Chris Norman – There And Back: mit rauchiger Stimme immer noch Vollblutmusiker

VERÖFFENTLICHUNG» 13.09.2013
BEWERTUNG» 6 / 9
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Ein neuer Longplayer von Chris Norman? Da rechnet man doch mit dem schlimmsten… Wir kennen die Gassenhauer von Smokie aus dem Effeff. Und sei es, weil sie auf der Dorfkirmes in allen Fahrgeschäften im Dauerbetrieb nudelten. Man hatte in den 70ern und Anfang der 80er keine Chance, diesen Songs zu entkommen. Da wäre das unvermeidliche „Living Next Door To Alice“, zudem „Lay Back In The Arms Of Someone“, „Needles And Pins“,  „Oh Carol“ und natürlich die schmachtende Ballade an das „Mexican Girl“. Ich war nie ein Fan von Smokie, und auch Solo-Songs wie „Midnight Lady“, mit dem seine Karriere außerhalb der Band ihren Höhepunkt erlangte, fand ich nervig ohne Ende. Schimanski-Tatort hin oder her. Meine Erwartungen sind also nicht besonders hoch. Umso überraschter bin ich dann doch von dem Wohlklang, der aus den Boxen tönte.

Erster positiver Aspekt: Norman besinnt sich auf seine eigenen Songwriter-Qualitäten und verzichtet auf die fragwürdige Unterstützung eines Hitmachers wie Dieter Bohlen. Auffälligstes Merkmal ist natürlich die Stimme. Rauchig verlebt, unter Tausenden Radio-Interpreten sofort wiederzuerkennen. Chris Norman wandelt zielsicher auf dem mehr als schmalen Grat zwischen Rock’n‘Roll und Schlagermusik. Und so kann man die Musik auch einordnen – bereits die ersten Songs sind symptomatisch: „I’m Gone“ ist ein rockiger Kracher, den ich dem alten Knaben gar nicht mehr zugetraut hätte. Sehr schön. Die Ballade „Gypsy Queen“ verlässt sich allerdings ganz auf Chris‘ weinerliche Vocals und ist auf Mitklatschen angelegt. Zu schnulzig, um mir zu gefallen.

Gemeinsam mit Pete Spencer schrieb er zwei Songs ganz im traditionellen Smokie-Stil: „My Jenny“ und „Lovers And Friends“ – eingängig und durchaus hübsch anzuhören. Sehr gut gefallen mir auch das pianolastige „Love’s Such A Strange Thing“ sowie die Ballade „Hard Road To Cross“, wobei ich noch nicht heraus gefunden habe, wer die stimmgewaltige Duettpartnerin ist.

Tanzbaren Rock’n’Roll findet man beim „Hounddog Blues“ und „Hot Love“ groovt ganz gewaltig. Alles in allem sind da tatsächlich mehr Songs, die ich locker-flockig genießen kann, als Anwärter für die Skip-Taste. Chris Norman ist deutlich besser als sein Ruf und man sollte ihm eine Chance geben. Was ihn aber geritten hat, ausgerechnet „Gypsy Queen“ zur ersten Single zu machen? Da geht der Schlagerstar immer mal wieder mit ihm durch.

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