Radio Havanna – „Unsere Stadt brennt“

VERÖFFENTLICHUNG» 13.02.2015
BEWERTUNG» 6 / 9
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Es kommt mir so vor als wäre es gestern, als man  als kleiner Hosenscheißer von 13 Jahren das Piratenradio anmachte und im damaligen Zimmer mit der eigens gebauten Steinschleuder auf Pos(t)er aus der „Yam“ oder „Bravo“ ballerte. Ein Hoch auf erste Freundinnen und ihre damaligen Schmuddelheftchen. Jetzt, zehn Jahre und vier Alben später sind Radio Havanna mit ihrem neuen Album Unsere Stadt brennt am Start. Und das kann sich bereits beim Aufmachen sehen lassen: Ein knatschorange knallt einem wie ein Gefahrenzeichen entgegen, als das Paket zur Bemusterung geöffnet wird.

Doch wie verhält es sich mit dem Inhalt? Wir haben zum Einen, wie es bei Radio Havanna immer der Fall war, deftige „Woho Parts“ bei Raketen, gepaart mit jeder Menge Wut über Selbstverwirklichung (Geisterstadt), Monogamie (Glasherz) und das Establishment (Kaputt) im Allgemein. Dabei geht es mal plakativ, mal ruhig oder mal einfach roh und nach der Attitüde mitten auf die Fresse zu Gange.

Da ist sie wieder, die gute Seele des Punkrocks. Steht auf für die Schwachen, lasst euch nicht zum Narren machen und – last, but not least – macht kaputt was euch kaputt macht. Alles gut gemeinte Ratschläge, die sich jeder Mensch zu Herzen nehmen sollte. Doch wie einst schon Marcus Wiebusch sagte: „Das Gegenteil von gut, ist gut gemeint.“ Umso stärker uns melodischer die musikalischen Arrangements klingen, umso weniger eindrucksvoll spiegelt es sich in manchen Texten wieder. Die Entwicklung der Band ist hierbei ein wenig stagniert, will man meinen. Sollte man also deshalb keinen Kauf der Band aus Suhl – zum Glück jetzt Wahlberliner – in Erwägung ziehen? Definitiv nicht! Radio Havanna präsentieren mit „Unsere Stadt brennt“ ein grundsolides Album. Das ganz große Feuerwerk bleibt aber aus.

Songempfehlung: Geisterstadt, Kaputt, Unsere Stadt brennt