Ray Wilson: „The Studio Albums 1993-2013“ enthält das Solowerk auf 8 CDs

VERÖFFENTLICHUNG» 20.03.2015
BEWERTUNG» 7 / 9
ARTIST»
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Ray Wilson The Studio Albums 1993-2013 bei Amazon bestellen

Gut dreißig Jahre dauert die Berg- und Talbahn inzwischen an, wie man Ray Wilsons Karriere wohl umfassend bezeichnen muss. Mein erster Berührungspunkt mit seiner Musik war dann auch schon 1993, als sein Song „Swing Your Bag“ Teil eines Samplers von Fishs Funny Farm in der Nähe von Edinburgh war. Beide Schotten haben eine große Gemeinsamkeit: Sie standen im Lauf der Zeit zwei großen Progbands vor. Bei Fish war es Marillion in den 80ern, bei Ray war es Genesis Ende der 90er. Und live zehren beide heute noch vom Bekanntheitsgrad aus dieser Zeit.

Die Höhen und Tiefen für Ray fasst nun ein Boxset zusammen, das den Titel „The Studio Albums 1993-2013“ trägt. Darin enthalten sind zum äußerst günstigen Preis alle acht Studioalben, an denen Ray Wilson die Rechte hat. Immerhin firmierte er im Lauf der Zeit unter verschiedenen Bandnamen. Logischerweise ist Genesis‘ „Calling All Stations“ nicht dabei. Und leider auch nicht das Stiltskin-Album „The Mind’s Eye“ aus dem Jahr 1994. Von diesem stammt nämlich der Nummer-1-Hit „Inside“ (wir erinnern uns: Werbesong für Levi’s Jeans). Interessanterweise hat Wilson sich später den Bandnamen Stiltskin gesichert, um seine rockiger geprägten Solo-Sachen unter diesem Label zu veröffentlichen.

Von diesen beiden Alben abgesehen, ist die Zusammenstellung der Studiowerke aber vollständig. Daher finde ich die Box auch perfekt, um dem unbedarften Musikliebhaber das Werk von Ray Wilson näher zu bringen. Es beginnt mit dem Album „Swing Your Bag“, das unter dem Bandnamen Guaranteed Pure erschien. Nun ja. Eine Mischung aus Rock und Swing, die nicht gerade mein Fall ist. Der Titelsong lässt sich gut hören – und „The Airport Song“, der auch heute noch als eine Art Comedy Nummer so manche Setlist des Schotten krönt. Da das Album bisher aber nur schwer erhältlich war, ist es ein wichtiger Bestandteil dieses Sets.

Nach dem Rauswurf bei Genesis gründete Ray die Band Cut und veröffentlichte das Album „Millionairhead“. Ab hier ging die musikalische Ausrichtung in eine bunte, vor allem rockige Richtung, die das Werk von Ray bis heute bestimmt. Seine große Stärke sind hymnische Rocker wie „Sarah“ und Balladen im Stil von „Another Day“. Das erste echte Soloalbum trug den Titel „Change“ und enthält eine Zusammenstellung vor allem ruhiger, melancholischer Songs, die live sehr stark wirken. Mein großes Highlight bleibt aber das emotionale Stück „The Actor“ vom zweiten Soloalbum „The Next Best Thing“. Diesen Song schrieb Ray über das schwierige Leben im Rampenlicht und zieht dabei Parallelen zu seiner eigenen Geschichte.

Die letzten vier Alben teilen sich auf: zwei erschienen unter dem Bandnamen Stiltskin, zwei unter dem Namen Ray Wilson. Die Instrumentalisten sind aber neben Ray meist gleich. Es gibt also höchstens stilistische Unterschiede. Beide Stiltskin-Alben funktionieren als große Band-Produktionen und stellen die eher laute Seite des Ray Wilson dar, die Soloalben „Propaganda Man“ und „Chasing Rainbows“ haben eine eher akustische Ausrichtung.

Als Gesamtpaket bieten die acht CDs einen perfekten Blick auf Rays Soloschaffen. So schön die Interpretation alter Genesis-Hits auch ist: Mit seinen eigen Songs liegt Ray für mich immer ganz weit vorne. Da finden sich viele Perlen, die man mal gehört haben sollte. Die Alben befinden sich einzeln in der Box, verpackt in Card-Sleeves. Musikalisch gibt es hier einiges zu entdecken.