The Cranberries – was am Ende übrig bleibt

VERÖFFENTLICHUNG» 26.04.2019
BEWERTUNG» 9 / 9
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Posthume Veröffentlichungen waren für mich bisher immer ein Greuel. Klar, man freut sich über neue Musik des geliebten Künstlers, aber wenn ich an die musikalische Resteverwertung bei Stars wie Freddie Mercury oder Michael Jackson denke, stellen sich am Ende doch irgendwie die Fußnägel hoch. Nicht jedoch bei The Cranberries. Was diese Band nach dem allzu plötzlichen Tod von Dolores O’Riordan geschafft hat, ist ein absolut vollwertiges und hervorragendes Album. Mehr als das: Es ist das grandiose Vermächtnis einer Ausnahme-Frontfrau.

Die Entstehungsgeschichte von „In The End“ begann bereits im Mai 2017, während die Band sich auf Tournee befand. Bis zum Winter 2017 hatten Noel und Dolores an den Demoversionen der Songs gearbeitet, die heute auf dem Album zu hören sind. „Dolores zog ihre ganze Kraft aus der Aussicht, dieses Album zu machen und wieder auf Tour zu gehen, um die Songs live zu spielen“, blickt Noel zurück. Um ihren Tod besser verarbeiten zu können, beschäftigten sich Noel, Mike und Fergal noch einmal mit den Liedern und entschieden gemeinsam mit Dolores´ Familie, ihrer guten Freundin mit der Fertigstellung des Albums ein Denkmal zu setzen.

„All Over Now“ eröffnet das Album als schnelle Nummer mit typisch rockiger Ausrichtung, prägnanten Gitarren und einer Dolores, deren Stimme zum Niederknien schön klingt. Daran schließt sich das melancholische „Lost“ an und ich habe schon beim ersten Hören Tränen in den Augen. Was die Produzenten aus diesen Demo-Aufnahmen raus geholt haben, ist eine Wucht.

„Wir waren uns darüber im Klaren, dass es eines der besten – wenn nicht sogar das beste – Cranberries-Album werden müsste, das in unseren Kräften stand“, sagt Gitarrist Noel Hogan dazu. „Wir hatten die Sorge, dass wir durch ein mittelmäßiges Album unser Vermächtnis beschädigen könnten. Doch als wir uns gemeinsam durch all die Demos hörten, die Dolores und ich aufgenommen hatten, erkannten wir, dass wir ein unglaublich starkes Album vor uns hatten. Die beste und einzig richtige Art, Dolores zu ehren.“

Was bleibt ist pure Emotion. Der Riff von „Wake Me Up When It’s Over“ erinnert an den großen Hit „Zombie“ und klingt stellenweise wie eine Hommage an diesen Übersong. Mit dem sanften „A Place I Know“ und den Pianoklängen von „Catch Me If You Can“ bleibt es ruhig und zart. Die zerbrechlichen Vocals kommen manchmal wie aus dem Off und bringen wahre Gänsehautmomente mit, sind aber zugleich gespickt mit emotionalen Ausbrüchen.

Es bleibt aber nicht alles traurig und sentimental. „Got It“ birgt als Uptempo-Nummer einige fröhliche Momente und „Crazy Heart“ treibt deutlich nach vorne. Ganz akustisch und in sich versunken präsentiert Dolores „Illusions“ und „Summer Song“. „The Pressure“ kehrt ihr Inneres nach außen und der Abschluss „In The End“ könnte nicht treffender für das Album sein, dass mit 43 Minuten in respektabler Länge, aber dennoch viel zu kurz ausfällt. Der abrupte Schluss dieses Songs ist dabei mehr als bezeichnend. Man möchte einfach mehr hören und sich an dem neuen Material erfreuen.

„Something Else“ aus dem Jahr 2017 enthielt nur drei neue Songs und „Roses“ ist schon über sieben Jahre alt. Wär hätte gedacht, dass wir nach dieser langen Zeit noch ein vollwertiges Album der Band zu hören bekommen, das vor allem ganz in der Tradition ihrer größten Werke steht? Es ist ein Jammer, dass Dolores mit diesen Songs nicht mehr auf Tour gehen kann. Sie hätte ihre wahre Freude damit gehabt und ein begeistertes Publikum zurückgelassen.

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Letzte Aktualisierung am 20.01.2019 um 18:03 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API