„The Book Of Souls“ – Iron Maiden schlagen ein neues Kapitel auf

VERÖFFENTLICHUNG» 04.09.2015
BEWERTUNG» 8 / 9
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Iron Maiden haben eine große und extrem treue Fangemeinde. Vor allem in den letzten beiden Jahrzehnten wurde diese allerdings auf eine harte Probe gestellt. Die Besetzungswechsel, Blaze Bayley am Mikro, ein in weiten Teilen liebloses Songwriting, das einige Alben bescherte, die Maiden-Fans alles andere als begeistern konnten. Im gegenwärtigen Jahrzehnt dann die Hiobsbotschaft, dass Bruce Dickinson an Zungenkrebs erkrankt sei und sich einer Behandlung unterziehen müsse. Zum Glück hielten die großen Tourneen den Mythos am Leben.

Das letzte Album „The Final Frontier“ ist bereits fünf Jahre alt. Viele Fans werden sich also den 4. September 2015 dick und rot in ihrem Kalender angekreuzt haben. Und tatsächlich – endlich kann man es in Händen halten: das bislang längste Werk der Briten mit gelungenem Artwork von Mark Wilkinson und einer Länge von 92 Minuten, verteilt auf zwei Silberlinge.

Man kann nicht anders als auszurufen: Es ist fantastisch. „The Book Of Souls“ enthält alle Zutaten eines klassischen Maiden-Albums und geht doch in eine sehr progressive Richtung, vor allem wenn man den krönenden Abschluss „Empire Of The Clouds“ hört. Haben wir uns Sorgen um Dickinsons Stimme gemacht? Oh Ja. Aber er beweist, dass alles wieder in Ordnung ist. Schon im Intro zu „If Eternity Should Fail“ ist er stimmlich top und der Song entwickelt sich zu einem Opener mit mystischem Einschlag, der das Maya-Thema des Covers einleitet und mit dem Iron Maiden ihre größte Stärke zeigen können.

Dann der Einstiegsschrei zu „Speed Of Light“: welch wohliges Gefühl breitet sich da über den Rücken aus. Iron Maiden legen ein grundsolides Album vor, voller starker Gitarreneinlagen und mit ordentlichem Härtegrad. Ein balladesker Start wie bei „The Great Unknown“ bleibt da die Ausnahme. Interessanterweise spielt der mythologische Hintergrund eine große Rolle. Ein schönes Gesamtkonzept, vor allem wenn man Wilkinsons weitergehende Illustrationen betrachtet. Iron Maiden sind sicher keine Band für Konzeptalben, aber sie verstehen es mal wieder, einem Album einen thematisch einheitlichen Anstrich zu geben. Die 80er lassen grüßen.

Die Mischung aus temporeichen Songs und epischen Longtracks ist gelungen und die Band glänzt damit, ihrem seit 40 Jahren bekannten, einzigartigen Stil treu zu bleiben und doch einige neue Aspekte mitzunehmen. Das beste Maiden-Album seit 25 Jahren wird die Fanbase mehr als zufriedenstellen. Es wird sie begeistern und die Vorfreude auf die Tour im Jahr 2016 steigern. Bei der nostalgischen „Maiden England „-Tour gab es wenig aktuelles Material zu hören. Das darf sich für „The Book Of Souls“ gerne ändern.