7. Night of the Prog Festival mit Sylvan, Arena, Spock’s Beard, Saga, 7. Juli 2012 Loreley, Tag 1

7. Night of the Prog Festival 2012 Loreley
DATUM» 07.07.2012 - 08.07.2012
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Bereits zum siebten Mal hatten Wiv-Entertainment zur „Night oft the Prog“ geladen. Die Freilichtbühne auf dem Loreley-Felsen ist einfach die perfekte Location für diese Veranstaltung. Der Wettergott war uns gnädig und erfreute die Prog-Fans mit strahlendem Sonnenschein. Das Line-up ließ mal wieder Großes erwarten: Progressive Rock aus Skandinavien, Deutschland, Großbritannien, den USA und Kanada. Es ist das Konzept dieses Festivals, eine möglichst große Bandbreite zu zeigen – und das ist Winfried Völklein auch in diesem Jahr gelungen.

Der weiten Anreise geschuldet kamen wir erst zu den Klängen von Airbag auf dem Festivalgelände an. Die Norweger gründeten sich ursprünglich als Pink Floyd-Coverband. Das kann man auch heute noch ahnen, denn flächige Keyboards und eine floydige Atmosphäre bestimmen das Klangbild. Ihr Live-Debüt auf deutschem Boden ist in jedem Fall gelungen und das aktuelle Album „All Rights Removed“ hat sicher einige Abnehmer gefunden.

Dann kamen die Hamburger Sylvan (16:20-17:46), die ihrem Status als Platzhirsche des Progressive Rock aus deutschen Landen mal wieder alle Ehre machten. Grund genug, sich von dem schnuckeligen Biergarten mit Blick auf den Rhein zu trennen und die Open-Air-Arena zu betreten. Das weite Rund war locker gefüllt und die Stimmung unter den Fans hervorragend. Sylvan hatten viel neue Musik zu bieten. Das Album „Sceneries“ ist erst kürzlich erschienen und nahm dementsprechend breiten Raum ein. Es besteht aus fünf Kapiteln, die sich jeweils einem Bandmitglied widmen. Ein sehr introvertiertes Album mit vielen ruhigen Passagen. Live ist so etwas schwierig an die Leute zu bringen – doch mit Marco Glühmann verfügen Sylvan über einen Ausnahme-Vokalisten, der diese Kunst aus dem Effeff beherrscht und (nicht alle, aber viele Anwesende) mitzureißen vermochte. Ganze drei Chapter aus dem sperrigen neuen Werk wurden gespielt – und dann noch zur Freude aller zwei Songs von Sylvans Meisterwerk „Posthumous Silence“, das als komplexes Konzeptalbum noch immer das Maß aller Dinge für die Band ist.

Setlist SYLVAN

  • Sceneries Chapter I: The Fountain Of Glow
  • Sceneries Chapter II: Share The World With Me
  • The Colors Changed
  • Posthumous Silence
  • Sceneries Chapter V: Farewell To Old Friends

Auf Arena (18:10-19:30) war ich ganz besonders gespannt – bin ich doch seit den Anfangszeiten der Band im Jahr 1995 großer Fan und verfolge alles, was die Truppe um Mick Pointer und Clive Nolan so macht. Vor allem gab es über die Jahre einige Wechsel am Mikro und Paul Manzi (der den schmierigen Rob Sowden ersetzt) ist ganz neu mit dabei. Lange mussten die Fans auf ein neues Album ihrer Neo-Prog-Heroen warten. Kürzlich erschien (nach sechs Jahren Pause) das neue Werk „The Seventh Degree Of Separation“. Die stilistische Bandbreite bleibt zwischen Symphonic Rock und härteren Elementen. Doch man muss sagen, dass das Album eher Richtung Hard Rock als in die reine Prog-Schiene läuft. Weniger Bombast, spärliche Keyboards, stattdessen ab und an derber Hau-drauf-Rock. Paul Manzi ist absolut geeignet dafür – er hat eine sehr rockige Stimme und singt die neuen Songs in Höhen und Tiefen perfekt. Ein Frontmann, der perfekt zu Arena passt – das bewies er auch auf dem Loreleyfelsen. Allerdings war schon zu bemerken, dass er mit den älteren Songs große Schwierigkeiten hatte. Vor allem die Tracks aus den 90ern, die im Set eingebaut waren, wollten bei ihm nicht so recht funktionieren. Darüber hinaus war das Konzert aber absolut stimmig. John Mitchell und der zurückgekehrte John Jowitt sind ein Dreamteam an den Gitarren und die Setlist umfasste mit „A Crack In The Ice“, „(Don’t Forget To) Breathe“ und „Valley Of The Kings“ einige Highlights. Allerdings gab es nur einen Song aus den Anfangstagen – und das war für mich absolut zu wenig. Schade.

Setlist ARENA

  • The Great Escape
  • A Crack In The Ice
  • (Don’t Forget To) Breathe
  • Riding The Tide
  • What If ?
  • Burning Down
  • Serenity
  • Valley Of The Kings
  • Ghost In The Firewall
  • Rapture
  • The Ghost Walks
  • Bedlam Fayre
  • Echoes Of The Fall
  • The Tinder Box
  • Ascension

Die nächste Band mit neuem Frontmann war Spock’s Beard (20:04-21:48), frisch eingeflogen zum exklusiven Deutschlandkonzert aus den USA. Für viele waren sie das Highlight des Festivals, denn man wollte sehen, wie sich der neue Sänger Ted Leonard gegenüber den extrovertierten Bandmitgliedern Alan Morse und Ryo Okumoto behaupten kann. In der Prog-Szene war er bisher als Fronter von Enchant in Erscheinung getreten und Fans wissen daher um seine charismatischen, gefühlvollen Vocals. Dennoch muss er als Nachfolger von Neal Morse (unter dessen Ägide Spock’s Beard ihre Hochphase hatten) und Nick D‘Virgilio (der weiland wie Phil Collins vom Schlagzeuger zum Mann am Mikro aufrückte) in große Fußstapfen treten. Das gelang ihm mit Bravour. Ted Leonard tritt frisch, dynamisch und unverbraucht auf. Die große Fanschar hatte er schnell im Griff. Und dazu gab es eine Setlist, von der sich jeder mitreißen ließ. Zunächst einige kurze Highlights wie „On A Perfect Day“ und „Day For Night“, zwei gänzlich neue Songs, die Großes für das elfte Album (vermutlich Frühjahr 2013) erwarten lassen – und zwei epische Progwerke, die jedes Fanherz höher schlagen ließen: „The Doorway“ und „The Light“. Ted meisterte alle stimmlichen Hürden, Ryo gab wie immer den Keyboard-Clown und Alan spielte ein souveränes Solo ums andere. Wer Spock’s Beard kennt, weiß, dass alle Bandmitglieder gerne mal sängerisch tätig werden und es oft chorische Passagen in den Songs gibt. In der Vergangenheit kam das live nicht immer perfekt aus den Boxen. Doch seit Jimmy Keegan an den Drums sitzt und man Ryo Okumoto in diesen Momenten das Mikro etwas leiser dreht, sind die mehrstimmigen Passagen sehr schön anzuhören. Einziger Wermutstropfen am Abend: Während „The Light“ kam es zu einem Pfeifgeräusch am Keyboard-Monitor, das die Band sehr irritierte und dieses wichtige Stück leider leicht beeinträchtigte. Trotzdem ein Kompliment für das Neoprog-Flaggschiff aus den USA: Der Drops ist noch lange nicht gelutscht.

Setlist SPOCK’S BEARD

  • Edge Of In-Between
  • On A Perfect Day
  • Day For Night
  • Submerged (neu, unveröffentlicht)
  • Kamikaze (instrumental)
  • The Doorway
  • She Is Everything
  • Something Very Strange (neu, unveröffentlicht)
  • Walking On The Wind
  • The Light

Der Abend neigte sich dem Ende zu und mit Saga (22:12-23:58) durfte der Headliner des ersten Abends ran. Diesmal kein neuer Sänger, sondern ein zurückgekehrter. Blöd für Rob Moratti, der drei Jahre lang als Lückenbüßer fungierte, in meinen Augen einen Superjob machte, aber der großen Fanschar Michael Sadler nicht ersetzen konnte. Das Album „The Human Condition“ bot guten Prog. Morattis Stimme klang ganz anders als die des Vorgängers, was auch eine gute Wahl war. Jetzt muss er sich wohl vorkommen wie Ray Wilson damals bei Genesis: Der Meister will zurück zu uns – du hast deine Schuldigkeit getan. Also Schlussstrich. Es gibt ein neues Album – vielleicht eines der besten in der langen Diskographie. Der Titel „20/20“ ist mehrdeutig: Das zwanzigste Album der Band. Gleichzeitig medizinischer Begriff für perfekte Sehkraft und damit ein Wunsch für Jim Gilmour, der während der letzten Tour ausfiel und fast sein Augenlicht verlor. Ich muss gestehen, dass ich den Auftritt mit gemischten Gefühlen erwartete. Im vergangenen Jahr bei der Co-Headliner-Tour mit Marillion sah es so aus, als lebten Saga ausschließlich in der Vergangenheit und spulten ein reines Best-of-Programm ab. Auf der Loreley hingegen (gerade in einem Setting, in dem viele Bands nur ihre Hits spielen) gab es einen abwechslungsreichen und gut durchdachten Querschnitt durch viele Alben, sogar unter Berücksichtigung des selten gespielten „Generation 13“. Und tatsächlich zwei Tracks vom neuen Werk! „Six Feet Under“ und „Anywhere You Wanna Go“ zeigten uns eine wieder erstarkte Truppe mit markanten Gitarrenriffs, gewagtem Synthesizer-Einsatz und den ach so typischen Vocals. Prägnanter geht es kaum. Sadler ist nun mal ein begnadeter Sänger und was die anderen drum herum spinnen, ist handwerklich perfekt.

Setlist SAGA

  • Anywhere You Wanna Go
  • Mouse In A Maze
  • ‚Book Of Lies
  • Careful Where You Step
  • Framed
  • Corkentellis
  • The Perfectionist
  • The Cross
  • Drum Solo
  • Runaway
  • Tired World
  • Scratching The Surface (piano version)
  • It’s Time
  • Six Feet Under
  • Pitchman
  • On the Loose
  • Don’t Be Late

So endete der erste Tag dann doch mit einem Highlight und ich war schon etwas traurig, dass ich den Sonntag in diesem Jahr leider nicht mitnehmen konnte. Einen Bericht bekommt ihr trotzdem – vom Kollegen Karsten Bier. Und ich freue mich auf die achte Auflage des Festivals, die schon terminiert ist: „Night Of The Prog VIII“ steigt am 13. und 14. Juli 2013.