Tour 2010
Slow Club sind ein aufstrebendes britisches Duo, welches sich mit süßem Twee-Indie-Pop zwischen Amboss und Hammer einzunisten versucht. Die aus Sheffield kommenden Rebecca Taylor und Charles Watson waren zuvor beide in der Band The Lonely Hearts aktiv und machten nach deren Trennung 2006 als Slow Club weiter. Nach diversen Singleveröffentlichungen und Kollaborationen mit zum Beispiel Tilly And The Wall, kam letztes Jahr ihr Debütalbum "Yeah So" auf den Markt. Geprägt von akustischen Elementen und dem oft mehrstimmigen Gesang haben Slow Club nicht nur melancholische Songs auf dem Kasten, sondern können trotz geringer Instrumentierung auch ordentlich Gas geben.
Das Cafe Steinbruch in Duisburg ist der letzte Standort auf der (nun nicht mehr) aktuellen Deutschland Tour. Der Konzertsaal ist leider nur zu einem Drittel gefüllt. Die geringe Anzahl an Zuschauern ermöglicht Taylor und Watson gleich zu Anfang aber einen äußerst gelungenen und sympathischen Eindruck. Die beiden schnappen sich kurzerhand ihre Gitarren und spielen vor der Bühne in einer "Ohne Mikro und ohne Stöpsel"-Version den ersten Song. Trotz eines gelungenen Einstiegs und dem anerkennenden Applaus ist schon früh zu merken, dass die Duisburger Zuhörer nicht so ganz aus sich rauskommen möchten. Rebecca Taylor steht wie Bela B hinter ihrem Schlagzeug und wechselt gekonnt zwischen leisen gefühlvollen und wuchtig harten Schlägen auf Felle und Schellenkranz. Charles Watson trägt sein Mützchen auf halb neun und zupft und schrammelt sich durch das gut einstündige Set.
Eine nette Mischung zwischen ruhigen und bedächtigen Tönen wie in "There Is No Good Way To Say I'm Leaving You" und schnelleren tanzbaren Nummern wie es z.B. bei "Giving Up On Love" der Fall ist. Doch jeder Versuch der beiden Künstler auf der Bühne kommunikativ zu sein, scheitert an der schweigsamen Gemeinde im Steinbruch. Schüchternheit oder doch fehlende Begeisterung? Slow Club selber versuchen das bestmögliche rauszuholen. Bei "Because We're Dead" wird es ungewöhnlich krachig und laut auf der Bühne. Pompöser Indie-Twee-Country, der aber ebenfalls vergeblich die Anwesenden dazu animiert, etwas lockerer zu wirken. Zum Ende der Show begeben sich Slow Club wieder von der Bühne herunter und setzen sich vor ihre Monitorboxen. Das sehr schöne "When I Go", welches auf ihrem Debüt "Yeah So" den Einsteiger bildet, kommt genauso gut an wie das nicht auf dem Album enthaltene "Christmas TV". Ohne Zugabe endet die Show in Duisburg. Charles Watson begibt sich an dem im Raum improvisierten Merchandising Stand, während Rebecca Taylor schon alles zusammenpackt.
Sicherlich gab es für die beiden Briten bessere Abende als den in Duisburg. Irgendwas lag in der Luft, warum keine Stimmung aufkommen konnte. Vielleicht waren Rebecca Taylor und Charles Watson auch einfach auf und kaputt und sehnten sich nach immerhin drei freien Tagen in ihrem Heimatland, bevor es dann schon wieder weiter in Richtung USA geht. Gefragt scheinen die zwei zu sein und die Musik ist in ihrer Sparte des Twee-Pops nicht zu verachten. Bleibt uns nur abzuwarten und zu verfolgen in wie weit Slow Club ihren Weg gehen werden.