Vivie Ann: ein Album zwischen Ankommen und Fortgehen

VERÖFFENTLICHUNG» 15.03.2019
BEWERTUNG» 8 / 9
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Die Wahl-Hamburgerin hat es schon auf ihrem Debüt verstanden, atmosphärische Songs zu schaffen, die in keine Schublade passen. Pop, Folk, Indie, Rock und orchestrale Anwandlungen verbinden sich zu einer eigenständigen Melange, die zu keinem Zeitpunkt langweilig wird.

Ein Leben, das allzu geradlinig verläuft, taugt nicht für gute Geschichten. Darum dürfen wir uns wohl glücklich schätzen, dass bei Vivie Ann eigentlich immer alles drunter und drüber geht. „When The Harbour Becomes The Sea“ heißt die Essenz, die sie aus dem Chaos ihres Lebens destilliert hat. Es geht darin genau um diese turbulenten Momente – wenn der sichere Hafen zur stürmischen See wird, der feste Boden unter den Füßen zu tobenden Wellen und endloser Tiefe.

Als Tochter zweier Musiker hat die 27jährige Singer/Songwriterin schon einiges erlebt. Es heißt, sie habe schon als Kind backstage im Keyboard-Case geschlafen, während ihr Vater auf der Bühne stand. Um ihre Unabhängigkeit zu wahren, sammelt Vivie Ann das Geld für ihre Produktionen per Crowdfunding – und auch beim zweiten Album hält sie alle Fäden in der Hand.

Der Opener „Cold Water“ erzählt von genau so einem oben erwähnten Hafen-Sturm-Moment. Nach der melancholischen Strophe bricht der Refrain mit unerwarteter Euphorie hervor. „I’d do it all again, I’d do it all again“ singt der Chor und dieses Motto zieht sich weiter durch das Album. Auch in „Obsolete Majesty“, „Anytime“ und „Glow“ erzählt Vivie Ann kleine Dramen aus ihrem verworrenen Leben – jedoch immer mit einer selbstbewussten Attitüde.  Als hätte sie sich auf die Fahne geschrieben, ja zu sagen zu all dem Chaos, den kleinen und großen Kapriolen des Schicksals, der manchmal schmerzhaften Überemotionalität.

So pendelt das Album zwischen leisen, intimen Momenten und wilden, explosiven Ausbrüchen, manchmal sogar innerhalb des selben Songs („Windmills“). Dass Vivie eine große Stimme hat, zeigt sie spätestens in „Loverboy“, einem Song der durchaus auch als Bewerbung für den nächsten Bond-Song aufgefasst werden könnte. Auf dem abschließenden „No End“ mündet schließlich alles in einem großen E-Gitarren Chaos. Aber Chaos ist ja die beste Inspiration.

Zwischen Pop und Rock schafft die Künstlerin eine jederzeit wundervolle Atmosphäre. Dazu passt auch das Cover, das den Moment des stürmischen Aufbruchs aus der Ruhe heraus perfekt einfängt. Es ist Vivie Ann augenscheinlich ein Anliegen, ihre Alben zu Gesamtkunstwerken zu machen und dem Format eine neue Bedeutung zu geben. Das ist ihr hervorragend gelungen: Nicht der einzelne Song zählt, sondern das Zusammenspiel.

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When the Harbour Becomes the Sea
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When the Harbour Becomes the Sea
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Letzte Aktualisierung am 13.01.2019 um 14:50 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API