Es kann nur einen geben: Sasha ist „The One“

VERÖFFENTLICHUNG» 05.12.2014
BEWERTUNG» 7 / 9
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Es gab Momente, da hatte man Sasha schon verloren geglaubt. Irgendwo in diesem Bermuda-Dreieck zwischen Malle, Lloret und Ibiza. Das war zu dieser unseligen Zeit, als „I Feel Lonely“ zum Mitgröl-Hit in allen Lebenslagen mutierte. Wenn die Meute im Festzelt einen Song lauthals anstimmt, wird es schwierig mit dem ernsthaften Künstlertum. Das muss Helene Fischer momentan wohl auch auf die schmerzhafte Tour erfahren.

Doch dann kam die Erlösung in Form einer zweiten Kunstgestalt: Sascha Schmitz nannte sich nicht mehr Sasha, sondern schaffte das alter Ego Dick Brave. Eigens für diese Rolle wurde eine spezielle Biographie erschaffen. Der Rockabilly-Sänger Dick Brave stammt aus Kanada und spricht gebrochen Deutsch. Er bietet eine gelungene Mischung aus Eigenkompositionen, Rockabilly-Klassikern und Coverversionen von modernen Hits. Gerade letztere faszinieren besonders, da Songs verschiedenster Stilrichtungen konsequent im Rock´n‘Roll Sound der 50er interpretiert werden.

Jetzt wechselt der Sänger also munter zwischen beiden Figuren hin und her. Das tut seiner Musik verdammt gut. Sasha hat sich musikalisch auf beeindruckende Weise weiterentwickelt hat. Aus dem Teenie-Star von damals ist ein ernst zu nehmender Künstler geworden, der seinen eigenen Stil gefunden hat. Mit „Good News On A Bad Day“ veröffentlichte er vor fünf Jahren sein letztes Studioalbum als Sasha. Eine lange Zeit seitdem, doch zwischenzeitlich wurde Dick Brave aktiv. Und für „The One“ fand man einen neuen, entkernten und groovend modernen Sasha-Sound, der zum roten Faden des neuen Albums wurde: „Wir haben in den Sessions zu The One bald nur noch reduziert und uns auf das Wesentliche der Songs konzentriert – Sounds, Groove und Melodie“, sagt Sasha. „Schließlich bin ich es, der sich jeden Morgen aufs Neue einmal kurz im Spiegel in die Augen schaut. Alle Entscheidungen im Prozess der Aufnahmen zu The One habe ich getroffen, da ich heute viel klarer weiß, was ich will – und wie ich es bekomme.“

Überraschend fand ich auch Sashas Mitwirken bei „Sing meinen Song“ und die Vielfalt, die wir dort von ihm erleben durften. Die neuen Ideen zeigen alle Facetten des Künstlers. In seinen gitarrenlastigen melodischen Pop haben sich Rockabilly und Reggae eingeschlichen, es gibt gefühlvolle Passagen und akustische Gitarren. Etwas Ernsthaftigkeit und Melancholie stehen dem charmanten Sänger sehr gut – und über die etwas fehl am Platz wirkenden Elektropop-Einsprengsel sehe ich mal hinweg.

Sasha hat genügend Einfallsreichtum, um sich und seine Musik in Abständen neu zu erfinden. Das tut er auch mit „The One“ und einem fetten poppigen Sound. Also Ohren auf und etwas Leben in die Weihnachtsbude.