Eminem 2017: Pop und Rap mit vielen Gaststars

VERÖFFENTLICHUNG» 15.12.2017
BEWERTUNG» 8 / 9
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Das Album kam recht plötzlich und ohne viel Ankündigungs-Tammtamm. Vier Jahre hat sich Eminem für sein neues Werk Zeit gelassen. Und doch stieg es prompt auf Platz 1 der amerikanischen Billboard Charts ein – die siebte Nummer 1 in Folge! Wer nichts davon mitbekommen hat, hört jetzt den neuen Song „River“ im Radio, den Eminem im Zusammenspiel mit Ed Sheeran aufgenommen hat und der echtes Ohrwurm-Potential bietet.

Das Album startet mit „Walk On Water“ und hat Beyoncé an den Vocals. Damit wird die Richtung ohne Umschweife vorgegeben: Pop durchmischt mit starken Rap-Passagen. Dazu gesellen sich die von Eminem gern verwendeten Geräusch-Einlagen.

Auf der Gästeliste von „Revival“ sind neben den bereits erwähnten Stars auch P!NK,  die X Ambassadors, Kehlani und Alicia Keys zu finden. Eine illustre Mischung, die aber sehr gut funktioniert. Eminem ist älter geworden – und moderater. Mit 45 disst man nicht mehr wild in der Gegend rum. Da dürfen es gerne mal versöhnliche Töne sein. Weniger Aggression, mehr Nachdenklichkeit.

Trotzdem ist Eminem natürlich nicht unpolitisch geworden. Eine amerikanische Flagge ziert das Cover von „Revival“ und lässt bereits vermuten, dass er solch ein Motiv nicht aus blindem Patriotismus gewählt hat. Im Gegenteil: Roh und beißend ehrlich rappt er auf „Untouchable“ über die Black Lives Matter-Bewegung und den alltäglichen Rassismus in den USA. Zudem wirft er in „Like Home“ dem amerikanischen Präsidenten Trump vor, die Gesellschaft zu spalten.

In „Framed“ zeigt sich Eminem als Geschichtenerzähler, der aus der Sicht eines Serienmörders dessen Taten abstreitet. „Need Me“ hingegen ist eine klassische und in Teilen tragische Liebesgeschichte.

Eminem beschäftigt sich aber viel mit sich selbst. „Walk On Water“ handelt von den hohen Erwartungen, die an ihn gestellt werden, „In Your Head“ setzt sich mit dem altbekannten Slim Shady auseinander und die letzten beiden Tracks „Castle“ sowie „Arose“ beschäftigen sich mit Eminems Medikamentenabhängigkeit und seinem lebensbedrohlichen Zusammenbruch vor zehn Jahren. Ein heißes Eisen, das er hier anpackt und sehr eindringlich an den Hörer bringt.

Da ich eher pop- als rap-affin bin, gefällt mir das aktuelle Album ausgesprochen gut. Die Kollaborationen sind perfekt gewählt und geben den Songs mit bekannten Melodien wie Joan Jetts „I Love Rock’n’Roll“ sowie dem Gassenhauer „Zombie“ der Cranberries einen hohen Mitsingfaktor. Rap-Enthusiasten mag das nicht gefallen und sie werden Eminems aggressives und weltveränderndes Potential vermissen. Stattdessen gibt es aber ein gediegenes Alterswerk mit Pathos und viel Selbstkritik. 77 intensive Minuten ohne echte Durchhänger und Lückenfüller.

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Letzte Aktualisierung am 17.02.2018 um 14:12 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API