Placebo und die Gleichzeitigkeit des Aufführens und Erschaffens

VERÖFFENTLICHUNG» 27.11.2015
BEWERTUNG» 8 / 9
ARTIST»
LABEL» ,
Placebo MTV unplugged bei Amazon bestellen

An Placebo werden sich weiterhin die Geister scheiden. Für die einen sind sie die genialste Band der Welt, für die anderen fehlt ihnen manchmal das Hitpotential. Trotz ihrer seit der Jahrtausendwende sehr hohen Chartplatzierungen in Deutschland und England stehen Placebo immer noch irgendwie auf der Schwelle zwischen Geheimtipp und Topact. Da ich beruflich seit Jahrzehnten in Luxemburg unterwegs bin, war mir der Bandname schon recht früh ein Begriff – gingen Brian Molko und Stefan Olsdal doch in eine Luxemburger Schule und sind so etwas wie die geheimen Ehrenbürger des kleinen Landes, was man bei den Konzerten dort immer wieder feststellen kann.

Die Legende sagt, dass beide sich zufällig an der Londoner U-Bahn-Station South Kensington kennen lernten und ihre musikalischen Gemeinsamkeiten entdeckten. Diese werden oft im Britpop vermutet, was die Bandmitglieder in der Regel jedoch vehement von sich weisen. Und hört man sich erst einmal in das Früh- und Spätwerk der Band ein, dann steht man den Red Hot Chili Peppers und den Kings Of Leon doch viel näher als etwas Oasis oder Blur.

Ein kleines Jubiläum steht 2016 an, denn vor zwanzig Jahren wurde das Debütalbum veröffentlicht. Zeit also, sich zurück zu lehnen und Bilanz zu ziehen. Sieben Studioalben, zwölf Millionen verkaufte Platten, Welttourneen – was kann da noch kommen? Richtig: ein MTV unplugged. Aber passt das zu der Band mit dem elektronisch geprägten Gitarrensound? Oh ja, das tut es ohne Zweifel. Placebo durchlaufen mit dieser Session einen Erneuerungsprozess, der vielleicht schon lange fällig war.

Bereits an zweiter Stelle im Set steht der einzige wirkliche Megahit „For What It’s Worth“. Das ist auch ein Statement. Es geht ganz sicher nicht darum, bekannte Titel in ein neues Gewand zu pressen. Stattdessen hat man dafür gesorgt, dass alle Studioalben vertreten sind und der Set in sich stimmig ist. Sehr fein, sehr virtuos. Mit akustischen Gitarren, Piano und einem Streicherensemble, das auch mal an eigentlich unpassender Stelle den Konzertflow unterbrechen darf.

Mit den Neuinterpretationen schaffen Placebo eine schön heimelige Atmosphäre. Die Veröffentlichung im Herbst ist gut gewählt. Wenn draußen der Blättersturm rauscht, darf man sich auf die dunkel angehauchte Musik und Molkos charakteristische Stimme freuen, die mal weinerlich daher kommt und dann wieder durch tiefe und hohe Stimmlagen schwebt.

Mir persönlich gefallen die aktuellen Stücke sehr gut. Vor allem „Too Many Friends“ ist immer wieder ein Highlight. Und gerade weil es einige Stücke im Set gibt, die bisher selten oder nie live gespielt wurden, verschmilzt das Album zu einer akustischen Einheit und ist in sich durch und durch stimmig. „Wir wollten etwas Einzigartiges auf die Beine stellen, das eine Herausforderung für uns darstellt,“ erklärt Brian Molko. „Dieser Prozess war sehr interessant, denn man erschafft etwas im gleichen Moment, in dem man es aufführt. Das haben wir noch nie zuvor getan. Diese Gleichzeitigkeit des Aufführens und Erschaffens war für uns ganz neu.“

Unsere Placebo Empfehlung

MTV Unplugged
55 Bewertungen
MTV Unplugged
  • Placebo, MTV Unplugged
  • Vertigo Berlin (Universal Music)
  • Audio CD

Letzte Aktualisierung am 11.12.2016 um 14:10 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Weitere Empfehlungen zu Placebo

Bestseller Nr. 1
A Place For Us To Dream

Placebo, A Place For Us To Dream - Vertigo Berlin (Universal Music) - Audio CD

14,99 EUR
Bestseller Nr. 2
MTV Unplugged

Placebo, MTV Unplugged - Vertigo Berlin (Universal Music) - Audio CD

6,99 EUR
Bestseller Nr. 3
Loud Like Love

Placebo, Loud Like Love - Vertigo Berlin (Universal Music) - Audio CD

7,99 EUR

Letzte Aktualisierung am 11.12.2016 um 14:10 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API