Antje Schomaker im ExHaus Trier – Summen fürs Immunsystem und gegen Hass

Photo credit: LIA
DATUM» 17.10.2018
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Der deutsche Pophimmel ist momentan voller Sterne und mit Antje Schomaker ist ein weiterer dazu gekommen. Ihr Debüt „Von Helden und Halunken“ hört sich an, als sei sie schon ein alter Hase im Geschäft. Das liegt vermutlich daran, dass die Songs über viele Jahre hinweg entstanden sind. Und es ist ein Genuss ihr zuzuhören. Antje singt unaufgeregt und doch emotional. Ihre bisweilen lapidar wirkende Stimme hört sich an wie das weibliche Gegenstück zu AnnenMayKantereit.

Am 17.10.2018 war sie im ExHaus Trier zu Gast. Und es war nicht einmal ihr erster Auftritt in Deutschlands ältester Stadt. Im Sommer war sie schon als Support von Amy Macdonald am Start und hat damit sowohl die Herzen der Zuschauer erobert als auch das Feld für den Herbst-Gig bereitet.

Gut 60 Leute hatten den Weg in den Balkensaal gefunden. Das war nicht die Welt, aber gemessen an Antjes (noch) nicht sehr hohem Bekanntheitsgrad eine ganze Menge für das Trierer Kulturzentrum. Und den Anwesenden wurde ein unvergessliches Konzerterlebnis geboten – voller intimer Momente und mit einer musikalischen Lebensfreude, die sich selten findet.

Antje Schomaker sang in den 90 Minuten vor allem Stücke ihres Debüts, hatte aber auch einige neue Songs zu bieten. Um zu erkennen, was ihr die Tour bedeutet, reichte ein Gang an den Merchandise. Da gab es mit Sinnsprüchen handbestickte Wandtapeten als Poster („Wenn ihr die Idee habt, so etwas auch mal zu machen – lasst es“, lachte Antje dazu) und Armbänder aus Buchstabenwürfeln, welche die Worte „Heldin“ oder „Halunke“ ergaben („Und da sitze ich so im Tourbus und denke, wer hatte diese bescheuerte Idee. Ach ja – ich.“).

Da gab es schon zu Beginn den wundervollen Song „Gotham City“, der gegen die Glorifizierung einer Beziehung angeht: „Du bist nicht Batman und ich bin nicht Gotham City“. Ein ganz neuer Song heißt „Auf beiden Augen Herbst“ und setzt die Melancholie in Gegensatz zur Fröhlichkeit des Sommers. „An und für dich“ sang Antje ganz allein am Piano. Und für „Heute und in 100 Jahren“ begab sie sich ganz allein mit Gitarre mitten unters Publikum und interpretierte den Song ohne Mikro für die Umstehenden. Was für ein magischer und unglaublich schöner Moment – sie drehte sich und jeder konnte für Momente Blickkontakt aufnehmen.

Antje brachte die Menschen dazu, mit ihr zu summen. Denn das sei gut fürs Immunsystem und gut gegen Fremdenhass, konnte sie glaubwürdig vermitteln. Und wer bis zu diesem Augenblick noch zweifelte, ob er hier ein 08/15-Konzert einer Mainstream-Pop-Künstlerin oder etwas ganz Besonders erlebte, konnte nun sicher sein: Das sind die Momente, deretwegen wir Konzerte besuchen.

Antje hatte eine formidable Band dabei, die je nach Erfordernis sehr atmosphärische Klänge schaffen konnte. Falls nötig auch mit elektronischen Elementen, die aber nie zum Selbstzweck verkamen sondern immer songdienlich waren. „Mein Herz braucht eine Pause“ gab es – und „Glanz und Gloria“ als Lied über Freundschaft, das Antje dem Drummer widmete, der just am Tag Geburtstag hatte.

Freunde werden ohnehin gern mit Songideen bedacht. „Irgendwohin“ wurde mit einer Roadmovie-Geschichte um die beste Freundin eingeleitet. Man war spontan ans Meer gefahren, aber dort hat es geregnet. Nicht jedes Roadmovie hat ein Happy End. Noch emotionaler wurde es mit „Auf und Davon“, gewidmet einer Freundin, die an Depressionen litt. Und dann gab es dieses herzzerreißende „Du löst dich auf“, das von einem kürzlich verstorbenen Freund handelte. Es gehört schon viel Mut dazu, sich liebe Menschen unter der Erde vorzustellen und auch noch so bildlich von dem Auflösungsprozess zu singen. Antje hatte darum gebeten, diesen intimen Titel nicht zu filmen, woran sich auch jeder hielt. Und sie verschwand kurz von der Bühne, vermutlich um einmal tief Luft zu holen, bevor mit dem fröhlichen „Aller guten Dinge sind wir“ das Konzertende eingeläutet wurde.

Ganz zum Abschluss gab es mit „Bis mich jemand findet“ einen tanzbaren Abschluss – und am Merchandise ein Bad in der Menge. Antje Schomaker hat in Trier einen klasse Job gemacht. Ich bin überzeugt, dass wir noch viel von ihr hören werden. Ihr Duett mit Johannes Strate (Revolverheld) läuft erfolgreich im Radio, das Debütalbum sollte sich jeder Freund guter poetischer Popmusik schleunigst zulegen und: Besucht ihre Konzerte! Es lohnt sich definitiv.

Foto: LIA

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