Isaac Gracie mit seinem Debütalbum „isaac gracie“

VERÖFFENTLICHUNG» 13.04.2018
BEWERTUNG» 6 / 9
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Sekunden der Stille verstreichen. Normalerweise benutzen Künstler instrumentale Pausen innerhalb oder zwischen den Liedern um eine gewisse Atmosphäre zu kreieren, aber nicht am Anfang eines Albums. Dann endlich setzen die ersten Klänge des Debüts von Isaac Gracie ein. Der 23-jährige Londoner zeigt auf gleichnamigen Album eine Mischung aus melancholischen Chansons, gepaart mit einer ganzen Menge Wehmut. Das Albumcover ziert das aschfahle Gesicht einer Person, die genauso ausdruckslos wirkt wie seine Werke nach dem erstmaligen Durchhören. Wohlgemerkt nur zu Beginn.

Das zeigt bereits der Opener terrified in dem der ehemalige Chorknabe seine innersten Ängste besingt. Die trostlose Aussicht auf ein bereits beendetes Leben beginnt bei seiner Stimme, die eine Schwere in sich trägt, als hätte man eine Gefängniskugel von Problemen an seinem Bein befestigt. Grau trifft Anthrazit, ganz frei nach dem Motto: Ich habe‘ schon mit allem abgeschlossen, bevor es überhaupt richtig losgeht. Eine Ironie, dass last words genau von dieser Art von Resignation spricht, aber man eigentlich nur nach „der Einen“ sucht. Zu the death von you & i werden zum ersten Mal die Gitarren im Refrain aufgedreht und Isaac brüllt seine ganzen Emotionen heraus, die bis dato weitestgehend unterdrückt blieben. Die ganzen negativen Gefühle, welche das Album mitbringt verpackt Gracie in luftig leichten Gitarrenriffs, mal akustisch, mal elektrisch und mit einer „sing along“ Attitüde, die man sonst nur von Britpop-Partys kennt. So verpasst man beinahe Songs wie running on empty oder telescope, bei denen der Einfluss der Babyshambles und Libertines deutlich mitschwingt. Nur vielleicht mit etwas weniger Spektakel.

That was then zerbricht beinahe an der Traurigkeit von Gracies Stimme und einem starken Refrain, in dem Gracie die Zittrigkeit der Strophen ablegt und nach vorne schaut. Es ist immer wieder schön zu hören, wie Künstler ihren Gesang einsetzen und in ihren Songs Kontraste erzeugen um ihre Emotionen noch deutlicher an den Hörer zu transportieren. Shilouettes of you, welches stark an Radioheads „Creep“ erinnert, steht dem in nichts nach.

Isaac Gracies musikalisches Gewand liegt in einer speziellen Sparte, die für manche Hörer schnell als langweilig und monoton abgestempelt werden könnte, aufgrund des teils einfallslosen Sounds und der sich ständig wiederholenden Themen. Für andere trifft Gracie mit seinem self-titled Album genau und wortwörtlich ins Schwarze und verbindet den Indie-Pop mit grauen Alltagsproblemen. Alles in allem präsentiert der 23-jährige ein solides Erstlingswerk. Wünschenswert wäre für den Nachfolger ein wenig mehr Varianz und Themenvielfalt sowohl im Sound, als auch bei den Lyrics. Bis dahin kann „isaac gracie“ als ein gutes Konzeptalbum angesehen werden, welches wahrscheinlich in erster Linie gar keines werden sollte.

 

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Letzte Aktualisierung am 17.04.2018 um 20:58 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API