Streets of Laredo lassen mit „Volume I & II“ den Folkrock der 70er erfrischend wieder aufleben

VERÖFFENTLICHUNG» 14.11.2014
BEWERTUNG» 8 / 9
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Bereits in der neuseeländischen Heimat der siebenköpfigen Folk-Rock Band, die aber mittlerweile in Brooklyn, NY beheimatet ist, entstanden die ersten Songs für ihr Debütalbum „Volume I & II„. Den Kern von Streets of Laredo bildet die Gibson-Familie, bestehend aus Daniel, David und Sarahjane, deren Bandname sich auf eine populäre Country-Ballade und den Ort Laredo in Texas bezieht. Als ursprünglich irisches Volkslied „The Unfortunate Rake“ ist diese Melodie erst nach England, dann von Seefahrern nach Amerika überliefert und als Western-Ballade adaptiert und vielfach, u.a. von Johnny Cash, interpretiert worden.
Vor allem durch ihre Auftritte beim SXSW Festival, Austin und dem CMJ Music Festival, NY sind Streets of Laredo in Amerika schon zum echten Geheimtipp avanciert und beglücken jetzt auch ganz Europa mit zehn erfrischenden Songs ihres Debüts. Nach eigenen Angaben wurde ihre Musik von Bands wie Fleet Foxes, Grizzly Bear, Arcade Fire, Band of Horses und The Lumineers inspiriert, jedoch zeigt sich ebenfalls sehr deutlich ihr Faible für 70er Folk-Legenden wie Cat Stevens oder Bob Dylan.

Die Songs greifen in ihren harmonischen, jedoch durchaus wilden und energiegeladenen Kompositionen, den warmen Americana- und Indie-Folksound auf, den sie unter experimentellem Einsatz der unterschiedlichsten „Instrumente“ individualisieren (Mundharmonika, Melodica, Schelle, Horn, Säge etc.). Die Texte erzählen vor allem von ihrem Leben als Fremde in einer neuen Welt, vom Leben in Neuseeland und dem Ankommen in New York und dienen so der Verarbeitung ihrer oft zwiespältigen Gefühle. Eine sehr schöne Komposition hierzu ist die Ballade „Homeless“, die von Sarahjane gesungen wird und unmissverständlich nachempfinden lässt, worum es in ihren Songs geht. Vielfältige Arrangements mit zum Teil selbstgebauten „Instrumenten“, fünfstimmigen Harmoniegesängen, stets mehreren Gitarren und pulsierenden Stand-up Drums bringen viel Schwung und Groove in ihre mitreißenden Songs, in denen auch immer ein Hauch Americana mitschwingt, was man beim Titelsong „Laredo“ gut heraushören kann. Sowohl die langsamen, tragenden Songs, wie der Opener „Everything To Everyone“ mit etwas schwermütigen Melodien, als auch das rumpelige „Girlfriend“, welches von der Gesamtstimmung sehr an John Lennons „Give Peace A Chance“ erinnert, faszinieren einen schon beim ersten Hören. Ihre Experimentierfreude zeigt sich zum einen durch die Integration von ungewöhnlichen Instrumenten und zum anderen durch die Kombination von verzerrten E-Gitarrenklängen, wie in „Dear Leron“, die mit der klaren Stimme von Sarahjane konkurrieren. Eindeutig stärkste Songs und absolute Ohrwürmer sind „Lonsdale Line“ und „Need A Little Help“, die genau die Lücke zu füllen scheinen, die Mumford & Sons durch ihre hoffentlich vorübergehende Trennung aufgerissen haben.

Gefühlt ist das Debütalbum von Streets of Laredo viel zu kurzweilig mit seinen zehn Songs, die einfach ungemein viel Spaß machen und dadurch deutlich zu schnell vorbeigehen. Am liebsten möchte man noch weitere Titel hören, weiter träumen und tanzen…da kann man nur hoffen, dass Streets of Laredo bald auf Tour zu uns nach Deutschland kommen, um uns ihr wundervolles Album live zu präsentieren.

Hier könnt Ihr schon mal einen Vorgeschmack auf das facettenreiche Debütalbum mit  „Lonsdale Line“ bekommen:

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