Amorphis „The Beginning Of Times“ Tour 2012 – Garage in Saarbrücken

Amorphis "The Beginning Of Times" Tour 2012, Garage in Saarbrücken
DATUM» 03.01.2012
ARTIST» , ,
VENUE»

Der erste Konzertbesuch 2012 führte mich mal wieder in die Saarbrücker Garage. Am 3. Januar waren dort drei Vertreter der härteren Gangart zu Gast. Zunächst allerdings durfte ich in die heiligen Backstage-Hallen und den sympathischen Einar Solberg (Sänger der norwegischen Progband Leprous) mit ein paar Fragen löchern. Dann ging es in die leider nur halb gefüllte Garage. Der guten Stimmung tat die fehlende Zuschauermasse allerdings keinen Abbruch. Der skandinavische Dreierpack wusste von Beginn an zu begeistern.

Den Anfang machten The Man-Eating Tree aus Finnland. Zwei Alben hat die Band inzwischen auf dem Markt und die etwas weinerliche Stimme des Frontmanns wurde zu einer Art Markenzeichen. Live entschied man sich eher für die solide, fast schon konservative Hardrock-Darbietung ohne echte Highlights. Das riss auch die hübsche Keyboarderin nicht raus. Nach 25 Minuten gab es höflichen Abschiedsapplaus und man harrte der wirklich großen Dinge, die da noch kommen sollten.

Als zweite Band dann Leprous. Ihr neues Album „Bilateral“ steckt voller Überraschungen. Da finden sich dunkle, progressive Metal-Songs neben Vertretern des symphonischen Hardrocks. Sänger Einar Solberg erklärte uns im Vorfeld, was der Name bedeutet und wo er die Band aktuell sieht:

„Der Name heißt übersetzt leprakrank. Okay, wir waren 15, als wir uns das ausdachten. Ich kann zumindest versuchen, uns zu beschreiben: Wir sind eine Progressive Metal Band die keine Angst hat, Grenzen zu überschreiten. Wir tun das, von dem wir glauben, dass es gut klingt. Wir betrachten nicht die Erwartungen von außen. Wir wollen natürliche, von Menschen gemachte Musik. Wir sind eine Progressive Metal Band – und doch so viel mehr.“

Nach dem Konzert kann ich ihm nur Recht geben. Die Musik des jungen Quintetts war sehr vielseitig und ich konnte es kaum glauben, wie selbstbewusst und extrovertiert der fröhliche Norweger, der uns kurz zuvor noch seine Philosophie der Musikwelt erläuterte, plötzlich über die Bühne hereinbrach. Das war eine Wahnsinns-Performance, die da abgeliefert wurde. Mit schwingender Haarpracht, einem Wechselspiel aus leisen und aggressiv-herausgebrüllten Tönen, und mit fünf Instrumentalisten, die ihr Metier perfekt beherrschten und eine gigantische Show ablieferten, die sich durch vier Jahrzehnte des Progressive Rock zog.

Irgendwo zwischen King Crimson, Porcupine Tree, Opeth und Pain of Salvation kann man das Gehörte verorten. Das Publikum war zumindest von der 40minütigen Show begeistert und ich kann Einar Solberg abschließend nur zustimmen:

„Für mich bedeutet Progressive Rock einfach, dass man keine Angst hat, Konventionen und Grenzen zu durchbrechen. Und darin können wir uns wiederfinden.“

Dritter im Bunde waren Amorphis. Der Selbstfindungsprozess der Metaller aus Finnland hat lange gedauert. Man begann weiland mit reinem Death Metal, dem sich allerdings recht zeitig auch Progressive-Rock-Elemente beimischten. Dies wurde weiter verfeinert und Amorphis verzichteten stellenweise gar auf den aggressiven Growlgesang, was sie sicher einige Fans kostete. Seit dem Einstieg von Tomi Joutsen 2005 hat man aber das Gefühl, als hätten Amorphis endlich ihren ureigenen Weg gefunden. „The Beginning Of Times“ mag dann auch ein überaus sinnbildlicher neuer Albumtitel sein.

So ging es auch in Saarbrücken in die vollen. Ein symbolbehafteter Bühnenaufbau und der klanglich perfekte Sound unterstützten den kleinen Frontmann, der immer mal wieder auf eine Kiste stieg, um sich vollkommen gelöst zu präsentieren. Der stetige Wechsel im Gesangsstil machte die Klasse von Amorphis aus und es gab auch die typischen folkloristischen Einlagen im Wechsel mit sanften Pianomelodien und den gewohnt düsteren Passagen. Die Setlist umfasste alle Phasen der Band, was sicher die meisten Anwesenden zufrieden stellte. Ein solider Gig und in Kombination mit Leprous absolut perfekt.