SDP und ihr neues Programm: „Zurück in die Zukunst“

VERÖFFENTLICHUNG» 22.05.2015
BEWERTUNG» 8 / 9
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Das Geniale an SDP? Dass sie es immer wieder schaffen, sich als Gesamtkunstwerk zu verkaufen. Etwas mehr als ein Jahr nach Gründung der „Bunten Rapublik Deutschland“ nehmen sie sich den nächsten Schritt vor. Keine halben Sachen, sondern gleich die Rettung des ganzen Universums. Dazu erschaffen Vincent Stein und Dag-Alexis Kopplin zwei veritable Kunstfiguren, die ihre abstruse Story anhand von Hörspielpassagen und spaßigem Deutschrap an die geneigten Hörer bringen.

Die Welt ist im Wandel. Das Universum steht kurz vor seiner totalen Vernichtung. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wird klar, dass der Mensch die Geister, die er rief, nicht so einfach wieder los wird: Naturkatastrophen, Internet, Sex, Gewalt und Mononatriumglutamat drohen das Universum zu zerstören. An die Spitze der letzten Résistance der Menschheit setzen sich ungefragt die Helden von SDP und schmieden ein Album, das mehr ist, als nur ein Album: Es ist ein Waffe. Dazu geschaffen, die Musik von sämtlichen Genrezwängen zu befreien, um damit die Vielfalt der Musik vor einem sinnlos-qualvollen Untergang zu retten. Das ist das Grundgerüst eines inhaltlichen Konzepts, das zwischen den einzelnen Songs immer wieder auftaucht.

Dazu gibt es fröhliche, bierschwangere Songs zwischen Elektronik und Rap, die den Rest der Szene alt aussehen lassen. Es beginnt schon mit dem Ohrwurm „Klopf Klopf“. Hier sollte jeder nach kürzester Zeit mitsingen können. Dann folgt „Ich will noch nicht nach Haus!“ – schamlos dem Smashhit von Laserkraft 3D entliehen. Das Album strotzt ohnehin vor Zitaten und das Duo bedient sich fleißig bei kultigen Vorbildern wie den „Simpsons“ oder „The Walking Dead“.

Witzig und ironisch erfolgt der Rundumschlag. Musikfreunde finden Punk, Elektronik, Deutschrock und Weltmusik. Genregrenzen verschwimmen hier in jede Richtung. Ein Song wie „Deine Freundin“ wird auch als Ballermann-Schlager funktionieren und „F.I.C.K.D.I.C.H.“ bewegt sich zielsicher unterhalb der Gürtellinie. Doch es gibt nicht nur spaßige Titel. „CYB3R CR!M3“ hat einen ebenso ernsten Hintergrund wie „Erstmal ein Selfie“. Songs wie „Ich will nur dass du weißt“ treffen den Nerv unserer Zeit und legen den Finger in eine Wunde. Virtuelle Räume und ständige Verfügbarkeit – das Science-Fiction-Konzept wird hier konsequent zu Ende gedacht.

SDP bewegen sich auf durchaus kultigen Pfaden. Es ist bereits das achte Studioalbum der Berliner Band. Und das Ergebnis kann sich hören lassen. Die Gratwanderung zwischen Albernheit und ernsten, kritischen Tönen fällt meist zugunsten des Duos aus. Den Abschluss bildet dann ein kleines Hörspiel, das die konzeptionelle Geschichte rund macht.

Wer sich für die Deluxe Edition entscheidet, wird übrigens mit Gimmicks zugeschmissen: Instrumental-CD, Live-DVD, Poster, Actionfiguren, Hardcover-Logbuch, Space Crew Member Card – da wird einiges mitgeliefert. Wenn so die Zukunft aussieht, besteht noch Hoffnung. Mir ist der fröhlich-ironische Ansatz allemal lieber als Aggro-Klänge und Selbstbeweihräucherung.