Hamburger Synthie-Pop passend zum Herzschlag – DEVE im Interview

"Wenn ich über das allgemeine Künstlerdasein spreche, ist Hamburg eine der wichtigsten Musikstädte in Deutschland."

DATUM» 12.04.2019
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Hamburger, Liedermacher, Kind der 80er – DEVE hat viele Gesichter. Tourte der Musiker damals noch mit Bandanhang durch die Clubs in Deutschland, hat er sich nun quasi selbständig. Mit „Du.Alles“ bringt DEVE nun seine erste EP heraus. Die kann sich durchaus hören lassen. Im Interview erzählt er MHQ-Redakteur Marc Brüser, wie es zur Entstehungsgeschichte kam und warum er dankbar für Artikel 13 ist.

Du machst ja schon seit einigen Jahren Musik. Wie kam es zur Idee deines neuesten Projekts? Und wie war der Entstehungsprozess zu deiner EP

DEVE: Ich mach den musikalischen Teil zusammen mit meinem Produzenten aus Wiesbaden, Niklas Kleber, nun seit anderthalb Jahren. Das war halt alles sehr sessionbasiert. Für mich ist diese Kollaboration eine Art Neustart, davor war ich viele Jahre als Singer/Songwriter aktiv.

Wie lange hast du das gemacht?

DEVE: Seit 2005. Das ging mit Anfang 20 los in verschiedensten Projekten: Mal solo, mal mit Band. Aber so richtig umsatzstark war das nie, deshalb konnte man das nie so richtig weiterführen, wie man es gerne gehabt hätte. Daher habe ich dann 2015 für mich entschieden einen Neustart zu machen. Der ist dann schließlich in diesem Projekt gemündet.

Ich habe bereits deine Single „Jedesmal“ gehört, wo wirklich unzählige Anspieler an das Jahrzehnt versteckt waren. Allen voran das Cover mit dem DeLorean vorne drauf.

DEVE: Nicht nur vorne drauf. Im Musikvideo auch mitten drin.

Welchen Einfluss hatten die 80er auf dich?

DEVE: Insgesamt war es einfach ein sehr prägendes Jahrzehnt, schließlich bin ich auch Anfang der 80er geboren. Hinsichtlich der Künstler könnte ich Michael Jackson oder Prince jetzt nennen. Dazu sind wahnsinnig viele Genres entstanden. Natürlich war auch viel Schrott mit dabei, aber die Innovation war wirklich durchweg präsent, gerade auch in der deutschen Musik. Den Sound hörst du auf jeden Fall auf der EP heraus.

Ist für die EP bereits eine Tour geplant?

DEVE: Eine Tour haben wir noch nicht geplant. Wir wollen die Reaktionen erst einmal abwarten und danach kann man immer noch weiter schauen.

Welchen Song würdest du denn einer Person empfehlen, die dich noch nie gehört hat?

DEVE: Puh,..schwierige Frage. Es kommt wohl sehr auf die Person an. Dir würde ich zum Beispiel „Wenn es regnet“ empfehlen. Der Sound ist halt klassischer Elektro Pop, obwohl ich es selbst nicht so gerne hab in Schubladen zu denken. Der Sound ist stark geprägt von Niklas, aber die Texte kommen von mir. Es ist eine Symbiose von uns beiden.

Du bist ursprünglich aus Hamburg. Hat dich die Stadt bei der Produktion der vier Songs auch mit beeinflusst?

DEVE: Es ist richtig, dass ich aus dem Großraum Altona komme und die Stadt  mch schon sehr geprägt hat. Bei der Produktion von der EP muss ich aber sagen hatte Hamburg eher eine sekundäre Rolle. Ich war dafür ja schließlich bei Niklas in Hessen. Wenn ich aber über das allgemeine Künstlerdasein spreche, ist Hamburg selbstverständlich eine der wichtigsten Musikstädte in Deutschland. Hier hast du einige größere, aber auch viele kleinere Möglichkeiten zu spielen. Einen meiner ersten Gigs hatte ich zum Beispiel im Knust, sehr empfehlenswerter Laden. Mein größtes Konzert war auf dem Heiligen Geist Feld auf St. Pauli, wo ich auf einer Demo mit meiner Band gespielt. Das war mega. Da standen locker 10.000 Leute vor unserer Bühne. Aber das DEVE Projekt ist nicht so durch Hamburg geprägt. Chima, den du auf dem Song „Wir können alles sein“ hörst ist Frankfurter, auch ich habe hessische Wurzeln. Branchentechnisch ist es hier natürlich interessant für Künstler, obwohl Berlin da noch etwas größer ist.

Wie habt ihr denn die Vermarktung vorangetrieben? Seid ihr gesignt bei einem Label?

DEVE: Klar, das Label nennt sich „das Kombinat“ und ist ansässig in Hamburg. Ich bin immer noch davon überzeugt, dass es gut ist ein Label im Rücken zu haben. Heutzutage ist es ja auch nicht unwichtig deine Produktionskosten im Hinterkopf zu behalten. Zum Beispiel ob man wirklich 2000 CDs produzieren will oder über Vinyl überhaupt nachdenken sollte?

Wenn du jetzt zum Beispiel Influencer siehst, die teilweise eine Pizza backen und dadurch mehr Aufrufe bekommen als manches Musikvideo. Meinst du, dass man dann umdenken müsste?

DEVE: Hinsichtlich der Plattformen habe ich mir bereits alles eingerichtet, inklusive Instagram Seite. Obwohl ich da immer etwas hin und hergerissen. Man will eigentlich nur seine Musik teilen und trotzdem sich gleichzeitig auch präsentieren. Da trenne ich Privates von Beruflichem/Musikalischem. Das Absurde ist, dass ich das immer mehr das Gefühl bekomme, dass die Leute eher wissen wollen, wie’s bei dir zuhause aussieht. Nicht umsonst sind Klatschseiten voll mit privaten Urlaubsbildern. Ich bin der Meinung, dass das bei der Musik vollkommen egal ist. Aber klar, wenn du ein Influencer bist, kannst du die Leute auch mit an die Kasse mitnehmen. Bernhard Hoecker hat das einmal hervorragend bei „Zimmer frei“ begründet, warum er zum Beispiel bei Social Media sehr bewusst nur sich zeigt. Er will einfach seine Familie außen vorhalten, da sie nicht in der Öffentlichkeit stehen und dementsprechend auch nicht in Szene gesetzt werden sollen.

Der Umgang mit sozialen Medien unterscheidet sich natürlich sehr stark auch noch einmal im jeweiligen Land. Deutsche sind was den Datenschutz generell angeht sehr vorsichtig habe ich das Gefühl. Wie stehst du eigentlich persönlich zu Artikel 13?

DEVE: Ich bin persönlich sehr dankbar für die Entscheidung und sehe Uploadfilter hierbei weniger problematisch. Das Urheberrecht eines Künstlers muss geschützt werden. Wenn man die ganze Sache genauer betrachtet, geht es vielmehr darum, dass große Konzerne wie Google und Facebook mit der Musik von anderen einen riesen Umsatz machen und nichts davon abgeben. Meiner Meinung nach waren die Demos reine Panikmache. Die Leute haben da tatsächlich für große Konzerne demonstriert. Dabei sollen diese Unternehmen auch eine Verantwortung übernehmen und Künstler entsprechend entschädigen. Die momentane Situation ist auf jeden Fall verbesserungswürdig.

Vielen Dank für das Interview!

DEVEs nächster Gig findet am 14.04.2019 Mojo Jazzcafé, Hamburg.

Ein großer Dank geht auch an Jascha Farhangi, der das Interview ermöglicht hat!