Kiss

Alive/35 Tour 2008

11.06.2008 König Pilsener Arena / Oberhausen

Von: Wolrad Wolff

Kiss Oberhausen

Mittwochabend, kurz vor 7, und ich bin sehr aufgeregt, denn gleich geht es nach Oberhausen zu KISS! Während noch zuvor, am Montagabend, Ace Frehley in der Kölner Live Music Hall vor 500 Leuten spielte, füllen KISS zum zweiten Mal auf ihrer Alive/35 Tour die König Pilsener Arena.

Dort angekommen ist die Freude groß: wie auf der A3, so auch vor der Halle kein Stau, denn wer ein wahrer Fan ist, reist früh an! So, jetzt noch schnell ein kühles Blondes, und dann kann’s losgehen. Doch was ist das? Ich bekomme ein 0,3l Bier in einem 0,4l Becher zu einem 0,5l Preis! Naja....., egal……, Rock n Roll!

Auf der Suche nach meinem Sitzplatz komme ich vorbei an unzähligen Merchandise-Ständen. Eines muss man ja sagen: Es gibt keine Band auf dieser Welt, die es besser versteht, sich zu vermarkten, als KISS. Hinter den vier geschminkten Jungs lauert eine gigantische Marketing-Maschinerie mit allein einem einzigen Ziel: den KISS-Kunden glücklich zu machen…. und ein bisschen Geld will man dabei natürlich auch verdienen! In der Halle haben die Fans ihre Plätze bereits eingenommen und warten gespannt auf eine Show, bei der in punkto Sound, Licht und Spezialeffekten kein Auge trocken bleiben soll.

Und dann geht’s los: Es ertönt eine gigantische Bassfrequenz, und, obwohl ich ganz hinten sitze, denke ich: Holla, die Waldfee, das ist aber laut! Dann fällt der Vorhang und zu den ersten Tönen von "Deuce" werden Gene Simmons, Paul Stanley und Tommy Thayer auf einem riesigen Podest von der Hallendecke auf die Bühne herabgelassen. In der Mitte der Bühne steht auf einem weiteren Podest Eric Singers gigantisches Drumkit, eingerahmt durch mehrere Stockwerke hohe Boxenwände. Über dem Drumkit leuchtet hell und in großen Buchstaben der Name der Godfathers of Glam Rock. Die Band rockt, und das Publikum flippt total aus.

Musikalisch betrachtet handelt es sich sicherlich um die beste Besetzung, die KISS je hatten. Neben Paul und Gene, den alten Hasen, machen gerade auch Eric und Tommy ihren Job sehr gut und überzeugend. Der Schlagzeugsound ist wahnsinnig fett und differenziert, und Tommy Thayer spielt die Gitarrenparts von Ace Frehley extrem authentisch und zugleich erfrischend.

Mit Spezialeffekten wird bei einem KISS-Konzert nicht gegeizt. Die gesamte Show, besonders aber die Enden der Songs werden begleitet von Feuerschwaden, Explosionen und Rauchwolken. Ein Höhepunkt der Show ist sicherlich Tommy Thayers Gitarrensolo. Während dieses Solos feuert er mehrere Salutschüsse mit seiner Gibson Les Paul ab, ein pyrotechnisches Meisterwerk!

Zwei Stunden lang spielen KISS ihre Klassiker aus 35 Jahren Bandgeschichte, darunter Songs wie "Hotter Than Hell", "Parasite", "Lick It Up" und nicht zuletzt der All-Time-Klassiker "I Was Made For Loving You".

Nach der zweiten Zugabe verlassen wir den Ort des Geschehens. Draußen türmen sich an Verkaufsständen schon Berge von CDs, bereit, von mir gekauft zu werden. Ja, dem geneigten Fan wird die Möglichkeit geboten, das soeben eigens erfahrene Konzerterlebnis für einen klitzekleinen Unkostenbeitrag auf CD mit nach Hause zu nehmen. Die logistische Bewerkstelligung, vor der Halle einen Konzertmitschnitt von einem Konzert zu verkaufen, das in der Halle noch läuft, löst bei mir große Bewunderung aus. Dies sind die kleinen Details, in deren Genuss man beim zeitigen Verlassen einer solchen Großveranstaltung kommt. Des Weiteren ersparen einem fünf Minuten früheres Aufbrechen unter Umständen auch zwei Stunden lästiges Im-Parkhaus-Stehen. Aber bitte nicht weitersagen, denn, wenn alle das so machen funktioniert’s nicht mehr, und außerdem: Was sollen KISS dann von ihren Fans halten?

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