Michelle in der Europahalle Trier – ein Heiratsantrag für Susi

Photo credit: Julia Nemesheimer
DATUM» 22.09.2019
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Seit 28 Jahren schon hält Michelle die Fahne des deutschen Schlagers hoch. Ihr Fankreis ist immer noch groß – das zeigte sie im Frühjahr beim großen Schlagerfest in der Arena Trier und gestern in der (zwar kleineren aber stimmungsmäßig besseren) Europahalle. Präsentiert wurde das aktuelle Album „Tabu“, das schon im vergangenen Jahr erschienen ist. „Der Albumtitel passt perfekt zu dem, was ich heute bin und schon immer war. In den Augen anderer habe ich von Anfang an vermeintliche Tabus gebrochen. Für mich ist dieser Begriff nur ein anderes Wort für Ehrlichkeit, für Aufrichtigkeit.“ Mit diesen Worten leitete sie das Konzert ein und es ging gleich in die Vollen.

Eine große Leinwand und vier Tänzer beherrschten gemeinsam mit der Sängerin das Bühnenbild. Die Liveband war zu Beginn noch komplett im Hintergrund versteckt und sollte auch fast den ganzen Abend ein Schattendasein fristen – meist hinter den schwenkbaren Leinwänden. Bereits beim zweiten Song („Tabu“) wurde aus dem Sitzkonzert ein Stehkonzert. Kinder stürmten auf die Plätze vor der Bühne und Michelle lud gleich alle Zuschauer ein, nach vorne zu kommen, was eine kleine Völkerwanderung auslöste. Grenzwertig war das schon bei den gestaffelten Sitzplatzpreisen. Und es dauerte auch nicht lange, bis eine betagte Dame aus der dritten Reihe sich massiv wegen der Sichtbehinderung beschwerte. Letztlich stieg sie selbst auf ihren Stuhl – man konnte sehen: Es gibt für alles eine Lösung.

Die bestens gelaunte Künstlerin präsentierte sowohl geliebte Klassiker ihrer musikalischen Karriere, als auch neue Songs aus ihrem aktuellen Album. Michelle ließ den Zuschauern dabei keinen Moment Zeit, daran zu zweifeln, dass sie ein Powerpaket voller Lebensfreude und Leidenschaft ist. Auch die Tanztruppe hatte sichtlich Spaß und Michelle machte viele sportlichen Einlagen artistisch mit.

Foto: Julia Nemesheimer

Das Töchterchen Mia wurde per Videobotschaft eingespielt und Michelle widmete ihr das Lied „Kleine Prinzessin“. Dazu lud sie kurzerhand alle Kinder aus dem Saal ein, zu ihr auf die Bühne zu kommen und den Song ganz nah mit ihr zu erleben. Den Titel „Hallo Tanja“ widmete Michelle ihrem „alter ego“ Tanja Gisela Hewer, so heißt die Sängerin nämlich mit bürgerlichem Namen, und beschrieb die zwei Seiten ihrer Persönlichkeit. Ein sehr nachdenkliches und ehrliches Lied. Zu „Traumtänzerball“ gab es eine Tanzeinlage zwischen Swing und Charleston – auch recht spannend im Schlagermetier.

Nach einer Stunde Konzertlänge gab es 25 Minuten Pause. Songs, wie „Ich tanz dich einfach weg“ und „In 80 Küssen um die Welt“ ließen das Publikum im Anschluss direkt wieder mitgehen. Nachdenklich und autobiographisch wurde es mit „Die Flügel meiner Ma“. Michelle sparte das Thema Tod nicht aus und lieferte dazu eine Pianoballade ohne jeglichen Schnickschnack, bei der man die stimmliche Stärke der Sängerin deutlich miterleben durfte. Für ältere Stücke wie „Erste Sehnsucht“ wurden akustische Arrangements in trauter Musikerrunde geschaffen.

Ein Highlight für manche Anwesende war sicher der Heiratsantrag, den der Zuschauer Kai für „seine Susi“ als Überraschung von der Bühne aus machen durfte. Zur allgemeinen Freude rief sie ein enthusiastisches „Ja“ in die Menge. Da das Konzert bereits zur schlagerfreundlichen Uhrzeit (18.00) gestartet war, stieg ab 20 Uhr die Mitsingdichte des Repertoires deutlich an. Es gab „Idiot“ aus der Zuschauermenge und für „Er hat dich nicht verdient“ wurde als Duettpartner Michelles Ex Matthias Reim per Video eingespielt. Das Publikum stimmte mit „Oh wie ist das schön“ seinen eigenen Chor an, bevor sich der Abend mit „Wenn ich was gelernt hab“ und „Paris“ dem Ende zuneigte.

Foto: Julia Nemesheimer

Nach mehreren Kostümwechseln, zweieinhalb Stunden Show voller Energie, aber auch mit nachdenklichen und romantischen Momenten, bedankten sich eine sichtlich gerührte Künstlerin und ihre Band beim Publikum. Symbolisch schminkte Michelle sich noch auf der Bühne ab, um als letzten Song für ihre Fans „Es gibt dich“ zu singen.

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Tabu
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