Rolling Stone Weekender

Tag 1 - u.a. mit Stardeath And White Dwarfs, The Soundtrack Of Our Lives, Kashmir, Editors & Flaming Lips

06.11.2009 Weissenhäuser Strand / Ostseeküste

Von: Thorsten Schmidt

Rolling Stone Weekender Ostseeküste

Wer wünscht sich das nicht - die Lieblingsbands an einem Ort versammelt und die eigene Wohnung nur einen Steinwurf entfernt!? Der "Rolling Stone Weekender" macht das nun wahr: Gut 20 Künstler und Bands werden für zwei Tage in einen Ferienpark an der Ostseeküste geladen und die Besucher erwerben mit den Eintrittskarten jeweils gleich noch die Übernachtung in Apartment, Hotel oder Bungalow dazu.

Das funktioniert in Sachen alternativer Musik in UK oder den USA mit den "All Tomorrow's Parties"-Festivals bereits bestens, die kreativen Köpfe hinter der Konzertagentur FKP Scorpio machten sich nun daran ein passendes Gelände in Deutschland zu finden. Mit der Ferienanlage am Weißenhäuser Strand zwischen Kiel und Lübeck hat man schließlich eine geeignete Location gefunden: Anlage und Zimmer sind in gutem Zustand, und die Lage an den Dünen am Ostseestrand gibt dem Besucher die Möglichkeit echtes Urlaubfsfeeling zu genießen -  Erlebnisbad, Sauna sowie Weinverköstigungen, Lesungen und Kurzfilme inklusive. Massagen und weitere Wellness gibt's gegen Bezahlung. Aber das führt dann tatsächlich fast zu weit, denn letztlich ist es trotz des ungewöhnlichen Rahmens die Musik, die zählt!

Hier hat man einen echten Coup gelandet: Mit den Flaming Lips als Zugpferd (Deutschland-exklusiv!) wurde die künstlerisch anspruchsvolle Ausrichtung plakativ. Die Konzerte finden auf drei Bühnen statt, Fassungsvermögen ca. 300, 800 und 3.500 Personen. Den Freitag eröffnen Stardeath And White Dwarfs mit spacigem Indie-Pop, der zuweilen an die Flaming Lips erinnert - kein Wunder, ist doch Frontmann Dennis Coyne der Neffe des Flaming Lips-Sängers Wayne Coyne. Anschließend zeigen The Soundtrack Of Our Lives im großen Zelt wie man eine coole Rockshow hinlegt. Solche Hits kriegen Oasis seit Jahren nicht mehr auf die Reihe, und Kultfaktor ist nicht = Coolness. Die Schweden spielen fast alle Hits (kein "Nevermore"!) und einen Großteil ihres aktuellen Doppel-Albums "Communion". Dabei scheint es fast, als habe der runde Sänger Ebbot Lundberg an Körpergewicht verloren...  Nicht dass am Ende noch sein Charisma darunter leidet! Kashmir aus Dänemark bewegen derweil mit stürmischen Gitarren und hinreißenden Melodien die Gemüter. Toll sie endlich mal wieder zu sehen! Die Editors sind mittlerweile ein echter Massenact und bringen ihr knapp 90-minütiges Set voller alter Hits und neuen Elektro-Tracks gekonnt in Szene. Dennoch bleiben "Fingers In The Factory" oder "Munich" vom Debüt wohl ihre besten weil "direktesten" Editors-Songs.

Leicht verspätet aufgrund des enormen Bühnenaufbaus beginnen die Flaming Lips aus Oklahoma gegen 23:45 Uhr ihr Programm, und das ist mal wieder eine einzigartige, vierdimensionale Outer Space-Party: Die Band betritt die Bühne aus der LSD, sorry – LED-beleuchteten Vagina und Frontmann Wayne Coyne rollt in einer Riesenseifenblase auf den Händen über einen Steg ins Publikum und zurück, dazu tonnenweise kunterbunte Papierschnipsel aus Konfettikanonen und Dutzende Riesenballons zum In-die-Menge-punchen – "Race For The Price", das ist wahrlich eine königliche Performance. Vom aktuellen Album "Embryonic" gibt es immerhin vier Tracks, und die kommen ähnlich düster-klaustrophobisch rüber wie auf Platte. Nach "She Don’t Use Jelly" (verdammt, das Ding hat mittlerweile auch schon 16 Jahre auf dem Buckel!) schreien und jubeln sich die gut 2.000 anwesenden Besucher freudestrahlend in eine Zugabe: "Do You Realize?" zeigt nach anderthalb Stunden noch einmal alle Qualitäten der Flaming Lips – Rechnung aufgegangen, der Weekender ist wie erhofft bereits in der ersten Nacht geadelt!

Setlist Flaming Lips:

Intro
Race For The Prize
Silver Trembling Hands
The Yeah Yeah Yeah Song
Fight Test Play
Convinced Of The Hex
Evil
See The Leaves
Yoshimi Battles The Pink Robots
Pompeii Am Götterdämmerung
The W.A.N.D.
She Don't Use Jelly
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Do You Realize?

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