The Notwist + Andromeda Mega Express Orchestra
Kaum eine deutsche Band genießt international so viel Ansehen wie The Notwist. Kein Wunder - die Weilheimer Band hat über die Jahre von Punk und Noise- über Indie-Rock zu Elektronik so ziemlich alles durchgemacht und das stets auf hohem Niveau, da talentiert, authentisch und experimentierfreudig. Nachdem die Konzerte in letzter Zeit immer technoider wurden – Martin Gretschmann (u.a. Console) ist ein echter Digitalsound-Weirdo – hob man The Notwist zusammen mit dem Andromeda Mega Express Orchestra, das bereits auf dem noch immer aktuellen Album "The Devil, You + Me" (2008) mitwirkte, Anfang dieses Jahres auch live gemeinsam in ein neues Format: 20 junge Berliner Menschen in klassischer Besetzung spielen Jazz in Freiform und passen so bestens zum Ansatz der Weilheimer.
Live ist das im Dortmunder FZW etwas deplatziert, da ein Ort wie die Kölner Philharmonie (oder das hiesige Schauspielhaus) den Blick auf die einzelnen Musiker, und zuweilen auch die entsprechende Aufmerksamkeit seitens des Publikums mit sich gebracht hätte. Aber das Ruhrgebiet als ehemalige Arbeiter- und Stahl-Metropole erhält einen Rahmen bei dem man immerhin Bier trinken, sich bessere Standorte suchen oder zum Rauchen kurz rausgehen darf. Der Bühnenaufbau ist markant – linke Hälfte das Orchester, meist hell beleuchtet, rechte Hälfte The Notwist die Rockband.
Gegen 20:50 Uhr wird das Licht verdunkelt und nach dem "Praelidium" gibt es gleich eine Perle, "Solo Swim" von der gleichnamigen Soundtrack-EP zum Film "Kanalschwimmer" (2004). Das Schöne an der bereits beschriebenen Rockladen-Situation ist, dass man im gut gefüllten neuen FZW mal links dem Orchester nahe sein kann, oder rechts The Notwist und jeweils einen anderen Eindruck des Konzerts bekommt: Streichquartett, Bratschen und Fagott, Querflöte oder Posaune ergänzen sich prächtig zu Notwist-Tracks wie "Pick Up The Phone", oder ufern in längeren Jams ("Radioactive People") prächtig aus. Letzteres dank der Tatsache, dass auch einige Tracks aus dem Andromeda-Album "Take Off" dargeboten werden. Hier spielt sich Schlagzeuger und Notwist-Neuzugang Andy Haberl förmlich in einen Wahn – kein Wunder, schließlich trommelt er in beiden Formationen und ist somit das menschliche Bindeglied eines gelungenen Abends. Nach gut 90 Minuten gibt es als Abschluss eine feine Cover-Version von Nicos "Wrap Your Troubles In Dreams" – und dazu ein kaltes Pils. Wahrlich gediegen.
Setlist:
Praeludium
Solo Swim
Where In This World
Boneless
This Room
Off The Rails
Gamma
Pick Up The Phone
Come In
Lava
Neon Golden
Pilot
Gloomy Planets
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Radioactive
Trashing Days
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Hands On Us
Wrap Your Troubles In Dreams (Nico)