WGT 2017 – So war das Schwarze Pfingstfest

Traditionell beginnt der erste „richtige“ Festivaltag, fernab der Preparties, mit dem Vikorianischem Picknick im Clara-Zetkin Park. Hier konnten bei noch gutem Wetter wunderbare Kostüme aus allen stilistischen Epochen bestaunt werden. Gemütlich mit Picknickkorb und Decke oder auch stilvoll am geschmiedeten Tisch mit Perücken und Fächern waren die Anwesenden zumeist begehrte Fotoobjekte. Spannend war die Präsenz eines 1923er Ford T-Modells, der liebevoll von Besitzer Frank mit Originalteilen im Steampunkstil aufgebaut wurde.

Musikalisch startete der Tag entspannt in der Sixtina beim Auftritt von Düsterpiano. 

Schon im vergangenen Jahr erfreute er sich einer großen Publikumsschar – der kleine Laden und Hinterhof der Sixtina war rappelvoll um den lyrischen und melodischen Ergüssen von „Olli“ zu lauschen. Der ein oder andere Absinth und je menge Grillfleisch gingen hier in gemütlicher Atmosphäre über den Tresen.

Etwas lauter und mit wesentlich mehr Show und Licht ging es hingegen in der großen Agra Halle zu. Umbra et Imago eröffneten an diesem Tag die Bühne um 19 Uhr. Das Publikum war guter Laune und sang lauthals mit. Mozart im klassischen Rüschenhemd kontrastierte zu seiner Partnerin im offenherzigen Lackoutfit.

Nach einem kurzen Blick in die Shopping-Halle ging es direkt in der Agra weiter mit den Briten von Devilment. Sänger Dani Filth ist wohl eher unter seiner Band Cradle of Filth bekannt – aber auch hier hat scih der Geheimtipp wohl gut rumgesprochen und die Halle gut gefüllt. Natürlich auch um für das Highlight des Abends keinen Einlass-Stop zu riskieren. Denn Amanda Palmer gab hier das erste Mitternachtsspecial des Festivals zum Besten. Nur sehr selten auf deutschen Bühnen zu Gast  konnte das Duo um Amanda (Dresden Dolls aus USA) und Edward Ka-Spel (Legendary Pink Dots aus Niederlanden) auch zu später Stunde wahre Begeisterungsstürme auslösen.

SAMSTAG:

Wenngleich es am Vortag spät wurde lohnte es sich, den Samstag „früh“ auf den Beinen zu sein. Etwas Außerhalb im Non Tox waren Florian Grey und Head-less eine der ersten Aktiven an diesem Festivaltag.

Florian überzeugte mit einer super Bühnenpräsenz – die ca. 60-80 Anwesenden machten soviel Stimmung, dass man hier definitiv in Wallung kommen konnte. Nicht zu Letzt durch den Gastauftritt von Sänger Matteo (HELL BOULEVRD) wurde fleißig getanzt und mitgeklatscht.
Head-less schlugen hier eher elektronische Töne an – Rene Hentzschel gab tänzerisch alles um dem Publikum auch optisch was zu bieten.

Ortswechsel. Im Alten Stadtbad gaben sich KLIMT 1918 die Ehre. Es ist bereits knapp 10 Jahre her, das sich diese Band live auf dem MERA LUNA gesehen ahbe – ein Pflichttermin also! Und sie haben nicht enttäuscht. Das Stadtbad war gut gefüllt, die Hitze stieg auf und die New Wave Rocker um Marco Soellner aus Italien begeisterten mit ihren Indie-Klängen.

Später wurde im Felsenkeller eher Richtung Dark Rock unterhalten. Die Stuttgarter The Pussybats gaben sich redlich Mühe die noch nicht einmal halb gefüllte Halle zu unterhalten. Leider war der Sound nicht so gut und auch der Versuch der Kostümierung mit Gruselclownmaske eher kontraproduktiv.

Ganz anders hingegen bei den Metal Helden von Rotting Christ und Headliner des Abends Amorphis im Kohlrabizirkus. Wahnsinnig laut war hier vor allem das Publikum! Beide Bands wurden ohne Ausnahme vom ersten bis zum letzten Ton gefeiert. Sicherlich waren einige am Folgetag heiser vom Mitgröhlen. Egal ob Athen oder Finnlad – die beiden wissen genau wie man das Metalherz hochschlagen lässt. Einziges Manko war der fehlende obligatorische Mikrofonständer von Sänger Tomi Joutsen und, das dieser nun schlichtes langes Haar an Stelle der Dread trug.

Sonntag:

Langsam etwas fußlahm fand der dritte Festivaltag eher in der Agra-Halle statt. Hier gaben sich die Dark-Waver She Past Away  (TR) und Post-Punker Gene Loves Jezebel (UK) die Klinke in die Hand. Ruhige, swingige Musik lud zum Träumen und leichtem Hin- und Herwiegen des Körpers ein. Diese Musik ist eher etwas zum Hören und genießen und weniger zum völligen Ausrasten. Das große Areal der AGRA war halb gefüllt, viele liefen für einige Songs hinein, lauschten, und gingen dann wieder ihrer Wege Richtung Shopping-Bereich.

Gegen halb 9 abends wurden dann aber doch wieder rockigere Melodien angeschlagen. Die Finnen von The 69 Eyes rockten die Bühne wie kaum zuvor. Ich habe schon viele Shows dieser Band gesehen und muss sagen, das die Daarbietung zum WGT von Energie und Spielfreude nur so strotzte! Eins meiner absoluten Highligts des Festivals. 

Um im ähnlich mystischen Rockgenre zu bleiben führte anschließend der Weg in den Felsenkeller zu Wednesday 13. Die Amerikaner sind sowohl optisch mit ihren aufwändig geschminkten Gesichtern als auch musikalisch ein absoluter Genuss. 

Das Publikum drängte sich im Felsenkeller um bei dieser Rockparty mit abzugehen. Der Hardrock Sound brachte wohl alle zum Schwitzen!

Nun hieß es durchhalten. Denn erst um 1 Uhr nachts wurde zum Mitternachtsspecial jemand ganz besonderes angekündigt: Skinny Puppy! Selten in Deutschland und noch seltener auf dem WGT war dies definitiv ein weiteres Highlight des WGT 2017! Wenngleich die Energiekurve während der Wartezeit in der Agra-Halle etwas gesunken war so hat sich jede Mühe gelohnt. Die Lichtshow/Projektionen und natürlich die Outfits von Sänger Nivek Ogre beeindruckten das Fotografenherz und beglückten die Industrial-Fans, die noch einmal alles aus den müden Knochen heraus holten und entsprechend mittanzten.

Montag:

Der letzte Festivaltag startete deutsch – im Kohlrabizirkus eröffneten Sündenrausch, gefolgt von Erdling.
Sündenrausch gruppieren sind selbst im Genre des Gothic-Pop-Metal ein. Sängerin Kira deckt mit ihrem Gesang alle diese Genre komplett ab – es ist eine wahre Freude das Spektrum ihres Könnens zu verfolgen und zu genießen. 

Also Opener konnten Sie bereits gute Besucherzahlen verbuchen!

Erdling übernahmen anschließend gern das Zepter mit einer etwas rockigeren Gangart – Neue Deutsche Härte war angesagt! Neill und seine Jungs rockten bei gutem Sound das Zirkuszelt. Auch als fast noch Newcomer bewiesen sie, das sie das Potenzial haben mit den ganz Großen mit zuspielen. Spätestens mit „Blitz und Donner“ oder dem Song „Mein Element“ haben sie die Fans (und diejenigen, die es bis dato noch nicht waren) überzeugt.

Etwas krachiger hingegen lieferten Psyclon Nine (USA) in der agra-Halle ab. Soundtechnisch leider mit einigen Problemen und einem etwas genervt wirkenden Nero Bellum konnten sie dennoch den Auftritt meistern und die lechzende Menge begeistern.

Den diesjährigen Abschluss fand das WGT mit den Klängen der Kanadier von The Creepshow im Täubchental. Eine absolut geniale Rockabilly-Darbietung von Sängerin Kendalyn Legaspi! Unterstützt von ihren Männern die traditionell auch u.a. mit Kontrabass begleiteten blieb hier kein Fuß still stehen. Kenda hüpfte wie ein Flummi von links nach rechts über die Bühne und suchte auch abseits davon Kontakt zu ihren Fans.  Diese Musik macht einfach nur Spa0ß und zauberte ein zufriedenes Lächeln in die Gesichter der Anwesenden. Somit war dies das dritte Highlight.

Fazit: mit über 25.000 Besuchern war auch das diesjährige WGT ein voller Erfolg. So vielschichtig wie eh und je war für jeden Geschmack etwas dabei. Meistens war der Wettergott gnädig und auch die Aftershow Partys erfreuten sich, ähnlich wie die Warmups mit Lesungen oder Friedhof-Tour, großer  Beliebtheit.
Das WGT und ein schwarzes Leipzig zu erleben ist wirklich etwas Besonderes und gehört in das Repertoire eines jeden Gothic Fans einfach dazu.