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Florian Künstler – ein Plädoyer für Menschlichkeit und Empathie

Florian Künstler  -  Quelle: Sony Music

Am 20.11.erschien Florian Künstlers neue Single »Diese Straßen«. Die gewaltige Ballade ist ein Plädoyer für Menschlichkeit und Empathie– und ein musikalischer Triumph des Lübecker Songschreibers.

Hand aufs Herz: Wann sind wir das letzte Mal mit offenen Augen durch die Welt gegangen? Zum Beispiel jetzt im Herbst, wo es draußen grau wird, das Wetter oft ungemütlich ist und die letzten Blätter fallen? Die ehrliche Antwort bei den meisten von uns wäre wohl, dass wir uns im Allgemeinen darauf konzentrieren, irgendwie von A nach B zu kommen. Dass wir ja sowieso schon genug eigene Probleme im Kopf haben, vor allem jetzt während dieser Pandemie, und klar: unangenehm kalt und windig ist es halt auch.

Es wäre eine ehrliche Antwort, für die man sich nicht schämen muss, denn die eigenen Probleme wiegen bekanntlich immer am schwersten. Aber ist es auch die richtige Antwort? Diese Frage stellt Florian Künstler. Der Lübecker Songschreiber möchte uns mit seiner neuen Single »Diese Straßen« ermutigen, etwas genauer hinzusehen. Zum Beispiel zu den Leuten, mit denen es das Leben nicht ganz so gut gemeint hat. Die Ärmsten der Gesellschaft, Obdachlose, Junkies, Trinker: Künstler hat sie kennen gelernt, er weiß, wovon er singt. »Ich war zwar nie obdachlos, aber es ging mir phasenweise schlecht«, sagt Künstler. »Ich hatte keine Kohle, nichts zu essen und habe deshalb Straßenmusik gemacht. Und als Straßenmusiker gehört es zum guten Ton, sich mit anderen Künstlern oder auch Bettlern abzustimmen, bevor man irgendwo spielt. Darüber habe ich eine Menge Leute kennen gelernt.«

Künstler hat damals das eigentlich Offensichtliche gelernt, das wir indes viel zu oft ignorieren: dahinter steckt immer ein Mensch, der einfach nur ein bisschen Aufmerksamkeit und Liebe möchte. Wie wir alle. Es geht hier also auch um Vorurteile und das konfektionierte Bild, das wir aus Bequemlichkeit im Kopf haben. »Ich weiß wie es ist, wenn man wenig hat«, sagt Künstler. »Zwei Euro sind schon Nudeln und was zu trinken. Wenn ich in Hamburg jemanden sehe, der Plastiktüten um die Füße gewickelt hat und keine Schuhe besitzt, dann gebe ich ihm doch meine Schuhe. Ich habe nämlich mehrere Paar.«

Geschrieben hat sich »Diese Straßen« wie von selbst, der Song war einer dieser ganz seltenen Glücksfälle, bei denen die erste Idee automatisch zum Rest führt. Und das lag natürlich auch am biografischen Hintergrund Florian Künstlers. »Jules Kalmbacher hat so eine Gitarrenlinie gespielt und mir fielen dazu diese Worte ein: ›Du bist ‘ne gute Seele.‹ Da sind sofort Erinnerungen aufgeploppt.«

»Du bist ‘ne gute Seele, hast‘n warmes Herz/Du hast ‘ne raue Schale, mit ‘nem goldenen Kern/Und du torkelst durch die Straßen, eckst überall an.« So geht die Eröffnungszeile des Songs nun komplett. Die akzentuiert gezupfte Akustikgitarre macht dazu riesige Räume auf, die Künstler mit seiner gewaltigen Stimme und dieser mitreißenden Emphase besiedelt, die so typisch für ihn ist. Gitarre, Stimme, dezent atmosphärische Keyboards: mehr ist es nicht, mehr braucht es nicht. Mit diesen wenigen Mitteln entwickelt »Diese Straßen« eine unwiderstehliche Dynamik, einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Produziert hat Künstler den Song zeitgleich mit dem Material für seine am 2. Oktober erschienene erste EP »Umwege«.

Florian Künstler hat in diesem schwierigen Jahr immer wieder Mut und Trost gespendet, seine bislang veröffentlichten Songs addieren sich inzwischen zu einer grandiosen Playlist, die immer deutlicher macht: da wächst Großes heran.

Umso wichtiger ist es, genau hinzuhören. »Und wenn die Nächte bitterkalt sind, reichen auch zwei Decken nicht«, singt Florian Künstler schließlich in »Diese Straßen«. »Der nächste Tag kommt sowieso, mit oder ohne dich.« Schärfen wir also gelegentlich den Blick. Das ist die Botschaft des Florian Künstler, und vielleicht denken wir darüber mal nach. Weihnachten steht vor der Tür. Längst nicht alle haben die Wahl, abends aufs warme Sofa zu sinken. Für einige von uns ist gewissermaßen immer Lockdown.

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