Veil Of Ignorance Tour 2009, Support: Deez Nuts, Endwell
Lange mussten die Fans warten, bis Raised Fist ein neues Album präsentierten, geschweige denn Hamburg mal wieder live beehren sollten. Doch 2009 erschien nicht nur das neue (sehr empfehlenswerte) Album „Veil Of Ignorance“, hinzu kam noch die gleichnamige Tour. Zur Freude aller Hardcorefans aus Hamburg und Umgebung stand auch ein Termin im MarX Hamburg auf dem Plan. Und man fragte sich: „Das MarX??“ da hatte doch Sänger Alexander „Alle“ Hagman nicht mal alleine Platz für seine waghalsigen Sprünge… doch diese Frage hatte sich beim Einlass gleich geklärt. Wie schon vermutet fand das Konzert in der um einiges größeren Markthalle statt.
Sehr verteilt standen die Besucher in dem großen Saal. Zu Beginn des ersten Supportactes Endwell musste man schon befürchten, dass die Location nun doch etwas übertrieben gewählt worden war. Nur langsam erwachte Leben in den Anwesenden und der Moshpit „füllte“ sich mit einer Hand voll energiegeladenen Menschen. Obwohl Endwell richtig gut die Bühne rockten und einwandfreien Sound von sich gaben fiel es den Leuten offensichtlich noch schwer an einem Montag abend in die Pötte zu kommen. Frontmann Sean Murphy schrie unermüdlich seinen Text ins Mikro und versuchte die Leute zu animieren, während seine Bandkollegen ihre Instrumente bearbeiteten. Hardcore-Punk mit melodiösen Einwürfen, der eigentlich gut zum Abgehen geeignet sein sollte… und ab der Hälfte ihres Auftrittes hatten Endwell die Zuschauer auch ein wenig motiviert und die Markthalle füllte sich nun doch langsam aber sicher. Hut ab, das war harte Arbeit für die Jungs aus Queens. Somit hatten sie schonmal gute Vorarbeit für die folgenden Deez Nuts geleistet.
Nach kurzer Pause, in der sich der Saal wieder leerte (Raucherlunge sei dank), betraten Deez Nuts die Bühne. Schnell füllte sich nun der Bereich unmittelbar am Bühnenrand (auf einen Foto-/Securitygraben wurde diesmal verzichtet). Es schienen einige Fans der Australier anwesend zu sein und dementsprechend war die Stimmung ziemlich schnell angestiegen. Die ersten Fans erklimmten die Bühne, um sich in die Crowd zu stürzen. Die Menge heizte sich zu Deez Nuts auf, wobei die steigende Spannung auf die nahende Raised Fist Show fast schon greifbar war. Nach Beendigung ihres Sets wurden sogar Zugaberufe laut, doch der strikte Zeitplan ließ keine zu und Raised Fists Stunde schlug.
Man hätte denken können, dass die Schweden von Raised Fist ihr Konzert mit einem neuen Song beginnen und hauptsächlich ihr neue Album promoten würden. Doch weit gefehlt, schon der erste Song hatte schon ein paar Jahre auf dem Buckel und auch die übrige Songliste präsentierte sich als gut gemischt. Nachdem Daniel Holmberg und Marco Eronen ihre Gitarren gepackt hatten, Matte Modin hinter dem Schlagzeug saß und Andreas „Josse“ Johansson seinen Bass bereit hatte, erschien Alle Hagman im Rampenlicht und fing sogleich an gnadenlos seine Vocals ins Mikrofon zu schreien. Das Muskelpaket erschien in natura viel kleiner, als die Promofotos weis machen wollten, doch seine Energie war ungebremst. Kaum eine Minute wurde still gestanden auf der Bühne. Die Musiker sprangen und rannten umher, dass einem vom Zusehen schwindelig werden konnte. Doch auch das Publikum war auf Trab. Stagediver erklommen die Bühne, so dass die Securities einiges zu tun hatten, sollte einer mal nicht gleich springen wollen. Ein Chaos aus Händen, Köpfen und Füßen herrschte vor dem Bühnenrand. Hardcore at it’s best. Wem dies zuviel war, der konnte sich auf den ringsum angebrachten Stufen eine gute Sicht sichern. Übrigens war dies eines der wenigen Konzerte, bei denen der Sound in der Markthalle richtig gut klang! In kürzester Zeit waren die Musiker als auch das Publikum schweißgebadet. Als die aktuelle Single „Friends And Traitors“ erklang war der Jubel groß, doch auch Songs wie „Killing It“ oder „Sound Of The Republic“ wurden mit überschäumender Begeisterung aufgenommen. Man merkte, dass ein Raised Fist Konzert lange überfällig gewesen war und sich sämtliche Energien nun entluden. Auf der Bühne hatte man offensichtlich auch großen Spaß, wie man mit einem Blick in die Gesichter erkennen konnte. Raised Fist waren um keinen Tag gealtert und verausgabten sich bis zum Letzten.
Nach einer Zugabe war leider Schluss, obwohl Raised Fist aussahen, als besäßen sie eine unermessliche Energiequelle. Auch das Publikum war sichtlich mitgenommen, doch noch nicht gänzlich erschöpft. Leider liegt die Entscheidung wann ein Konzert zu Ende ist nicht allein bei den Musikern und ihren Fans. Beim Hinausgehen konnte man nur Lobeshymnen von allen Seiten hören. Eine bemerkenswerte Show, die nach mehr schreit!