Gloomaar Festival 2019: (Post-)Rock & more

Zum dritten Mal fand in diesem Jahr das Gloomaar Festival in der neuen Gebläsehalle in Neunkirchen/Saar statt und die Organisatoren haben es mal wieder vorzüglich verstanden ein für den Themenschwerpunkt (Post-)Rock & more ausgewogenes Lineup zusammenzustellen, das wirklich jedem Besucher mindestens ein Lächeln ins Gesicht zauberte.

Pünktlich ging es um 16:00 gleich mit einem richtigen Brett los:

NOORVIK (16:00)

Gut sechs Wochen vor dem Festival haben die Jungs ihr zweites Album „Omission“ rausgehauen (Review), das natürlich bei einem recht kurzen Opener-Gig von knapp einer halben Stunde nicht fehlen durfte. Nach den ersten Akkorden trieb es die schon angereisten Musikfans in die Halle und sie waren begeistert vom Auftakt der Kölner, die gegensätzlich zu ihrem Bandnamen (Stadt in Alaska) ordentlich einheizten. Bei dieser Band hatte Jan Hoffmann (Long Distance Calling, Anger Management & Promotion) ein feines Händchen und es bleibt zu hoffen, dass Jungs noch weitere große Schritte in der Szene machen.

THERE’S A LIGHT (16:55)

Knapp ein Jahr nach einer kleinen Tour durch chinesische Millionenstädte hat es die Lahrer Band „There’s A Light“ in das kleine 47.000 Einwohner (mit Eingemeindungen) zählende Städtchen Neunkirchen verschlagen und sie spielten sich mit ihren letztjährigen Debut-Full-Length-Album „A Long Lost Silence“ und ihrer EP „Khartoum“ postrockend in die Herzen der Besucher. Ihr melancholischer und doch treibender Sound war perfekt abgestimmt auf ihre Bühnenvorgänger von Noorvik. Das Konzept ihrer Musik, modernen Post-Rock mit intensivem Gesang und Samples zu kombinieren kam überaus gut an, was sich an schnell leerenden Merch-Kisten am Stand widerspiegelte. Schon vor ihrem Auftritt waren verschiedene Größen an Shirts überaus schnell vergriffen.

MIDAS FALL (17:50)

Die dritte Band des Festivaltages war Midas Fall aus Schottland, die sich seit über zehn Jahren und vier Alben um intelligente Rockmusik verdient macht. Eigentlich ist Midas Fall ein Duo um die Gitarristen-Flummi-Frau Rowan Burn und die Frontfrau, Gitarristin und Sängerin Elizabeth Heaton, ergänzt um jeweilige Konzert-Bassisten und Schlagzeuger. Musikalisch ist das, was die Schotten abliefern, nicht direkt einzuordnen. Da ist Post-Rock die beeinflussende Basis, Prog-Elemente, Art- und Space-Rock-Einflüsse und dann die fantastische Stimme von Elizabeth Heaton, die in Teilen immer wieder an Musikergrößen wie Kate Bush, Björk oder Dolores O’Riordan erinnert. Die energiereichen Passagen lassen Rowan Burn wie einen Wirbelwind über die Bühne fegen und man könnte meinen, sie wäre in einem Ton- und Spielrausch.

SOMALI YACHT CLUB (18:55)

Denkt man an Somalia und Yacht, hat man üblicherweise direkt ein paar üble, moderne Piratenszenen vor Augen: Menschen mit Sturmmasken und Maschinenpistolen, die nach dem Ersparten und Leben von Menschen und Firmen trachten. Nein, auch wenn das letzte Album der Ukrainer „The Sea“ heißt, kommt da doch staubtrockener Post-/Stoner-/Dessert-Rock aus den Boxen und der ist nicht brutal und raubend, sondern flächig, raumgreifend, melancholisch, feinfühlig, versehen mit einer gefühlvollen Stimme von Gitarrist und Sänger Mezk Erei. Die drei Osteuropäer nahmen das Publikum mit auf eine intensive Rockreise ans Ende der Welt und wieder zurück, um im Anschluss an ihre Landsleute von „Stoned Jesus“ zu übergeben.

STONED JESUS (20:00)

Im fließenden Übergang von Post-Rock zu Doom-/Stoner-Rock, kamen zur TV-Prime-Time die Ukrainer von „Stoned Jesus“ auf die Bühne, die retrospektiv die Publikumslieblinge waren. Im zehnten Jahr ihres Bandbestehens gaben die drei Energiebündel eine Mixtur aus alten und neuen Songs zum Besten. Weitaus doomiger als auf den Alben und mit einer Stimme, die live ebenfalls näher an Ozzy Osbourne als auf den Tonträgern liegt, eroberte das Trio die dunklen Herzen der Fans. Um gestärkt in die Co- und Headlinergigs zu gehen, verabschiedete sich der Autor mal kurzer Hand zum Essen fassen. Daher fällt dieser Abschnitt noch kürzer aus als die übrigen.

MONKEY3 (21:15)

An dieser Stelle wollte der Autor vor einigen Wochen noch einen Bericht über „My Sleeping Karma“ bringen. Leider musste der Slot kurzfristig wegen ernsthaften, gesundheitlichen Gründen eines Bandmitglieds anderweitig besetzt werden. An dieser Stelle wünschen wir eine hoffentlich baldige Genesung und nur das Beste.

Mit den Schweizer Psychedelic-/Stoner-Rockern von Monkey3 wurde aber schnell ein adäquater Ersatz als Co-Headliner gefunden. Die Instrumentalrocker gaben alles auf der Bühne und begeisterten mit abgefahren spacigem Sound und passenden Hintergrund Animationen. Den Einsatz der beiden großen Nebelmaschinen am Bühnenrand hätte man sich sparen können,  da sich Boris und dB exzessivem Dampfen hingaben und die Bühne in aromatischen Nebel tauchten. Musikalisch gab es das volle Monkey3-Brett auf die Ohren der Besucher. Der einzige Wermutstropfen des Gigs war die Länge bzw. Kürze des Sets. Nach etwas mehr als einer Stunde räumten die Mannen aus Lausanne das Feld für den Headliner des Festivaltages.

ALCEST (22:40)

Headliner des diesjährigen Festes waren Alcest aus Avignon und kein so hochkarätiger Name wie Riverside im letzten Jahr. Und trotzdem hatte sich die Halle bis zum Headliner hin zu mehr als der Hälfte gefüllt. Die Franzosen um den Gitarristen und Sänger Neige zeigten sich in absoluter Spielfreude und präsentierten neben Songs ihres neuesten Albums „Spiritual Instinct“ auch ältere Stücke wie unter anderem „Autre Temps“ aus dem 2012er Album „Les Voyages De L’Âme“. Die, die ein schwelgerisches und säuselndes Set erwartet hatten, wurden eines Besseren belehrt und konnten munter ihre Haare und Köpfe schütteln.

Zum Festival:

Auch in diesem Jahr ein großes Lob an die Macher des Gloomaar. Ein thematisch stimmiges und doch abwechslungsreiches Line-Up. Eure Arbeit und Euer Einsatz scheinen sich in steigenden Besucherzahlen auszuzahlen. Macht einfach weiter so!

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Letzte Aktualisierung am 9.12.2019 um 08:31 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API