Peter Maffay zum 70. Geburtstag: Zwischen Vergangenheit und „Jetzt!“

VERÖFFENTLICHUNG» 30.08.2019
BEWERTUNG» 9 / 9
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Den 30. August 2019 haben sich vermutlich viele Fans dick im Kalender angestrichen: Ihr musikalisches Idol feiert heute seinen 70. Geburtstag! Zugleich steht das 50jährige Bühnenjubiläum an, denn mit „Du“ erschien im Januar 1970 die erste Single unter eigenem (Künstler-)Namen. Und in Form von „Jetzt!“ ist ab heute das 26. Studioalbum in den Läden.

Grund genug, zu feiern. Und natürlich stand Maffay um Mitternacht auf der Bühne. Glückliche Fans durften live in der Berliner Columbiahalle dabei sein, andere wählten den Weg über Magenta Livestream oder eines der vielen Kinos, die das Event zeitgleich auf die große Leinwand übertrugen. Ich fand mich auf Einladung von Sony Music im Cinemaxx Trier ein und wurde nicht enttäuscht: Peter und Band stellten das Album in voller Länge vor und feierten eine ordentliche Party. Zuvor gab es eine 30minütige Doku über Maffays Karriere.

Und was erwartet uns an neuer Musik? Auf jeden Fall ein Album voller Kracher. Man hat sich bewusst gegen eine „Werkschau zum Jubiläum“ entschieden. Stattdessen Brandneues mit Musik von Maffays kongenialen Bandkollegen und mit Texten von Johannes Falk, Johannes Oerding (der allein fünf Titel mit Lyrics versehen hat) und Benjamin Dernhoff. „Wir wollten nichts wiederholen und nichts recyceln, sondern zeigen, dass wir den Hintern noch bewegen können.“ So begründet Peter Maffay, dass er und seine Band zum 50. Bühnenjubiläum ein neues Studioalbum herausbringen – und damit das erste seit fünf Jahren.

„Jetzt!“ haut genau da rein, wo „Ewig“ und „Wenn das so ist“ aufgehört haben. Aber es bietet einen Tick mehr, denn Maffay hat viel Autobiographisches mit rein gebracht. Philosophische Gedanken zu Vergangenheit und Gegenwart, Texte über Optimismus, Zusammenhalt und die höhere Instanz.

Das ruhige Intro „1000 Wege“ – als Ouvertüre angelegt – zeigt Maffay als kleines Kind in Rumänien, das in die ungewisse Zukunft blickt. Dieser Song wird zum Abschluss in zwei Texten wieder aufgenommen: Maffay zeichnet ein Bild von einem sich schließenden Kreis und einer Linie, die durch den Kreis durch und darüber hinaus geht. Das steht sinnbildlich für seine Situation: „So schließt sich der Kreis“ ist ein akustischer Rocksong, der fast für sein Karriere-Ende stehen könnte, wäre da nicht der letzte Song „1000 Wege“, der deutlich in die Zukunft weist. Ein Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft also.

Das zieht sich durch alle Texte und macht „Jetzt!“ zu einem Konzeptalbum. Der Titelsong ist ebenso rockig gehalten wie das anklagende „Morgen“ gegen rechtspopulistische Strömungen und das Mottolied „Luft und Liebe“. Alles klingt so straight forward und abrockend, wie wie uns Maffay mit seinen Mitstreitern seit Jahrzehnten wünschen. Selbst „100.000 Stunden“ als Lovesong wird schlussendlich zur Rockballade. „Alles von mir“ hingegen funktioniert nach akustischem Start als zärtliches Liebeslied und „Nur einmal hier“ beschwört das intensive Leben.

Pascal Kravetz hat die Ballade „Wenn du wieder kommst“ beigetragen mit schöner Pianomelodie und luftigem Cello. Im Background ist Linda Teodosiu ebenso dabei wie der smarte Leon Taylor. Beim Konzert durfte Johannes Falk seinen Song „Kopf hoch“ selbst mit interpretieren und in Zugabenblock war Johannes Oerding für die Wiederholung von „Jetzt!“ mit dabei.

Überhaupt wurde in Berlin ordentlich abgefeiert und das Gefühl des Dabeiseins erreichte auch die Kinozuschauer. Pünktlich um Mitternacht machte das Publikum seinen Star mit Tausenden von Geburtstagsherzen sprachlos. Zuvor hatte dieser seine Liebe zu den Fans in der fabelhaften Hymne „Für immer jung“ besungen, die zum einen aus Songtiteln aus Maffays Karriere besteht und zum anderen so eingängig ist, dass zwei Reprisen nötig waren, um den Mitsingchor zu beenden.

Peter Maffay hat es mal wieder geschafft: Er steht mit 70 locker wie ein Jungspund auf der Bühne (naja – zumindest als sei er 20 Jahre jünger) und das aktuelle Album gehört vielleicht zu den Besten seiner Diskographie. Wir wissen, dass er sich nicht auf der Vergangenheit ausruht und seine Konzerte alles andere als „Best of“ Setlists bieten. Stattdessen wird es vermutlich das neue Album komplett geben – welcher Künstler kann sich das heutzutage noch erlauben? Maffay kann’s. Mit Recht!

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Letzte Aktualisierung am 10.05.2019 um 17:42 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API