J.B.O.

I Don't Like Metal Tour 2009 - Support: Beatallica

15.12.2009 Live Music Hall / Köln

Von: Thomas Reuter

J.B.O. Köln

Ein Geständnis gleich zu Beginn: es ist mein erstes Mal. Bei J.B.O., meine ich. Da mir glaubhaft versichert wird, es habe sich in den letzten neun, zehn Jahren wenig auf der J.B.O.-Bühne verändert, mag es sein, dass ich Dinge erwähne, die den Erfahrenen ein gar alter Hut sind. Dafür entschuldige ich mich nicht, es gibt ja auch andere Jungfrauen im Saal und weitere findet man sicher im Land. Es ist vor allem: voll. Ausverkauftes Haus in Köln, an den vergangenen Konzertorten war es ebenso. Das sei J.B.O. in jedem Fall gegönnt, die Party ist auf jeden Fall eine Reise mit dem ÖPNV wert…

Zunächst zu Beatallica, die für mich das ausschlaggebende Moment waren, nach Köln zu kommen. Die Pop- bzw. Schlager/Metal-Mischung der vier aus Milwaukee entsprungenen Amerikaner ist ein ziemliches Internet-Phänomen und die Metamorphose im ständigen Prozess, die die Herren bilden, wurde bisher nur von The Black Sweden mit Abba-Liedern versucht. Beatallica sind da noch einen Tick konsequenter. Was soll sich nun der geplagte Leser unter einer Mischung aus den Beatles und Metallica vorstellen? Erst mal sehr viel Spass und Spielfreude. Die Jungs wechseln von schrägen bis verstimmten Beatles-Phrasen zu wilden Metallica-Riffs, verpeppern "Motorbreath" (zu "Sgt. Hetfields Motorbreath Pub Band"), "I Wanna Hold Your Hand" wird "I Want To Choke Your Band", sie kombinieren "Welcome Home (Sanitarium)" mit "Hey Jude" zu "Hey Dude, Answer The Phone", passen Texte an, singen Beatles hetfieldesk ("Hey Duaaad, answer the pho-ou-oh-ne, yeahyeah!") und spätestens bei dem allbekannten Laalaala lalalalaaaa singt dann auch der ganze Saal mit - der vorher vor allem im hinteren Bereich etwas trotzig das Gebotene zu beenden wünschte.

Jaymz Lennfield, der Sänger und Gitarrist mimt so täuschend echt sein Metallica-Vorbild, dass man ständig auf die zwangsläufigen Versinger wartet. Vergebens übrigens. Die Chorsätze, die die Beatles so einprägsam machten, wirken auch mit kraftvoller Riffuntermalung. Klingt wie eine logische Fortsetzung der Sechziger im Nietengewand. Wie wichtig mehrstimmiger Gesang ist, wissen heutige Bands natürlich auch, selbst Metallica haben ja irgendwann das Background-Gesangsmikrophon auf die Bühne gelassen. Zugegeben, auch erfahrene Musikmischer erfassen beim ersten Live-Hören der Stücke nicht alle Feinheiten des Arrangements, somit brauchen die Recken von Beatallica auch immer eine Aufwärmphase für das Publikum, denn ist nicht alles nur geklaut, eher geklaubt und feinsinnig verarbeitet. Schön war's.

Schade war nur, dass man die Herren soundtechnisch nicht so unterstützt, wie es die Anlage dann bei J.B.O. später sehr offensichtlich hergibt. Dazu wird es im Saal noch recht hell gehalten während der Vorführung von Beatallica. Solcherlei halte ich für überflüssige Gängelung. Fazit: Neun von zehn Punkten oder eine heavy yell-ohuohoh submarine.

Setlist:

Battery Of Jaymz And Yoko
Sandman
Masterful Mystery Tour
I'll Just Bleed Your Face
Wonderful Christmastime
Hero Of The Day Tripper
Sgt. Hetfield's Motorbreath Pub Band
Bass Solo - Anesthesia/I'm Only Sleeping
Fuel On The Hill
Helladay For Holiday
Garage Dayz Night
Guitar Solo
Hey Dude
All You Need Is Blood
I Want To Choke Your Band

J.B.O. wollte ich schon immer mal sehen. Habe doch drei oder vier Alben im CD-Schrank von ihnen stehen und es nie geschafft, immer gab es Terminkollisionen mit anderen oder eigenen Konzerten, Verwandtengeburtstagen oder ähnlichem. Nun endlich ist's soweit und die Vorfreude rinnt… lassen wir das. Es beginnt mit einem Einspieler verschiedener Klangereignisse, die durch ein Plattennadel-über-Platte-zieh-Geräusch verbunden werden. Okay, irgendwie muss man ja anfangen. Dann kommen die Musiker und spielen "Ein Fest" mit Karten/Nummerngirl, das hier ein Boy ist. Damit das Mitsingen auch allen gut gelingen möge, zeigt er das Schild mit "Ein Fest" auf der Vorder- und "Heut ist" auf der Rückseite. Da später eine Bauchtänzerin hinzukommt, ist diese Genderung ja auch nur gerecht. So wird den Herren ein Bauchnabel und den Damen Muskeln und Phallisches (aufblasbar) geboten. Allerdings weiß der geneigte J.B.O.-Hörer, dass "Das Eine", das Frauen wollen eher Auswüchse unreiner Haut sind. Dies wird der spätere Verlauf des Programms natürlich musikalisch bestätigen.

Den geneigten Lesern, die J.B.O. nicht kennen sei hier nur kurz erklärt, die Band nannte sich 1989 James Blast Orchestra, sehr zum Ärger von James Lasts Plattenfirma, welche die ausgeschriebene Verwendung des Namens auf dem Rechtsweg unterband. Die vier Jungs aus Franken huldigen ihrer Lokalbrauerei und diversen Unebenheiten des Lebens überwiegend mit Coverversionen, deren Texte eingedeutscht und verfremdet werden. Dazu gibt es Songparodien und manchmal wird ein Lied musikalisch gehärtet, als z.B. Nicoles Grand-Prix-Siegtitel ins Rammsteinische übersetzt wurde… Partymusik für gute Laune halt, gerne auch mit derberem Humor verziert.

Recht früh wird "Bolle" gespielt. Danach, zum 20-jährigen Bestehen der Band verspricht man auch die bislang ungeklärte Todesursache des Bolle zu klären, doch die von Hannes G. Laber reklamierten Mikrophonaussetzer (sehr schöner Spannungsbogen…) treten just zur Erklärung der Todesursache wieder auf. So ein Pech! ;-) Die vier Franken erklären dem Publikum dann später, dass sie ganz viele Lieder bisher nicht veröffentlicht haben, weil sie dafür keine Genehmigung bekommen haben. Da man im Konzert auf der Bühne aber machen dürfe, was man wolle, würden sie nun ein solches Stück spielen. Das sei ja eigentlich nicht gemein, so etwas wie "Durch den Konsum" (Tokio Hotel) oder "Wenn mein Glied ihre Lippen verlässt" (X. Naidoo) mache J.B.O. ja nun gar nicht, deshalb komme nun der "Rammstein Reggae" (statt "Sunshine Reggae"). Er kommt und ist auch sehr amüsant. Es gibt ein fettes Bass-Solo, auch das rosa-schwarze Tama Kunstfell wird reichlich und auch solo gegerbt, die Bühne hat sechs Lichter/LED-Türme und zwei rosa Marshall-Türme, die statt Lautsprechern mit Lampen bestückt sind. Habe ich mich bei In Flames darüber mokiert, so passt es hier doch in jedem Fall her. Gegen Ende ist ein guter Tag zu sterben, eine der J.B.O.-Eigenkompositionen, ab der 2. Strophe singt Jaymz Lennfield mit, sehr Metallica, sehr amerikanisch, aber schön.

Das Set hätte insgesamt in den Augen und Ohren der Mehrheit der Fans länger sein können, aber frei nach dem Motto, man soll gehen, wenn es am Schönsten ist, ist nach neunzehn Stücken Schluß, dann gibt es noch zwei Runden Zugaben. Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage! Fazit: Achteinhalb von zehn Punkten.

Setlist:

Ein Fest
I Don't Like Metal
Dio In Rio
Bolle
1001 Nacht
Satan ist wieder da
Gänseblümchen
Das Eine
Du bringst mich um
Ich liebe Dir - Nur geträumt
Ein Bisschen Frieden
Rammstein Reggae
Ist da irgendjemand da
Bass-Solo
Geh' ma halt zu Slayer
D.I.S.C.O.-Cover
Bimber Bumber Dödel Dei
Ein guter Tag zum Sterben
JBO
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Jo'anna
Say J, Say B
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Ich will Lärm
Verteidiger des Blödsinns

 

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