Rock Classics Sonderheft
Literatur über AC/DC gibt es bereits reichlich. In 34 Jahren kommt schließlich einiges zusammen und inzwischen dürfte es für den belesenen Fan wohl kaum noch etwas geben, das er nicht über die fünf australischen Hardrockhelden weiß. Die Macher des Slam Media Verlages aus Wien hat dies jedoch nicht davon abgehalten ihr erstes Rock Classics-Sonderheft ausgerechnet AC/DC zu widmen. Auf 130 Seiten gibt es nun quasi die Quintessenz der bisherigen Bandgeschichte als handliche Bettlektüre zum kleinen Preis von 6,90 EUR. Dazu vier DIN A3-Poster und eine 10-Track-CD mit "The Roots Of AC/DC".
Unsere österreichischen Nachbarn haben damit ein durchaus gelungenes und kurzweiliges Paket geschnürt. Natürlich wird Bon Scott ein umfangreiches Kapitel zuteil. Schließlich war es der legendäre Sänger, der AC/DC bis zu seinem Tod 1980 zu dem machte, was sie heute noch sind: Lebende Legenden. Aber es gibt auch exklusive Interviews mit längst vergessenen Gründungsmitgliedern wie Dave Evans (dem Vorgänger von Bon Scott), dem ersten AC/DC-Bassisten Larry Van Kriedt oder Teilzeitdrummer Simon Wright (1983-1989). Sie alle äußern sich voller Respekt und Sympathie über die Band. Bon Scotts Sohn Ben hingegen wählt seine Antworten im Gespräch eher mit Vorsicht. Brian Johnson, Cliff Williams und Phil Rudd kommen für meinen Geschmack etwas zu kurz weg, dabei gäbe es auch über sie sicherlich genug zu erzählen. Aber AC/DC waren von jeher die Band der Gebrüder Young. So werden Angus McKinnon, Malcolm Mitchell und ihr älterer Bruder Georg Redburn Young (der zahlreiche Alben der Band produzierte) mit eigenen Steckbriefen gewürdigt. Ihr Werdegang bietet aber auch hier naturgemäß nichts Neues.
Sehr viel aussagekräftiger fallen da die Interviews mit Produzent Mike Fraser, dem Designer Joshua Marc Levy ("Der Mann, der Black Ice das Gesicht verpasste") oder Mixer Tony Platt aus. Sie alle gewähren einen kurzen Blick hinter die Kulissen und auch bei ihnen ist der Respekt vor der Leistung der Band, aber auch den einzelnen Musikern unüberhörbar. Ebenfalls zu Wort kommen die Fans. Weniger prominente und prominente, darunter beispielsweise Micky Waters, Bassist von The Answer (die AC/DC auf deren aktueller "Black Ice"-Tour als Support begleiteten), Danko Jones oder Duff McKagan (Ex-Guns N`Roses). Amüsant die Fotostrecke mit den "Besten Fans der Welt", aufgenommen beim Konzert in Bremen am 11.03.2009. Dazu findet sich eine Übersicht über die empfehlenswertesten Fanseiten im Internet.
Abgerundet wird das Sonderheft von einem Ranking aller bisherigen 16 Studioalben inklusive Kurzrezensionen. Auf Platz 1 landete übrigens (welche Überraschung) "Highway To Hell" von 1979 und auf dem letzten Platz (eine ebenso grosse Überraschung) "Fly On The Wall" (1985). Darüberhinaus gibt es noch eine Vorstellung diverser AC/DC-Coverbands (wo sind die Dirty Deeds???), einige Buch- und DVD-Besprechungen, eine Vielzahl neuer, alter und uralter Fotos sowie ein paar Gimmicks wie käufliche Action Figuren von Angus & Co., die rarsten Sammlerstücke und eine Verlosung. Nicht zu vergessen die "The Roots Of AC/DC"-CD, die zehn Stücke der angeblich maßgebenden Vorbilder von Chuck Berry über B.B.King oder Ike & Tina Turner bis hin zu Muddy Waters und Big Joe Williams enthält. Chuck Berrys Hit "School Days" aus dem Jahr 1957 ist eine von nur zwei Coverversionen, die AC/DC in ihrer langen Historie aufgenommen haben. "School Days" erschien 1975 auf dem "T.N.T."-Album und das zweite Cover, "Baby Please Don`t Go" von Big Joe Williams, im selben Jahr auf der australischen Version von "High Voltage". Lang lang ist`s her...
Alles in allem bietet "Rock Classics" eine interessante Zusammenfassung der wichtigsten Stationen und Personen rund um AC/DC. Neulinge (falls es die überhaupt noch gibt) können mit dem Sonderheft einen komprimierten Einblick in die verschiedenen Dekaden einer der grössten Rockbands der Welt gewinnen. Alteingesessenen Fans wird natürlich jede Menge an Information fehlen. Schlauer werden sie nach dem Lesen auch nicht sein. Aber vielleicht haben sie ja noch Spass an den Postern oder der CD. Etwas falsch machen kann hier also im Grunde eigentlich niemand.