Ein Folk-König ohne Krone – Dave Hause im Scala, London 10.05.2019

DATUM» 10.05.2019
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Dave Hause, ehemaliger Sänger der Punkband „The Loved Ones“, hat alle musikalischen Herausforderungen stets angenommen und mit musikalischer Meisterhaftigkeit bestanden – von Band Break-ups bis hin zu Schwierigkeiten bei seiner Solo-Karriere. Jedoch Vater von Zwillingen zu sein, war laut ihm seine größte Aufgabe. Grinsend kratzt er sich am Kopf, als er erzählt, wie er hier in Großbritannien den Anruf erhielt, dass seine Familie doppelten Zuwachs bekommt.

Das Londoner Scala Theater, nahe dem King’s Cross Bahnhof, ist an diesem Abend sehr gut gefüllt. Gut 600 Leute passen in dieses altehrwürdige Theater, das ein wunderbar alt-rustikales Ambiente für den heutigen Abend bietet. Um 20:30 Uhr kommen ohne weitere Ankündigungen Hause und seine Gefolgsleute auf die Bühne und läuten das Konzert mit The Ditch ein. Ein wunderschönes Intro könnte man meinen, wäre da nicht Daves immer wieder abrupt abbrechender Gitarrensound. Nach gut einer Minute wendet sich Hause zögernd von der Menge ab, um sich seinem Amp, Marke Orange, zuzuwenden.

„If we were in Germany right now, I’d have at least three tech guys around me to fix this problem!“ Zu blöd, dass im Vereinigten Königreich darauf verzichtet wird. So dauert es einige Minuten, bis Hause seine Gitarre wieder zum Laufen bringt.

Seine neue, alte Band „The Mermaid“ steht der musikalischen Untermalung unglaublich gut zu Gesicht. Seit „Bury Me in Philly“ begleitet ihn die Gitarre, Bass, Keyboard und Schlagzeug auf seinen Tourneen durch die USA sowie Europa und geben seinen Shows das gewisse Etwas. Gerade bei schnellem Up-Tempo Nummern wie Autism Vaccsim Blues kann Daves Bruder Tim sein Gitarren-Skills auspacken und mit einem wunderschönen Solo glänzen.

Dem ehemaligen Frontmann von „The Loved Ones“ kann an diesem Abend nichts die Laune verderben: Immer wieder bedankt sich Hause artig bei den Londonern und beteuert mehrmals seine Liebe zu der Stadt. Cmon Kid und With You runden das Main-Set nach gut einer Stunde ab, bevor es zum Verschnaufen kurz von der Bühne geht.

Der musikalische Höhepunkt bietet We Could Be Kings, welcher aus mehreren hundert Kehlen und Fäusten untermalt wird. Der Song, der die guten, alten Hätte-Wäre-Wenn-Momente aufarbeitet, hat immer wieder etwas Magisches an sich.  Nach 80 Minuten Dauergrinsen beendet ein sichtlich ermüdeter Hause das Konzert und bedankt sich noch einmal artig bei seinen Fans. Viel besser kann man einen Freitagabend in London nicht einläuten.