MoTrip und die „Elemente“ – Rap und Poesie auf einer neuen Ebene

VERÖFFENTLICHUNG» 12.06.2020
BEWERTUNG» 8 / 9
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Wie so oft hebt die Sendereihe „Sing meinen Song“ einen Künstler auf den Schirm, den es bisher in der öffentlichen Wirkung nicht so gab. Man denke nur an Gregor Meyle, Seven oder Daniel Wirtz. Diesmal scheint es vor allem Rapper MoTrip zu sein, der in die spezielle Wahrnehmung des Publikums rückt. Klar – man kannte den Namen. Meistens als Feature von bekannten Rappern wie Kool Savas, Sido oder Samy Deluxe. Doch welch wundervolle Musik MoTrip in seinen bisher neun Jahren als Profimusiker geschaffen hat, wird manchen jetzt erst bewusst.

Eigentlich gibt es erst zwei vollwertige Alben des Aacheners: „Embryo“ (2012) und „Mama“ (2015). Letzteres immerhin auf Platz 3 der deutschen Charts und mit dem veritablen Hit „So wie du bist“. Dass danach eine so lange Sendepause herrschte, in der MoTrip nur ein Kollabo-Album und einen orchestralen Livemitschnitt veröffentlichte, ist bemerkenswert. Auch jetzt gibt es im Zuge von SMS kein neues Werk, sondern eine Best-of-Compilation mit drei neuen Stücken. Trotzdem fasst diese sein Gesamtwerk perfekt zusammen und lässt sich gerne als eigenständiges Werk bewerten.

Ganze 23 Titel beschreiben die neun Jahre MoTrip. Wir erfahren viel Biografisches und erleben seine ganz spezielle Poesie. Es sind vor allem wortgewaltige und gefühlvolle Formulierungen, die seine Musik und die Texte ausmachen. „Meine Musik handelt oft von einer besseren Welt, was auf manche naiv wirken mag“, sagt MoTrip. „Es ist doch so: Ein Mensch alleine kann keine acht Milliarden Schritte gehen. Aber wenn jeder Bewohner dieses Planeten jeweils einen Schritt geht, sind es am Ende auch acht Milliarden.“ In einer immer öfter gespaltenen Gesellschaft ist die Musik von MoTrip ein Plädoyer für den Zusammenhalt und das Miteinander fernab von Nationalität und Religion.

Mohamed El Moussaoui – so heißt er mit vollständigem Namen – kam im Alter von einem Jahr als Bürgerkriegsflüchtling aus dem Libanon nach Deutschland. Eine Tatsache, die ihn sehr geprägt hat und die seine Musik in vielen Momenten bestimmt. Oft geht es um kulturelle Identitäten und Standortbestimmung, auch in Titeln wie „So wie du bist“, „Feder im Wind“ oder „Tagebuch“. Mo singt von prägenden Erfahrungen und ist dabei grundehrlich. Die Beziehung zu seiner Freundin und zukünftigen Frau, die er bereits seit der sechsten Klasse kennt, ist ständiges Thema. Auch die schwierigen Punkte im Leben, wie eine Abtreibung im Song „Embryo“, werden schonungslos offen thematisiert. Und die Liebe zur Familie trägt schon der frühere Albumtitel „Mama“ in sich.

MoTrip versteht es, Menschen zu bewegen. Bei Sing meinen Song lagen sich viele sichtbar tränenüberströmt in den Armen, als seine Songs erklangen. Und er verstand es ebenso, die Lieder der anderen Interpreten komplett umzuschreiben und ihnen neue Elemente mitzugeben. Sie bisweilen zu seinen eigenen zu machen. Das ist große Kunst – und wer mehr davon erfahren will, hat momentan zwei gute Gelegenheiten: Die Compilation zu „Sing meinen Sing – das Tauschlonzert Vol. 7“ und (noch viel tiefer gehend) in der Zusammenstellung „Elemente“, die MoTrips Karriere überaus umfassend in einen Rahmen packt.

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Letzte Aktualisierung am 13.06.2020 um 16:57 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API