Der Wu-Tang Clan und die Macht der Sieben: „A Better Tomorrow“

VERÖFFENTLICHUNG» 28.11.2014
BEWERTUNG» 6 / 9
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Der Wu-Tang Clan gründete sich Anfang der 90er Jahre und ist immer noch eine der bekanntesten HipHop-Gruppen aller Zeiten. Das mag an den prominenten Mitgliedern liegen, die allesamt auch als Solokünstler erfolgreich sind. Man denke nur an RZA, Ghostface Killah und Method Man. Der Clan-Gedanke hatte sich nach den Erfolgen der Gruppe im HipHop allgemein durchgesetzt. Die Idee eines solchen Kollektivs wird inzwischen von vielen Künstlern weltweit aufgegriffen. Man denke nur an die Söhne Mannheims.

Die Abstände zwischen den einzelnen Alben waren in der Regel recht groß. So ist „A Better Tomorrow“ erst das siebte Werk des Kollektivs und erscheint sieben Jahre nach dem letzten Release. Chartplatzierungen sind schon lange nicht mehr wichtig. Vielmehr geht es um Innovation, neue Ideen und das gemeinsame Arbeiten. Diesmal beispielsweise gibt es längere Songs und das Konzept dreht sich um eine bessere Zukunft für die Menschheit – also durchaus philosophische Fragen. RZA als Produzent sorgt für den sauberen Klang. Da wird nicht mehr so geschludert wie zu den Anfangstagen. Die Filmzitate asiatischer Gangart sind aber geblieben. Irgendwie muss man den Namen, der einem Martial-Arts-Film entstammt, schließlich rechtfertigen.

Musikalisch steht RZA inzwischen der Sinn nach echten Instrumenten. Samples, Loops und Endlos-Beats treten da durchaus in den Hintergrund. So klingen die Tracks sehr frisch und modern. Hier etwas Soul, da Piano- und Streicherpassagen. Allerdings fehlt die Homogenität eines Albums. Inzwischen haben sich die Clanmitglieder wohl zu sehr in Richtung Einzelkämpfer entwickelt und jeder will seine Ideen irgendwie eingebracht wissen.

„Preacher’s Daughter“ beispielsweise und „Miracle“ bieten einen ganz neuen Sound. Da wird die Seele verwöhnt. Und Anleihen am Pop der 70er Jahre („Mistaken Identity“) sind auch nicht zu verkennen. Betrachtet man die Einzelleistungen der Protagonisten, sind Rap und Flow durch die Bank ordentlich und im Vergleich zur Konkurrenz allererste Sahne. Auch die Albumlänge ist mit 15 Tracks und 67 Minuten voll ausgeschöpft. Das ist ein guter Service nach der langen Pause. Als Album im Gesamten betrachtet springt der Funke aber nicht so recht über. Vielleicht liegt das an der langen und verwirrenden Entstehungsgeschichte. Angekündigt war das Werk nämlich schon mehrfach.