Udo Lindenberg: Stärker als seine Dämonen

VERÖFFENTLICHUNG» 29.04.2016
BEWERTUNG» 9 / 9
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Am 17. Mai wird er 70 Jahre alt, der Begleiter durch so viele Jahrzehnte. Er macht Musik, seit ich denken kann – man kann und will sich nicht vorstellen, dass das irgendwann mal vorbei sein könnte. Vor allem in den 90er Jahren gab es eine lange Durststrecke zu überwinden. Zwar konnte man sich auch mit „Belcanto“ und „Atlantic Affairs“ anfreunden, doch die Alben zwischen „Panik-Panther“ und „Der Exzessor“ hatten einen bösen Hauch von Massenware und Immer-das-Gleiche. Die letzte Platte, die mich wirklich bewegte, war „Bunte Republik Deutschland“.

Doch die Jahrtausendwende brachte uns einen neuen Udo, der mit „Stark wie zwei“ nach acht Jahren Studiopause das erste Nummer-1-Album seiner Karriere vorlegte. Was für ein Ding! Die Kooperationen mit Clueso und Jan Delay waren eine Frischzellenkur für den Künstler. Hinzu kam das Musical „Hinterm Horizont“, das den alten Recken ebenfalls in die Gegenwart pushte und ihm neues Selbstbewusstsein verlieh. Krönung der neuen Zeit war schließlich das „MTV unplugged“. Der Ritterschlag, den Udo auch als solchen empfand.

Jetzt sind schon wieder acht Jahre vergangen. Im Album „Stärker als die Zeit“ arbeitet Udo Lindenberg all diese Geschichten auf. Das hat er schon mit „Stark wie zwei“ getan, doch das neue Werk ist noch ein Stück weit persönlicher und tiefgreifender. Es beschäftigt sich mit der eigentümlichen Persönlichkeit und trägt deutliche Züge einer Rückschau. Von einem Alterswerk will man lieber nicht sprechen, denn wenn Udo so agil weiter macht, kann noch einiges kommen.

Songs wie „Durch die schweren Zeiten“ und „Plan B“ sind nostalgische Reisen, mit denen Lindenberg sich wie in einem Mantra bestätigt, alles richtig gemacht zu haben und nichts zu bereuen. Der Titeltrack „Stärker als die Zeit“ gibt ihm Recht dabei. Viele Songs sind sehr balladesk gehalten. Dazu kommen aber auch echte Rocktitel wie „Einer muss den Job ja machen“ und „Blaues Auge“.

Was die größte Stärke des Albums ist: Endlich wieder eine CD, die uns den puren Udo zeigt. Ohne Kollaborationen. Einfach Udo, wie er mit Panikorchester oder symphonischer Begleitung seine Lieder zu Gehör bringt. Sehr bewegend klingt „Der einsamste Moment“, der den ganz intimen Moment vor einem Livekonzert beschreibt. Nur vom Piano begleitet. Ein Gänsehautsong!

Udo ist und bleibt die „Coole Socke“, als die er sich selbst besingt. Man mag es belächeln, wie ruhig und nachdenklich das Album insgesamt gehalten ist. Wie manche Titel in Pop- und Schlagerelemente abgleiten. Doch Udo macht genau das Richtige: Er beschert uns ein Album zwischen Pianoklängen, Orchester und Gitarrensoli. Bisweilen verstärkt ein Kinderchor den Gesang, Ole Fedderson und Nathalie Dora wirken im Background mit. Wieder hat Udo seinen Co-Autor Andreas Herbig als kongenialen Partner mit an Bord, aber auch andere Songwriter wie Ali Zuckowski und Martin Tingvall. Selbst Lyriker Benjamin von Stuckrad-Barre trägt sein Scherflein bei. Und man gönnt es Udo, die Orchesterpassagen in den Abbey Road Studios aufgenommen zu haben.

Udo Lindenberg ist mit 70 Jahren auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Nicht als Rentner und belächelter Altstar, der höchstens mal einen Lebenswerk-Preis abgreift. Nein – er ist kreativ wie eh und je, hat Ideen über Ideen. Wir dürfen uns schon auf die kommenden Hallenkonzerte freuen. Und bis dahin die neue CD hören. Immer und immer wieder.

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Stärker als die Zeit
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Stärker als die Zeit
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Letzte Aktualisierung am 26.09.2016 um 12:14 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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