The Prodigy zelebrieren die Nacht: „The Day Is My Enemy“

VERÖFFENTLICHUNG» 27.03.2015
BEWERTUNG» 7 / 9
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Wieder einmal haben sich The Prodigy für ihren neuen Release verdammt viel Zeit gelassen. „Invaders Must Die“ ist immerhin schon sechs Jahre alt. Zwischenzeitlich erschien zumindest ein Livealbum, das zeigte, dass die britischen Wunderkinder noch auf dem richtigen Weg sind. Schließlich waren die letzten beiden Alben zwar solide produziert, aber nicht das Gelbe vom Ei. Zu sperrig gelangten sie in die Gehörgänge – zwar sehr virtuos und ambitioniert eingespielt, aber live kaum umsetzbar. Damit verlor die Band eins ihrer wichtigsten Pfründe, das sie weit über die anderen Vertreter elektronischer Tanzmusik hinaus hob: nämlich die Stärke in der Liveperformance.

Dabei hatte alles so gut angefangen. Das erste Album „Experience“ sorgte für eine feste Verankerung in der Raveszene und der Nachfolger „Music For The Jilted Generation“ nahm rockige Gitarrensounds mit ins Boot, so dass man auch die Festivalbühnen stürmen konnte. „Fat Of The Land“ war dann gar in 27 Ländern Spitzenreiter der Albumcharts. Um die Jahrtausendwende sah es aber überraschend nach dem Ende der Band aus, als Leeroy Thornhill seinen Ausstieg erklärte und auch Palmer mit einer Solosingle am Start war. Selbst Flint versuchte sich an einem Soloprojekt, das aber nie veröffentlicht wurde.

Inzwischen hat man sich wieder gefangen und gerade „The Day Is My Enemy“ knüpft vor allem in den ersten beiden Dritteln ganz an die glanzvollen 90er Jahre an. Der Titeltrack ist so sehr The Prodigy, wie es nur sein kann, und führt die Band ohne Umwege in die Anfangstage zurück. Es gibt futuristisch verzerrte Dancetracks, die niemanden lange still sitzen lassen. „Destroy“ treibt die Dancefloor-Anleihen auf die Spitze, bevor dann „Rok-Weiler“ mit einem vielschichtigen Rhythmuskonzept die nötige Härte zurückbringt. Härte ist überhaupt das Stichwort. The Prodigy klingen aggressiv und energisch wie lange nicht mehr.

Erst zum Ende hin kehren sie mit orientalischen Sounds und dem ruhigen „Invisible Sun“ zu ihrer experimentellen Seite zurück. Das soll den Briten aber auch gegönnt sein. The Prodigy sind mit „The Day Is My Enemy“ auf einem guten Weg zurück zur alten Form. Der experimentelle Rahmen wurde auf ein Mindestmaß beschränkt und man orientiert sich an der eigenen Stärke. Daraus wurde kein zweites „Fat Of The Land“, aber ein kurzweiliges Album, das jedem gefallen dürfte, der den alten Prodigy-Stil mochte.