Saltatio Mortis: Vorhang auf und Manege frei für den „Zirkus Zeitgeist“

VERÖFFENTLICHUNG» 14.08.2015
BEWERTUNG» 8 / 9
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Seit Anbeginn ihrer musikalischen Laufbahn versorgen Saltatio Mortis die gängigen Mittelalterfeste im deutschsprachigen Raum mit halbwegs authentischer Musik. Erst letzte Woche konnte ich sie im Urlaub auf dem „Spectaculum“ in Aach am Bodensee bewundern. Gleich zwei Shows gab es für die Mittelalter-Fans. Nachmittags war der Zuspruch noch etwas verhalten, doch am Abend boten sie eine stimmungsvolle und vor allem laute Akustik-Show mit vier Dudelsäcken und heroischen Gesangslinien. Man hatte am Tag zuvor gerade die Nummer 1 in den deutschen Albumcharts gefeiert und war entsprechend verkatert. Das tat der super Stimmung jedoch keinen Abbruch.

Vom aktuellen Album „Zirkus Zeitgeist“ gab es allerdings nur zwei Songs, was logisch ist, wenn man sich die mit E-Gitarren versehenen Arrangements anhört. Solch Rockspektakel passt dann doch nicht auf den Mittelaltermarkt. Wer diese harten Klänge hören will, muss die reguläre Tour im Herbst abwarten.

„Zirkus Zeitgeist“ bietet vierzehn Stücke, die zwar musikalisch den Geist vergangener Jahrhunderte in sich tragen, textlich aber äußerst politisch und zeitkritisch daherkommen. Die viel zu früh im Jahr kommerziell startende Weihnachtszeit, die namenlosen Toten der Weltkriege, ein fröhliches „Wir sind Papst“ gegen die Deutschtümelei und „Des Bänkers neue Kleider“ mit den härtesten Riffs des Albums – hier werden eine Vielzahl aktueller Themen angerissen und mutig angegangen.

Das Zirkus-Thema nimmt vor allem der Opener „Wo sind die Clowns?“ auf. Ein eingängiger starker Song, der nach ein wenig stimmungsvoller Zirkusmusik ungehemmt auf uns einbrettert. So darf der moderne Spielmann klingen! In der „Deluxe Edition“ gibt es übrigens auf einer zweiten Disc passend zum 15jährigen Bestehen 15 Saltatio Mortis-Klassiker, die von befreundeten Bands eingespielt wurden. Da ist die Elite vertreten mit u.a. Unheilig, Subway To Sally, Doro, Schandmaul und Vanden Plas. Vorhang auf und Manege frei für den „Zirkus Zeitgeist“.