GREGORIAN waren zum 20-jährigen Jubiläum in der Arena Trier – 31.1.2020

DATUM» 31.01.2020
ARTIST»
VENUE»

Schon seit zwanzig Jahren sind GREGORIAN als Sänger mit Begleitband im Stil des gregorianischen Chorals mittelalterlicher Mönche unterwegs. Ein Konzept, das sich bewährt hat und das ihnen einige Topalben in den Charts als “Masters of Chant” bescherte. Das Konzept ist denkbar einfach: Man nehme Pop- und Rockklassiker, die jeder kennt, und verleihe diesen einen neuen Klang. Spannend wäre es, dies wirklich a cappella und mehrstimmig zu tun, doch Gregorian haben eine Rockband dabei, die eigene Akzente setzt, und beschränken sich beim Gesang meist auf wohlklingende Harmonie-Passagen in Quinten und Terzen. Auch nett, aber unter den Möglichkeiten.

Die erste Konzerthälfte war dann auch ein Hitreigen mit Stücken wie “The Sound of Silence”, “Hymn” und “In the Air Tonight”. Es zeigte sich beispielsweise bei “Join Me”, dass es Sinn macht, mit Amelia Brightman auch eine weibliche Sängerin mit an Bord zu haben. Warum man diese allerdings gleich in einer Hexenverbrennung stilisieren musste, sei mal dahingestellt.

Es gab ein Lob an Trier und das römische Erbe. Die acht Sänger versteckten sich in ihrem parallelen Wohlklang oft hinter der Band, die vor allem mit ihrem Schlagzeug bisweilen auch zu laut war. “With or Without You” war dann ein erster wirklich atmosphärischer Song, der per Violine sanft begleitet wurde. Direkt danach gab es die Rammstein-Riffs von “Engel” in voller Härte.

“Crying in the Rain” bot zum Schluss eine geniale Sologitarre. “Hells Bells” klang wirklich gruselig – da fällt mir nichts anderes ein – aber “Streets of Philadelphia” glänzte dann wieder. Den kann ohnehin nichts entstellen. Die Mönche zelebrierten einen choreografierten Umher-Geh-Tanz. Synchron, aber nicht weltbewegend. Erst zu “Sky and Sand” kam mehr Bewegung in die Show. Und dann war auch schon Pause.

Teil 2 sah nicht mehr die großen Chartklassiker vor. Jetzt konnte man aber schöne Perlen wie “Say Something” und “Faded” entdecken. Die Mönche waren inzwischen in weiße Gewänder gekleidet, die zugleich als Projektionsfläche für eine emotionale Videoshow dienten. Das wirkte sehr gut – auch und vor allem, als sympathische Dokuaufnahmen von den Proben gezeigt wurden. Zu “Faded” gab es eine Lasershow, die die Protagonisten mit ihren Händen erzeugten.

Ab “Pie Jesu” stieg der musikalische Wert der Veranstaltung für mich schlagartig. Es passierte einiges, mit dem ich nicht mehr gerechnet hatte, und meine anfängliche Skepsis schlug in Begeisterung um. Da war der Countertenor Narcis plötzlich mit im Chor, der Werke wie “Ave Maria” stark veredelte. “Frozen World” brachte den Zauber keltischer Musik in die Veranstaltung und das wunderschöne “One More Day” wurde von Amilia Brightman ganz allein vorgetragen.

In der Zwischenzeit hatten sich die Mönche im Pubikum (zu meinem Glück ca. zwei Meter von mir entfernt) aufgebaut und brachten, oh Wunder, ein echtes mehrstimmiges a cappella Medley. “Gaudete” in vollendeter Form, “Mary, Did You Know” zum Dahinschmelzen schön. Stark, was hier für Stimmen am Start waren! Zum bekannten “Only You” kam die Band akustisch mit hinzu. Das Publikum spendete am Ende stehende Ovationen und die Begeisterung schaffte sich Raum.

Zurück auf der Bühne gab es einen ausgiebigen Zugabenblock mit sechs Stücken. Zum “Cup Song” wurde ein Trinkgelage nachgestellt. Passend, denn Amelia hatte auch noch Geburtstag. Leonard Cohens “Hallelujah” gehört zu den schwierigsten Stücken überhaupt (zumindest wenn man es mehrstimmig singt) und auch das meisterten die Sänger hervorragend, indem sie es sich sehr schön klanglich aufbauen ließen und immer mehr Stimmen dazu kamen.

“Viva la Vida” von Coldplay sah eine Choreografie vor, die dem Chor einiges abverlangte. Da war Action auf der Bühne – Respekt! Mut “Fairytale of New York” endete der Set mit einem Weihnachtssong. Manche mögen das unpassend finden, wo Weihnachten ja schon Anfang November anfängt und an Silvester schlagartig endet. Schön aber, dass hier die Weihnachtszeit noch zelebriert wurde, wie sie ursprünglich gemeint ist – den ganzen Januar hindurch.

Mein Fazit? Der Anfang war wie erwartet: Charthits in mittelalterlicher Gesangsversion. So weit so gut. Solide dargebracht, aber nicht weltbewegend. Erst die zweite Hälfte hat die Livequalitäten der Truppe gezeigt. Und das hat mich wirklich überzeugt! Der nächste Gig in Deutschlands ältester Stadt (wenn nicht hier, wo dann?) sollte sicher sein.

Unsere GREGORIAN Empfehlung

Letzte Aktualisierung am 19.02.2020 um 20:31 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API