Wirtz zelebriert „Live & Unplugged im Gibson Club Frankfurt“

VERÖFFENTLICHUNG» 23.01.2015
BEWERTUNG» 9 / 9
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„In meinen Texten lasse ich so tiefe Einblicke zu, dass sich das Singen anfühlt, wie nackt U-Bahn fahren“ – so lautet die treffende Selbstanalyse von Daniel Wirtz. Drei Studioalben hat der 39-Jährige bisher veröffentlicht. Seit dem Debüt „11 Zeugen“ von 2008 verfolge ich nun schon seinen Weg. Damals trafen wir uns erstmals zu einem Interview im Kölner Luxor. Seitdem sind nicht nur die Hallen größer geworden, sondern auch die mediale Aufmerksamkeit. Wirtz‘ letztes Album „Akustik Voodoo“ erreichte immerhin die Top 5 der Charts. Musikalisch im Rock verwurzelt, ausgestattet mit einer markanten Stimme, bringt der Frankfurter in seinen Songs scheinbar alltägliche Dinge ebenso ehrlich wie emotional auf den Punkt.

Wer nun wie er plötzlich den eingeschlagenen Pfad nach oben verlässt und etwas ganz anderes, nämlich rein akustisches ausprobiert, ist entweder unglaublich leichtsinnig oder hat schlicht und ergreifend einen an der Waffel. Oder… grenzenloses Vertrauen in sich, seine Songs, seine Fähigkeiten und nicht zuletzt in seine Fans. Vor etwas mehr als einem Jahr zog sich Wirtz ins Studio zurück und spielte einige ausgewählte Stücke in Begleitung von Cello, Violine und Klavier komplett neu und quasi bis auf die Knochen seziert ein. Das Ergebnis hieß „Unplugged“, dem eine fast schon triumphale gleichnamige Tour folgte. Dabei gastierte Wirtz im Juni letzten Jahres an zwei aufeinanderfolgenden ausverkauften Abenden auch in seiner Heimatstadt, genauer im industriell-eleganten Gibson Club. Dabei entstand das nun vorliegende Box-Set aus einer DVD und zwei CDs – im dekorativen Pappschuber als kleines Geschenk für alle, die nicht live dabei waren oder all jene, die einfach nochmal in Erinnerungen an irgendeinen anderen denkwürdigen Konzertabend der damaligen Tour schwelgen wollen.

Der Beginn wirkt bereits so filigran wie die insgesamt 20 Songs selbst. Nach und nach kommen die Mitglieder der siebenköpfigen Begleitband auf die Bühne und nehmen ihre Instrumente so vorsichtig in die Hand, als könnten sie diese durch eine falsche Bewegung zerbrechen. Ihnen folgt Wirtz, der auf einem Barhocker Platz nimmt und den akustischen Reigen mit „Erster Stein“ eröffnet. Bestes Beispiel, wie sehr die Stücke in ihrem neuen Gewand eine leise, dafür aber umso intensivere Schönheit entwickeln, ist wohl „Hol mich heim“. Knapp 110 Minuten lang werden die Saiten gezupft, das Cello und die Violinen gestreichelt, behutsam auf die Klaviertasten gedrückt und die Schlagzeugfelle flüstern förmlich unter der Berührung mit dem Besen. Insbesondere Eric Krüger am Piano legt über im Original schon wunderschöne Stücke wie „Scherben“, „Hier“ oder „Nada Brahma“ noch einmal einen ganz speziellen Zauber. Von Anfang an kriecht dem Zuschauer eine wohlige Gänsehaut über den gesamten Körper, die selbst dann noch anhält, als der DVD-Player schon längst wieder ausgeschaltet ist. Die Fans im Gibson Club sind während der Songs mucksmäuschenstill, sie saugen diese besondere Atmosphäre quasi komplett in sich auf. Vor „Frei“ feiern sie mit „Oh, wie ist das schön“-Sprechchören. Ansonsten ist im dünnen Mantel der Unplugged-Arrangements da Zuhören angesagt, wo man normalerweise vom Sound weggeblasen wird. Verzweiflung, Wut, Liebe, Trauer, Freude und Optimismus – die Musik macht das Gefühl.

Außer ein paar kurzer Ansagen wird nicht viel gesprochen (die Bandvorstellung mal ausgenommen). Zwischendurch serviert Gitarrist Kai Stuffel eine Runde Bier und den Rest der Zeit merkt man der Band und besonders Wirtz an, wie berührt sie von der Begeisterung sind, die ihnen nach jedem Song entgegenschlägt. Am Ende sitzt im Gibson Club niemand mehr. Als Zugabe enthält die DVD dann noch die zehnminütige Dokumentation „Hinter dem Vorhang“ mit Interviews von Daniel Wirtz, seinem Produzenten Matthias Hoffmann, Schlagzeuger Volker Schmidt, Pianist Eric Krüger, Bassist Christian Adameit, Violinistin Sarah Tarabulus sowie Cellist Ilja Lappin. Dazu gibt es Impressionen rund um die Tour, erfreulich ausführlich auch aus der Kölner Kulturkirche, wo der Autor dieser Zeilen am 31. März 2014 das Live & Unplugged-Vergnügen genießen durfte. Ein rundum gelungenes Paket (die beiden Audio CDs nicht zu vergessen!) für das es nur eines geben kann: Die Höchstwertung und eine uneingeschränkte Kaufempfehlung. Ganz grosses Kino, liebe Leute!

Nach seinem überaus erfolgreichen Unplugged-Abenteuer macht Wirtz ab September da weiter, wo er vor dem Abstecher in Akustikgefilde aufgehört hat: Rock mit Strom und mächtig Alarm. Und natürlich mit einem neuen Album, das er auf seiner bis dato größten Deutschlandtour vorstellen wird. Hier alle Termine zum Vormerken:

WIRTZ Tourdaten – „Auf die Plätze, Fertig, Los Tour 2015“

  • 01.09.2015 Dortmund | FZW
  • 02.09.2015 Krefeld | KuFa
  • 04.09.2015 Hannover | Capitol
  • 05.09.2015 Bielefeld | Ringlokschuppen/klein
  • 06.09.2015 Hamburg | Docks
  • 08.09.2015 Flensburg | Roxy
  • 09.09.2015 Kiel | Die Pumpe
  • 11.09.2015 Bremen | Aladin
  • 12.09.2015 Osnabrück | Rosenhof
  • 13.09.2015 Dresden | Alter Schlachthof
  • 15.09.2015 Magdeburg | Factory
  • 16.09.2015 Rostock | Mau Club
  • 18.09.2015 Berlin | Huxleys
  • 19.09.2015 München | Muffathalle
  • 20.09.2015 Stuttgart | LKA
  • 22.09.2015 Nürnberg | Hirsch
  • 23.09.2015 Würzburg | Posthalle
  • 25.09.2015 Augsburg | Kantine
  • 26.09.2015 Ulm | Roxy
  • 27.09.2015 Mannheim | Capitol
  • 29.09.2015 Frankfurt | Batschkapp
  • 02.10.2015 Kaiserslautern | Kammgarn
  • 03.10.2015 Karlsruhe | Tollhaus
  • 04.10.2015 Köln | E-Werk