Großer Pop – Lilly in Wiltingen

Konzertbericht zu Lilly Among Clouds

Lilly Among Clouds
DATUM» 30.01.2020
ARTIST»
VENUE»

Als Christof Kramp mit seiner Konzertagentur Station K die Drittplatzierte des Vorentscheids zum ESC 2019 “Lilly Among Clouds” ins Bürgerhaus nach Wiltingen einlud, war dies schon eine kleine Überraschung, da die Location nach dem ESC-Vorentscheid und dem Bekanntheitsschub für Lilly nicht sonderlich viel größer war als die Synagoge in Wawern, in der Lilly bereits 2018 auftrat.

Bevor Lilly die Bühne betreten und das Publikum verzaubern sollte, gab es mit Eric Maas eine kleine Änderung im Vorprogramm, denn der Supportact “Hello Emerson” aus den USA zog dem Lilly-Support eine Veranstaltung in Nürnberg vor. Der Singer/Songwriter aus dem Dreiländereck Deutschland/Frankreich/Luxemburg feierte seinen kurzfristigen Supportslot mit einem knappen halbstündigen Programm aus englisch- und französischsprachigen Songs. Als Alleinunterhalter unterstützte in lediglich seine Loopstation für mehrstimmige Parts und Percussioneinlagen. Mit “Musical Police” endete das Aufwärmprogramm, das vom Publikum gut angenommen wurde und mit kräftigem Applaus bedacht wurde.

Pünktlich um 21 Uhr betrat Elisabeth Brüchner alias Lilly Among Clouds mit ihren drei Begleitern die Bühne. Sie kündigte einen Abend mit einer Songauswahl aus ihren beiden Alben “Aerial Perspective” und “Green Flash”. Wie der Tourname schon ankündigte lag der Schwerpunkt auf ihrer 2019er Auskopplung “Green Flash”.

In Zeiten von gecasteten Superstars, die eine Halbwertzeit eines Fastfoodburgers haben, ist diese Formation eine Wohltat. Selbstgeschriebene Songs mit Drive oder auch Melancholie, selbstgeschriebene Texte mit viel Emotion, Tiefgang; alles hat seinen Stellenwert und wird entsprechend zelebriert. Die Stimme von Elisabeth ist hier das Non-plus-ultra und reicht von dunklem soullastigem Amy Winehouse Stil bis zu zerbrechlicher Björk-Attitude. Wenn die Songs es bieten, wird auf der Bühne gesprungen und gehampelt, Grimassen gezogen. Gäbe es Monty-Python noch, Lilly wäre die Ausgeburt für das Ministry of silly dances/faces.

Ihre Ansprachen sind so herrlich durchsetzt von Nervosität, Lampenfieber, Verpeiltheit und charmant verhaspelt (“Ihr wisst schon, was ich meine.”). Manchmal könnte man meinen, der verwirrte Prediger aus ‘Das Leben des Brian’ (“[…] also ich wollte sagen, das etwa zu dieser Zeit die Verwirrung durch die ähm, und die Verwirrung wird alljene verwirren […]”). Das alles ist in den Momenten vergessen, wenn die ersten Noten zu den Songs gespielt werden. Dann dreht sie auf, ist sie in ihrer Welt, stark, ohne Nervosität, ganz selbstbewusst.

Nach etwas mehr als eineinviertel Stunden ging dieser wunderbare Abend mit einer Top-Künstlerin in die Extrarunde mit drei Zugaben, bevor dann endgültig Schluss war und wieder Beschaulichkeit ins kleine Wiltingen einzog. Man kann dieser Künstlerin beziehungsweise der ganzen Band (die sollte man nicht vergessen) nur wünschen, dass sie demnächst vor genauso vollen Hallen spielen, wie die angehimmelten Emporkömmlinge, wie Wincent Weiss etc.

Unsere Lilly Among Clouds Empfehlung

Letzte Aktualisierung am 31.01.2020 um 19:44 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API