Whitney Houston: „Live“ – das fehlende Glied in der Kette

VERÖFFENTLICHUNG» 07.11.2014
BEWERTUNG» 7 / 9
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Der November ist traditionell der Monat der Best-Of- und Live-Alben. Das Weihnachtsgeschäft ruft. Da müssen auch gerne mal Künstler ran, die schon verstorben sind und von denen es in den Archiven noch Material auszugraben gibt. Eine davon ist Whitney Houston. Ihre Karriere begann als Backgroundsängerin für Chaka Kahn, doch das konnte natürlich nur ein Sprungbrett für jemanden sein, der über eine solch prägnante und ausdrucksstarke Stimme verfügte. Das Debüt mit dem schlichten Titel „Whitney Houston“ galt lange Zeit als erfolgreichstes Debüt der Popgeschichte. Bis heute verkaufte die Sängerin 140 Millionen Alben und soll (keine Ahnung, wer sowas zählt) 411 Auszeichnungen erhalten haben, darunter immerhin sechs Grammys. Neben Mariah Carey gehörte Whitney Houston zweifellos zu den weltweit erfolgreichsten R´n´B- Sängerinnen. In den letzten Jahren ihres Lebens hatte sie allerdings hauptsächlich mit Drogen- und Eheproblemen für Schlagzeilen gesorgt und auch die letzte Tour wurde von vielen Zuschauern als desaströs empfunden. Trotzdem kam ihr Tod all zu früh und ist mit den Verschwörungstheorien behaftet, die das plötzliche Ende eines Megastars immer mit sich bringt.

Leider gab es nie ein Livealbum der großen Diva – und dem will man nun Abhilfe schaffen. In den Archiven schlummert genügend Material, um quasi ein Livealbum zu klonen. So hat man vor allem Auftritte aus diversen TV-Shows und Preisverleihungen dazu verwendet, um ein karriereumspannendes Livebild zu schaffen. Beginnend mit „Home“ aus der Merv Griffin Show von 1983 (damals galt sie noch als Kinderstar) sind alle großen Hits vertreten über „How Will I Know“, „One Moment In Time“, „Greatest Love Of All“ bis hin zu den späteren Superhits wie „I’m Every Woman“ und „I Will Always Love You“. Letzte Station ist das emotionale Schlusswort „I Didn’t Know My Own Strength“ aus der Oprah Winfrey Show im Jahr 2009.

Muss man erwähnen, dass die vokale Performance vor allem in den 80ern und 90ern stets glänzend war? Das so entstandene Livealbum zeigt eine stetige Entwicklung der stimmlichen Fähigkeiten, wirkt aber auch als homogenes Album, das die Karriere umfassend anhand ihrer Meilensteine darstellt. Man muss keine Zerstückelung fürchten und Whitney Houston selbst erstrahl jeweils in Glanz und Gloria. Höchstens fällt auf, dass es vor allem Einzelperformances waren, die dann auch mal ordentlich ausgedehnt, mit munteren Koloraturen versehen und in ihren Details vom Publikum abgefeiert wurden. Das gibt es bei regulären Livekonzerten eher selten.

Die DVD enthält alle 16 Auftritte der CD in visueller Form und wird ergänzt durch das Video „My Love Is Your Love“ und das Duett „When You Believe“ mit Mariah Carey aus dem Jahr 1999. Im Videobild schließt sich nach jedem Song ein virtueller Vorhang, so dass man durch die unterschiedliche Bildqualität der einzelnen Mitschnitte nicht zu sehr irritiert wird. Das alte Material ist in seiner Qualität nicht immer perfekt, toppt aber die bislang erhältlichen Bootlegs bei weitem.

Produzent der CD und DVD ist der fünffache Grammy-Gewinner Clive Davis, der zum Album sagt: „Whitneys Live-CD und DVD wird jeden begeistern. Sie zeigt deutlich, warum Whitney Houston so absolut einzigartig war, absolut die Beste aller Zeiten. Für mich ist das Album sehr emotional. Die Songauswahl zeigt lebhaft, dass wirklich niemand war wie sie. Und das macht die Tragödie, sie so jung verloren zu haben, so unglaublich schmerzhaft. Die DVD anzusehen ist eine faszinierende Erfahrung. Ihre großartige Stimme und ihre Songs haben sich als zeitlos bewährt und hypnotisieren dich wieder und wieder.“