Tonbandgerät finden ihre Lücke: „Zwischen all dem Lärm“

VERÖFFENTLICHUNG» 07.09.2018
BEWERTUNG» 8 / 9
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Das dritte Album von Tonbandgerät zeigt die Band aus Hamburg erwachsener und gereifter. Der etwas naive Indiepop der ehemaligen Schulband ist einem schwungvollen Deutschpop gewichen. Doch im Prinzip hat sich nicht soviel geändert: Es bleiben die schönen Wortspiele und die melodische Musik. Ein Song wie „Deine kleine Schwester“ mag dafür symptomatisch sein. Die Welt der Erwachsenen wird aus einer Eigen- und einer Fremdperspektive beschrieben. Und das Gefühl, dass alle Zeitgenossen einen dabei rasant rechts überholen, kennt wohl jeder Mittzwanziger.

Tonbandgerät geben den Texten viel Raum. Sie erzählen von Übergängen, von Ungewissheit und Übermut. Und das mit zwölf höchst eingängigen Popsongs, die federleicht euphorisieren und tiefgründig nachschwingen. Bereits der Titel zeugt von der klugen Poesie dieses super sympathischen Vierers: „Zwischen all dem Lärm“.

„Lärm muss ja nichts Negatives sein“, sagt Sophia Poppensieker, Gitarristin und Songschreiberin bei Tonbandgerät. „Zwischen all dem Lärm“, das habe für sie etwas Schwebendes. Im Transit. Von der Freibadwiese der Kindheit über Korn und Brause als Teenager bis zu der erwachsenen Erkenntnis: „Tschüs Karriereleiter / ich nehm die Graustufen.“

Songs wie „Beckenrand“ und „Blau“ erklingen optimistisch und motivierend. „Für die, die bleiben“ schlägt auch mal nachdenklichere Töne an. In „Reisegruppe Angst und Bange“ wird Ole Spechts warmer, nahbarer Gesang kontrastiert mit der Wutstimme von Turbostaat-Sänger Jan Windmeier. Die Band ist Fan der Flensburger Punkrocker und hoch beglückt über die Kooperation. Das Ergebnis ist eine zart-brachiale Nummer mit Bombastgitarren.

Song für Song erlebt der Hörer, wie jede Veränderung ihr eigenes Tempo hat: Ein Aufbruch braucht Anlauf, eine Liebe schleicht sich heraus. Und dann sind da noch jene, die einfach in einem anderem Takt leben. „Tourist“ handelt von einer Frau, die das Flüchtige feiert. Wenn alle ausrasten, aber die innere Konfettikanone nicht zünden will – von diesem Gefühl erzählt „Der Letzte der Nacht“: Textzeilen wie „Und die Laternen gehen aus / ich geh‘ auf Scherben nach Haus“ können das Gefühl nach dem Konzertende perfekt vorwegnehmen. Vermutlich der perfekte Rausschmeißer für die Tour, die im Oktober startet.

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Letzte Aktualisierung am 13.07.2018 um 17:03 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API