„Es war immer ich und meine Gitarre“ – Chuck Ragan im Interview

Chuck Ragan
DATUM» 05.04.2015
ARTIST»

MHQ-Redakteur hatte die Möglichkeit Chuck Ragan, Folk-Sänger und Frontmann der großartigen Band Hot Water Music, im Rahmen seiner Tour im Münsteraner Skaters Palace zu interviewen.

Hallo Chuck, schön dich wieder zu sehen. Münster ist heute dein drittletzter Stop auf deiner Europatour. Wie war die Atmosphäre bei den bisherigen Konzerten? Frankfurt scheint ja richtig gut gewesen zu sein, was man von deinen Accounts in den sozialen Netzwerken entnehmen kann.

Chuck: Ich sag dir was, alle Shows waren richtig gut. Ich schreibe jetzt nicht über jede Show, aber alle Konzerte waren wirklich einmalig. Es freut mich außerdem zu sehen, dass die Gigs von der Zuschauermenge her deutlich gewachsen sind. Wir sind alle sehr glücklich darüber und genießen jeden Moment auf Tour. Sie geben uns wirklich das Gefühl, dass wir hier zu Hause sind.

Wie wichtig ist der deutsche Musikmarkt für dich geworden? Man hat das Gefühl, dass du mehr in Deutschland als in den U.S.A. unterwegs bist.

Chuck: Das Gefühl täuscht nicht.  Es ist tatsächlich so, dass Shows in Deutschland besser besucht sind als die Konzerte in Amerika.

Das hätte ich jetzt nicht erwartet, dass ein Land wie Deutschland mehr Leute zieht als dein Heimatland.

Chuck: Ich mein, es gibt eine Plätze in den U.S.A.  die vergleichbar von der Größe sind. Das sind aber wirklich eher die Ausnahmen.

Ich habe auf deiner Setlist gesehen, dass du einen neuen Songs in deinem Repertoire hast. Kannst du ein wenig darüber erzählen?

Chuck: Wir spielen sogar mehr als einen neuen Song live. All diese neuen Lieder gehören zu dem Soundtrack eines Videospiels. Die Instrumentals und Songs gehen mehr in die Richtung von „Covering Ground“.

Gut zu wissen, dass man nicht so lange auf neue Musik von dir warten muss

Chuck: Das Spiel heißt „Flame in the Flood“. Es handelt von einem jungen Mädchen in einem postapokalyptischen Zeitalter. Dort gibt es keine Infrastruktur mehr und sie muss in der Wildnis überleben, Feuer machen und auf einem Floß ihren Weg zurück nach Hause finden.  Es wird diesen Sommer veröffentlicht und ist ein wundervolles Projekt. Ich freue mich sehr auf das Release.

Du scheinst in deinem Privatleben ja auch eher ein sehr naturverbundener Typ zu sein. Ich habe von mehreren Seiten gehört, dass du Jagen und Fischen gehst und sogar dein eigenes Gemüse anbaust. Inwiefern ist es für dich wichtig auch einfach mal abzuschalten? Schreibst du überhaupt Songs, während dieser Zeit?

Chuck: Ich schreibe ununterbrochen neue Musikstücke, egal ob ich zu Hause oder auf Tour bin. Heutzutage ist ja alles wesentlich leichter aufzunehmen. Du machst einmal Garage Band an und zack, kannst du deinen eigenen Song mal eben komponieren. Damals habe ich immer noch alles mit einem alten Kassettenrekorder aufgenommen. Es ist aber auch so, dass viele der Songs Fragmente bleiben. Manchmal läuft es aber auch wie in einem Fluss und ich habe innerhalb von einer Stunde ein komplettes Lied komponiert.

Was war der letzte Song, den du aufgenommen hast?

Chuck: Das war eines der Lieder von dem Videospiel. Dieses werden wir auch heute live spielen. Es heißt „Gathering Wood“. Der Song wurde drei Wochen vor Beginn der Tour fertig gestellt.

Ich habe vor ein paar Tagen die „20th Anniversary Collection“ von Hot Water Music rezensiert und musste mich fragen, warum ihr diesen Geburtstag nicht größer gefeiert habt. Abgesehen von einer kleinen Tour durch die U.S.A. war nicht viel mehr von euch zu hören. Wie hat deine Solokarriere sich generell mit der Band vereinbaren lassen?

Chuck: Ich kann jetzt nur für mich sprechen: Ich habe selber Musik lange vor der Zeit mit den Jungs gemacht, das hat glaube ich mit 14 Jahren angefangen bei mir. Es war immer ich und meine Gitarre. Als das alles mit Hot Water Music begonnen hat, bekam die Band natürlich mehr Aufmerksamkeit als meine Soloprojekte. Trotzdem blieb ich auch immer Solokünstler. Mit der Zeit wurde es mir mit der Band aber einfach zu monoton, ich habe mich gefühlt wie eine verdammte Maschine.

War es so hart manchmal?

Chuck: Ja, auf jeden Fall. Irgendwann hatte ich genug und ich wollte wieder mich auf meine Wurzeln besinnen und unabhängiger werden. Wenn wir genau so weitergemacht hätten, würde es die Band ohnehin nicht mehr geben.

Wie haben es die anderen Mitglieder aufgenommen?

Chuck: Nicht gut, sie waren nicht glücklich mit meiner Entscheidung. Aber durch so etwas muss man halt durch. Da darf man keine Ausnahmen machen und muss sich auf seine Instinkte verlassen. Es hatte nichts mit ihnen zu tun, aber ich brauchte eine Veränderung.

Das letzte Mal als wir sprachen (Juni 2014), hatte ich dich zu einer neuen Revival Tour gefragt, die ja von vielen Fans sehnsüchtig erwartet wird. Gibt es dazu schon einen neuen Status?

Chuck: Die Revival Tour hat immer einen besonderen Platz in unserem Herzen und ist etwasm was wir absolut lieben. Ich weiß nicht, wann wir das nächste mal eine Revival Tour durch Europa machen, aber es wird bestimmt noch einmal eine geben.

Wir sind gespannt und danken dir für das Interview!

Ein großer Dank geht auch an Mirko von Uncle M, der uns dieses Interview ermöglicht hat!