Evan Freyer: „Verpixelt“ – Zwischen Rock’n’Roll und Spießertum

VERÖFFENTLICHUNG» 30.03.2019
BEWERTUNG» 7 / 9
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Über Umwege hat uns noch ein spannender Deutschrock-Release erreicht, der bereits im März erschienen ist. Evan Freyer ist ein Singer / Songwriter auf Wuppertal – schon lange aktiv, aber in den Medien noch nicht so präsent. Die Finanzierung seiner Veröffentlichungen läuft in der Regel über Crowdfunding – das garantiert seine künstlerische Freiheit. Im Juni 2008 wurde die EP mit dem Titel „Mistakes Included“ veröffentlicht, die mittlerweile ausverkauft ist. Mit drei kostenlosen Songs enterte Freyer im Dezember 2008 wochenlang die mp3.de-Pop-Charts. 2010 hat er mit „Anker“ das ebenfalls ausverkaufte Debütalbum über das Duisburger Label Happy Man Records veröffentlicht.

Seitdem konnte er über 200 Auftritte in ganz Deutschland absolvieren. Die Single „Server-Restart“ wurde 2012 bei WDR 2 gespielt, gewann bei der Sendung Musikclub Szene NRW und knackte 2012 nicht nur die Top-40 der Tages-Alternative-Charts, sondern wurde bei Amazon darüber hinaus auch zum Aufsteiger des Tages gewählt. Im Oktober 2013 erschien das Album „F“, welches durch eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne mitfinanziert wurde. Ebenfalls mit der Hilfe seiner Fans ist das dritte Album „Verpixelt“ erschienen, welches nicht nur auf CD, sondern auch auf Schallplatte verfügbar ist.

„Verpixelt“ ist ein gewohnt rockiges Album wischen Rock’n’Roll und Spießertum, zwischen Ängstlichkeit und Hochmut, zwischen den Höhen und Tiefen des Bergischen Landes, zwischen Sommer- und Winterzeit, zwischen analoger und digitaler Welt. Und so setzt das neue Album des Wuppertaler Singer-Songwriters bewusst Kontrapunkte, um nicht nur die Welt, sondern auch die Gefühle des Individuums mit all ihren Irrungen und Wirrungen zu beschreiben.

Das fängt mit dem Opener „Prost“ an, in dem es nicht nur um das Feiern geht, sondern auch um den Verlust des eigenen Wegs und wie man ihn wiederfindet. „Digitaler Held“ beleuchtet die positiven Seiten wie auch die schmerzhaften Konsequenzen, die die Anonymität des Internets mit sich bringen kann, und „Weißes Rauschen“, ein Song im klassischen Freyer-Pop-Rock-Gewand, verbreitet hoffnungsvollen Optimismus in einer immer lauter werdenden Welt.

Freyer scheut wie immer auch nicht die politischen Themen. „Ongida“ ist eine leider immer noch aktuelle Persiflage der ach-so-friedlichen Bewegung der besorgten Bürger, „Irrlicht“ begleitet die Geschichte eines vom Geltungsdrang verfolgten Protagonisten auf seinem Weg in den radikalen Islamismus. Auf der anderen Seite der Geltungsdrang-Skala steht mit „Der Geilste“ eine Selbstbeweihräucherung der ersten Güte. Am Ende geht der Blick mit der Wuppertal-Hymne „Im Tal“ dann wieder weg vom Globalen und hin zu der Schönheit und Hässlichkeit des Bergischen Landes.

Sehr stark finde ich Evans hohe Vocals, die sehr an Farin Urlaub erinnern. Wie immer wird der Musiker von Martin Zang am Schlagzeug und Moritz Jentsch am Bass unterstützt. Andreas Ahrens hat wieder das Design für das Album-Artwork übernommen. Eine Premiere für den Wuppertaler Musiker war dagegen der Gang ins Studio, wo er sich die Dienste von Marc Sokal von Carousel Productions sicherte. Dieser hatte zuvor bereits mit Henrik Freischlader zusammengearbeitet. Mix und Mastering entstanden diesmal ebenfalls nicht in Eigenregie, sondern wurden von Jan David Engel sowie Daniel Schmidt übernommen. So entstand ein runder und komplexer Sound und das bisher bestklingendste Album von Evan Freyer.

Auf Evans Bandcamp-Kanal ist das Album übrigens auf Vinyl erhältlich: https://evanfreyer.bandcamp.com 

Unsere Evan Freyer Empfehlung

Verpixelt
  • Happy Man Records
  • MP3-Download

Letzte Aktualisierung am 16.08.2019 um 16:41 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API