Tim Linde singt mit „Menschenverstand“ – zuerst für seine Tochter, dann fürs ganze Land

VERÖFFENTLICHUNG» 31.10.2014
BEWERTUNG» 8 / 9
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Tim Linde nennt sein Debütalbum „Menschenverstand“ – sehr hochtrabend, könnte man meinen, doch dann habe ich den wundervollen Song „Eindruck schinden“ gehört und musste dem Guten sowas von Recht geben. Er singt von langweiligen Feten, bei denen es nur drum geht, damit anzugeben, was man tut und wie viel Geld man verdient. Tim Linde erzählt dies so frei von der Leber weg und ohne falsches Pathos, dass es ein Genuss ist.

Wo kommt der 37jährige eigentlich her und was hat er bisher gemacht? Tim Linde lebt in Hamburg und hat – wie es heißt – bisher Filme für die Industrie gedreht. Dann schrieb er seiner Tochter zu ihrer Taufe das Lied „Wasser unterm Kiel“ voller kleiner Lebensweisheiten und verteilte es auf CD gebrannt an die Gäste. Auch Produzent René Münster bekam ein Exemplar in die Hände und kurze Zeit später war die Single in den Charts. So werden Märchen geschrieben.

Tim Linde ist ein wundervoller und vor allem bodenständiger Songwriter. Das wird jetzt mit dem ersten vollen Album klar. Er hat eine reife, charismatische Stimme und trifft den Nerv seiner Zuhörer. Dafür braucht er nur eine Gitarre und eine schöne oder lustige Idee. Die Nähe zu Künstlern wie Reinhard Mey ist dabei unverkennbar. „Das Schwein in unserem Garten“ lädt zum Lachen ein, „Nichts kann bleiben“ befasst sich mit dem Ende des Junggesellenlebens und ruhige Stücke wie „Glück ist mit den Tüchtigen“ und „Schlaflied“ gehen auf Anhieb unter die Haut.

Schön, dass es solche authentischen und niveauvollen Liedermacher immer wieder gibt und dass das Talent von Tim Linde noch rechtzeitig entdeckt wurde. Auch wenn er vielleicht nicht die Charts stürmt – die iTunes-Platzierungen zeigen, dass Tim Linde sich offensichtlich in kürzester Zeit eine große Fangemeinde erspielt hat und mit seinen klaren Worten und eingängigen Melodien immer mehr Menschen begeistert.