Rise Against – The Ghost Symphonies Vol.1

Eine Symbiose zwischen lautem Protest und einem Streichkonzert

VERÖFFENTLICHUNG» 27.07.2018
BEWERTUNG» 8 / 9
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Wenn Punkrock-Musiker verzerrte Gitarren gegen einen Akustik-Sound austauschen, hat das immer etwas Interessantes an sich. Das heißt nicht, dass die daraus entstandenen Werke sonderlich technisch versiert sein müssen oder ob gar ein Song wie, sagen wir, Tony Sly’s Version von „Fiona“ bei jedem Künstler funktionieren muss. Unumstritten ist jedoch, dass Rise Against Frontmann Tim McIllrath ein Händchen dafür hat, Liedern neues Leben einzuhauchen, wie er es bei dem sehr persönlichen Song des leider verstorbenen „No Fun At All“ – Sängers gemacht hat.

„The Ghost Note Symphonies“ heißt das erste veröffentlichte Akustikalbum von Rise Against in 17 Jahren Bandgeschichte and counting. Deshalb verwundert es umso mehr, dass es ‚nur‘ zehn Songs auf das Album geschafft haben. Noch interessanter ist die Wahl Descendents Drummers Bill Stevenson als Produzenten, der in so einem Bereich noch nie gearbeitet hat. Hinzu kommt, dass nicht gerade typische Rise Against Songs zur Neuinterpretation ausgesucht wurden: Kein „Prayer of the Refugee“, kein „Ready To Fall“, kein „Give It All“. Dafür Klassiker wie „Like The Angel“, „Voices Off Camera“ oder „The Violence” von ihrem letzten Album „Wolves“. Allein das „Vol. 1“ weist darauf hin, dass weitere Songs höchstwahrscheinlich folgen werden. Und das sollten sie.

Die anfängliche Skepsis schwingt um in pure Begeisterung: Auch wenn einzelne Songs wie „The Violence“ oder „Audience of One“ ein wenig minimalistisch gehalten wurden, kommen die Lyrics und die Stimme umso deutlicher hervor. Neben der Akustikgitarre begleiten meistens Streicher die Refrains und Bridges der einzelnen Songs, besonders gut in Szene gesetzt bei „Savior“. Der Laut McIllrath bekannteste Song der Band sticht so heraus, dass „Wait For Me“ und „Miracle“ ein wenig untergehen. Den Höhepunkt bildet „Far From Perfect“, der definitiv in die Setlist der kommenden Konzerte ihrer „Mourning In America“ – Tour aufgenommen werden sollte. Kopfkino macht sich breit, wenn tausende Stimmen folgende Zeilen brüllen.

„We are far from perfect
But perfect as we are
We are bruised, we are broken
But we are goddamn works of art
Works of art“

„The Ghost Symphonies“ ist die perfekte Symbiose zwischen Politik und Emotionen, verpackt in Geige, Gitarre und der eindringlichen Stimme von McIllrath, der in einer erzkatholischen Schule geformt und geschustert wurde und so seine Passion zum Punkrock entdeckte. Und anscheinend auch zur Akustikgitarre.