Die „1. Trierer Nacht der Spielleute“ im Amphitheater – 27.7.2018, Bericht

Photo credit: Peter Fath

Ein neues Konzept von Popp Concerts, das sich sehr vielversprechend anlässt: Die „Trierer Nacht der Spielleute“ präsentierte gleich drei hochkarätige Szenebands, die sich hier zu einem ordentlichen Happening versammelt hatten. Die Vorzeichen konnten nicht besser sein! War doch die Vollmondnacht des Blutmondes angesagt, die viele Mittelalter-Bands so gern besingen. Zudem heißt das neue Album von Saltatio Mortis „Brot und Spiele“. Wo präsentiert man so etwas besser als im wundervollen Ambiente einer alten römischen Kampfarena?

Den Anfang machten aber Feuerschwanz aus Erlangen. Für mich die Überraschung des Abends. Inhaltlich wird das Konzept vor allem von zwei Themen beherrscht: Met und Miezen. Doch musikalisch geht es trotz dieser politischen Unkorrektheiten ordentlich zur Sache. Die Geigerin Stephanie Pracht muss sich jovial „Johanna von der Vögelweide“ nennen lassen. Nun ja. Ihren Qualitäten an der Violine tut das zumindest keinen Abbruch.

Das neue Album der süddeutschen Band wird den gehaltvollen Titel „Methämmer“ tragen und am 17.8. erscheinen. Vorher gibt es gar noch einen Auftritt in Wacken. Läuft also. Das Publikum spielte von Beginn an mit. Auf die Frage „Wo nach gelüstet euch heute Nach?“ kam von den vielen Insidern der Jubelruf „Blöde Frage, Saufgelage!“ und man feierte den gleichnamigen Song heftig mit.

Bald schon erschien auch ein leichtbekleidetes Mädel, „Mieze“ genannt, das zu einigen Songs mittanzte und das Publikum animierte. Beispielsweise wurde das Volk in eine rechte und linke Seite geteilt, die zu einem Hupen-Laut aufeinander zu rennen und sich umarmen sollten. Zunächst aber wurde zu „Schubsetanz ist Rittersport“ ein hübscher Pogo aufs Parkett gelegt. Doch auch die anschließende Umarmung klappte gut.

Durchaus harte Metalklänge wurden mit Folkrock durchmischt. Das wird auch auf dem nächsten Album so sein, wie die ersten neuen Songs bewiesen. „Unser Gott heißt Alkohol“, wurde das Motto von „Methämmer“ nochmal klargestellt. Dazu gab es Klassiker wie „Metnotstand im Märchenland“ und „Krieger des Mets“. Als Pendant zu Thors Hammer wurde eine Keule mit Bierfass geschwungen. Soll keiner sagen, dass der Band nichts zum Thema mehr einfällt.

Selbst kritische Songtexte wurden lustig verpackt, als „Mieze“ zum Song „Ketzerei“ am vorderen Bühnenrand angekettet wurde, um die schlimmen Finger des Christentums zu besingen. Sie tanzte aber fröhlich lasziv mit und alles wirkte halb so wild. Das ist dann auch das Motto von Feuerschwanz: Alls halb so wild, so lange genug Met am Start ist. Dem wurden sie voll gerecht. Musikalisch aber fand ich den Auftritt sehr überzeugend. Das hätte gerne über die 40 Minuten des Slots hinaus gehen dürfen.

Für den zweiten Act ging es vom Süden in den Norden Deutschlands. Versengold stammen aus Bremen. Was die Texte angeht, klingen sie sehr lyrisch und bleiben damit ihrem Namen treu. Das war schon ein starker Bruch nach den Eskapaden von Feuerschwanz. Bezeichnenderweise hieß der zweite Song im Set „Spaß beiseite“.

Mit dem Einstieg der CD „Funkenflug“ im Jahr 2017 auf Platz 2 der deutschen Albumcharts haben Versengold endgültig unter Beweis gestellt, dass sie zu den großen Aufsteigern der deutschen Musikszene gehören. Mit ihrem ehrlichen, handgemachten Folkrock hat die charismatische sechsköpfige Gruppe eine große Zahl treuer Fans um sich geschart.

Insgesamt wurde es folkiger. Als Begleitung waren zwei Streicher mit an Bord. Vorbild ist die Musik aus dem keltischen Raum und die Liebe zur Insel Irland wurde gerne besungen. Hinzu kommen die charismatischen Vocals von Sänger Malte Hoyer, der auch gern mal Publikumsnähe zeigte und die ersten Reihen mit Wasser versorgte.

„Rot scheint der Geistermond hinab“ – eine passende Textzeile zum astronomischen Ereignis, doch man konnte den Blutmond hinter dem bewölkten Himmel nicht erkennen. Schade. Als Entschädigung gab es mit „Haut mir kein‘ Stein“ einen bewegenden Song übers Sterben. Und in „Wem? Uns!“ wurde die mittelalterliche Robin Hood Mentalität besungen. „Hoch die Krüge“ konnte man abfeiern und es wurde geschunkelt, bevor „Ich und ein Fass voller Wein“ den Set nach 45 Minuten beendete. Zumindest fast: Zum Finale gab es noch zwei geniale Instrumental-Minuten einer irischen Fiddle und dann formierte sich das Sextett zur stimmgewaltigen a cappella Band, um Werbung zum CD-kaufen zu machen. Ein würdiger Abschluss.

Saltatio Mortis hatten als Headliner fast ein Heimspiel – und aufgrund ihrer Bekanntheit auch doppelte Spiellänge. Die Band stammt ursprünglich aus Karlsruhe und dem Raum Kaiserslautern. So versuchte Sänger Jörg Roth (Alea der Bescheidene) auch gleich, sich mit den „Pfälzern“ zu verbrüdern. Er hatte wohl nicht damit gerechnet, dass so viele Saarländer angereist waren. Das Verhältnis war ziemlich ausgeglichen und so wurde es nichts mit den Pfalz-Festspielen. War aber auch kein Problem.

Die Show von Saltatio Mortis war megastark mit Pyrotechnik, die das kleine bisschen einsetzender Abendkühle sofort in ihre Grenzen verwies. Instrumental ging es mit Dudelsäcken und Drehleier kräftig in die Vollen und es wurde eine ordentliche Rockshow wie zu besten In Extremo-Zeiten geboten. Alle Bandmitglieder waren präsent auf der Bühne, doch Alea stand mit seinem martialischen Auftreten und freiem, verschwitztem Oberkörper stets im Mittelpunkt.

Es gab bekannte Songs wie „Früher war alles besser“, „Idol“ und das wundervolle „Wo sind die Clowns?“. Zudem wurden viele Titel des neuen Werks „Brot und Spiele“ vorgestellt. Eigentlich hätte die CD-Präsentation just an diesem Tag in Trier erfolgen sollen, doch aus produktionstechnischen Gründen musste man in den August verschieben. Doch auch so klangen neue Titel wie „Große Träume“ und „Dorn im Ohr“ fantastisch und zeugten von kommenden Glanztaten. Selbst ein Track wie „Nie wieder Alkohol“ konnte die Massen mitreißen, die vorher noch dem Met zugejubelt hatten.

Zur Deutschland-Hymne gab es den sozialkritischen Song „Wachstum über alles“ und der epische Titel „Prometheus“ mit der Textzeile „Ich bringe euch Feuer“ brachte die Feuer-Fontänen der Pyroshow wieder schön zur Geltung. Schließlich durfte Lasterbalk der Lästerliche mit seiner großen Trommel in den Mittelpunkt der Bühne und es gab wahrhaft mittelalterliche Musuik mit dem alten Stück „Skudrinka“. Auch der Klassiker „What Shall We Do With A Drunken Sailor“ kam zu Ehren.

Ihre erzählerischen Qualitäten zeigten Saltatio Mortis mit konzeptionellen Titeln wie „Eulenspiegel“ und dem neuen Lied über „Brunhild“. Der Auftritt war absolut stimmig und zog die Zuschauer bis fast 23 Uhr in seinen Bann. Ein gelungener Abend, zu dem alle drei Bands ihren Teil beitrugen. Das darf 2019 mit einer 2. Nacht der Spielleute gern wiederholt werden!