22 Dreams Tour 2008 - Support: Moke
Paul Weller, die Ikone, der Modfather, der Ur-Britpopper, der Altmeister, der Elder Statesman der britischen Gitarrenmusik. Was hat man nicht schon alles über ihn geschrieben. Besonders in diesem Jahr, wo Paul Weller ebenso wie eine gewisse Frau Ciccone, seinen 50. Geburtstag feierte. Das neue Album „22 Dreams“ wurde von der Presse gefeiert, wie schon lange kein Weller-Album mehr (hier ein Review).
In der gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Columbiahalle eröffnet die niederländische Band Moke den Abend. Für eine Vorgruppe sind sie ziemlich gut und wohl zurecht in ihrer Heimat bereits eine große Nummer. Musikalisch ordnen sie sich irgendwo zwischen den Editors und Interpol ein. Der Gitarrist sorgt dann auch gleich für eine optische Täuschung, sieht er doch Paul Weller ziemlich ähnlich. Der gute Mann hat ganz klar ein wenig zu viel von seinem Idol gesehen, kopiert er doch nicht nur die Frisur, sondern auch Bewegungen und Manierismen.
Aber genug zur Vorgruppe. Mit „Wild Blue Yonder“ legen Paul Weller und seine Band los. Er ist sichtlich gut gelaunt und die traditionell zu langen Seitensträhnen wippen hin und her, werden geschüttelt, und kleben schließlich am Ende des Konzerts nass an seinem Gesicht.
Der Sound ist für die Columbiahalle überraschend klar und die Band spielt zwar routiniert, aber auch durchaus begeistert. Steve Craddock, der bei den Aufnahmen von „22 Dreams“ mehr als je zuvor beigetragen hat, ist auch live eine verlässliche Größe, die immer wieder Akzente setzt und sich dabei aber recht unauffällig verhält. Der Steve White Ersatz, Steve Pilgrim von The Stands, an den Drums, weiß die großen Schuhe, die Ausnahmedrummer White hinterlassen hat, durchaus zu füllen. Paul Weller ist kraftvoll wie immer, besonders die rockigeren und älteren Stücke wie „The Changingman“ kommen besonders gut an. Auch die neuen Songs wie, „All I Wanna Do (Is Be With You)” oder “Sea Spray” fügen sich nahtlos in das Weller’sche Repertoire ein.
Dass das Feuer noch lodert bei Paul Weller ist offensichtlich. Man nimmt es ihm noch ab, den Rocker, den Hitzkopf. Denn im Gegensatz zu Madonna, die verbissen und mit allen Mitteln gegen das Alter ankämpft, nimmt Weller einen anderen Weg. Er ignoriert es. Die Haare sind schon lange grau, die Stimme wird kratziger, aber er macht, was er schon immer getan hat, nämlich das was er für richtig hält. Der Jubel und Beifall des begeisterten Berliner Publikums geben ihm recht. Rock on!