt. Bombast und Pathos gehören dazu, werden aber in modernen Poparrangements auf den Boden der Gegenwart geholt. Interessant, dass dabei die unterschiedlichsten Gäste mitwirken: Yiruma spielt selbst seinen Welthit „The River Flows In You“, der Dresdner Kreuzchor ist dabei und gleich zwei Bandmitglieder von Silbermond bieten instrumentale Einsprengsel.

Solche Vielfalt bewegt sich oft an der Grenze des guten Geschmacks. Das mag den Produzenten bewusst sein. Wer schon Adoro gehasst hat, wird sich auch mit dem Dark Tenor kaum anfreunden. Was für den Interpreten spricht, ist aber seine geübte, kraftvolle Stimme. Zudem macht die Verknüpfung neuer Arrangements mit den Gassenhauern der Opernwelt jeden Track zu einem einzigartigen neuen Werk. Das düstere Gehabe kann man dann einfach mit einem Augenzwinkern übersehen. Ein wenig Pathos gehört halt dazu.