Alles geht mit der Zeit – Die Vans Warped Tour in Berlin

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DATUM» 09.11.2013
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Die Vans Warped Tour hat sich wirklich Zeit gelassen, zu viel Zeit will man meinen. Berliner jeden Alters sahen die altehrwürdige Tour in der Hauptstadt zum letzten Mal im vorigen Jahrtausend. Höchste Zeit, dass sich das ändert. Und siehe da, als einziger deutscher Standort der europäischen Warped Tour wird ausgerechnet Berlin von einer Schar verschiedenster Bands heimgesucht, um es in der Hauptstadt krachen zu lassen.

Der erste Blick auf die am Veranstaltungstag bekannt gegebene Running Order verrät, dass Ohropax für den frühen Nachmittag definitiv eine gute Allzweckwaffe gegen Gehörlosigkeit darstellen: Den Anfang machen vor allem extrem laute Bands, wie Memphis May Fire oder Crossfaith, bei denen das Trommelfell aufgrund von mäßigen Sounds und mäßigen Riffs ganz schön in Bedrängnis kommt.

Anders sieht es da beim Publikum aus. Diese sehen ebenso gleichgültig wie entspannt aus, wenn sie zu den Drop-C Riffs dezent ihre Köpfe nicken, als würde es unter Strafe stehen heute einmal die Ellenbogen einzusetzen oder wenigstens ein wenig die Luft zu verprügeln. We Are The Ocean sind da noch die Ausnahme, die mit ihrem eingängigen Post-Hardcore-Sound teils an die alten Zeiten der Warped Tour erinnern. Weit entfernt von den beiden Hauptbühnen, der East- und Weststage, tummelt sich noch im hintersten Eck die „Kevin Says Stage“. Eine Perle, gar eine Oase im weiten Meer des Brüllgesangs und böse dreinguckenden Metalanhangs. Die Folkcombo Skinny Lister macht sich hier gerade viele Freunde, als die Sängerin Lorna Thomas zu den Klängen von „John Kanaka“ und „Forty Wedding Pound“ eine fünf Liter große Pulle mit Schnaps unter die Leute kippt. Das Publikum johlt vor Begeisterung und tanzt sich die Füße rot. Ein Crowdsurf des Kontrabassbassisten samt Kontrabass setzt dem Ganzen die Krone auf. So dürfen sich Skinny Lister als die Überraschung des Nachmittags verabschieden.

Endlich werden auch auf der West Stage und der East Stage die Ellenbogen ausgepackt. Enter Shikari können mit „Sorry, You’re Not A Winner“ und „Juggernauts“ endlich Leben in die Bude bringen. Erste Beulen und blaue Flecken zeichnen sich bei vielen am ganzen Körper ab. Für Hartgesottene gibt es im Anschluss mit Parkway Drive eine so dermaßen fette Show, dass Headliner Billy Talent sang und klanglos abdanken kann.

So wird man die Warped Tour mit einem lachenden und einem weinenden Auge in Erinnerung behalten. Im Positiven wegen des soliden Line-ups und einiger Überraschungen, im Negativen aufgrund eines gähnend langweiligen Startprogramms.