Amplifier, „Special Guest“ der Anathema-Tour 2012 Batschkapp Frankfurt am Main

Amplifier, "Special Guest" der Anathema-Tour 2012 Batschkapp Frankfurt am Main
DATUM» 25.04.2012
ARTIST» ,
VENUE»

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die Vorgruppen bei Konzerten von vorneherein ignorieren oder gar bewusst erst zum Hauptact erscheinen. Im Gegenteil – viele meine gegenwärtigen Lieblingsbands habe ich zunächst als sogenannte „Supports“ kennengelernt. Andererseits stört mich die Entwicklung der letzten Jahre – vor allem im Metalbereich –, dass eine bekannte Band mit bis zu 4 (mehr oder weniger unbekannten) Gruppen auf Tour geschickt wird. Dadurch wird ein solcher Abend unglaublich lang, während gleichzeitig die Spieldauer der Hauptband regelmäßig deutlich verkürzt wird.
Das gegenteilige Extrem konnte ich jedoch glücklicherweise an diesem Abend genießen. Zwei Bands, die ich bereits mehrere Male zuvor gesehen hatte – sowohl als Support als auch als Hauptband –, spielten zusammen, und zwar ohne zusätzlichen „Anheizer“. Amplifier waren zwar nominell „special guest“, durften jedoch nahezu eine Stunde spielen. Aber zunächst zurück zum Anfang.

„Einlass: 19:00“ war angekündigt. Als ich um 5 Minuten nach 19 Uhr vor der Batschkapp eintraf, war die Tür noch geschlossen und es sollte fast bis halb 8 dauern, bis die geduldig wartenden Fans eingelassen wurden. Ein Blick auf die running order machte mich stutzig, denn laut dieser sollten Amplifier bereits um 19:40 (also wenige Minuten später) auf der Bühne stehen, und in der Tat ging um 19:39 das Licht aus und die sogenannte Vorgruppe begann ihren Set, obwohl die Halle noch fast leer war. Erklärbar wird dies durch die Angabe „Curfew 23:00“ auf der running order. Anstatt ihren Set zu kürzen, gingen Amplifier bewusst schon so früh auf die Bühne. Nun denn, warum nicht?

Bassist und Gründungsmitglied Neil Mahony war kurz vor dieser Tour ausgestiegen, sodass ein neuer Mann den Viersaiter betätigte. Er machte seinen Job gut und versuchte gar nicht erst die oft recht eigenwillige Bühnenpräsenz seines Vorgängers zu imitieren. Wer im Gegensatz zu mir die Band nicht auf ihrer letztjährigen „Octopus“-Tour gesehen hatte, konnte auch eine weitere Änderung im Lineup bemerken: Steve Durose von den befreundeten (und inzwischen aufgelösten) Oceansize war an der zweiten E-Gitarre zu sehen und zu hören. Dadurch kann sich Frontmann Sel Balamir nun stärker auf den Gesang konzentrieren und seinen Effektpedal-Overkill etwas reduzieren. Meiner Ansicht nach hat diese Entwicklung dem Live-Sound der Band sehr gut getan. Druckvoll und transparent schlägt dem Publikum eine „Wall of Sound“ entgegen, während in der Vergangenheit viele Effekte der Gitarre(n) oft im Soundbrei untergegangen waren. Nicht überraschend war, dass die Band hauptsächlich Stücke ihres Debütalbums sowie des letztjährigen Magnum Opus „The Octopus“ ausgewählt hatte. Mit ihrer zweiten Platte „Insider“ ist die Band selbst nie wirklich zufrieden gewesen, da sie unter sehr schwierigen finanziellen und logistischen Bedingungen entstanden war. Als Schmankerl zu Beginn des Sets gab es zudem einen Titel der grandiosen „The Astronaut Dismantles HAL“-Ep von 2005.

Auch wenn ich Amplifier seit 2005 bereits mehrfach (freiwillig) gesehen hatte (sieben Mal), war ich aus ganz persönlichen Gründen von einigen (nicht-musikalischen) Entwicklungen eher enttäuscht. Insofern ist es umso bemerkenswerter, dass ich ihren Auftritt als rundum gelungen empfand. Songauswahl, Sound, Länge (57 Minuten), Performance – alles im grünen Bereich.

Setlist Amplifier
Continuum
Panzer (auf der Setlist „Panda“ genannt)
Motorhead
The Wave
Interglacial Spell
Interstellar
Neon